Mythos vom Schlafräuber widerlegtHund mit ins Bett? Für die Nachtruhe kein Problem

Viele Hundehalter lassen die Haustiere mit ins Bett, trotz aller damit verbundenen Störungen. Eine Studie zeigt nun: Die Schlafqualität leidet messbar nicht darunter. Erstaunlicherweise weckt dabei meist das Herrchen seinen Hund.
Nicht jeder Hundehalter gibt es gern zu, doch Umfragen zeigen es klar: Viele Hunde dürfen nachts mit ins Bett. Doch schläft es sich wirklich gut, wenn ein Gutteil des Bettes blockiert ist und dort auch noch jemand schnorchelt und zappelt? Forschende haben genauer hingeschaut und sagen: Hunde und ihre Besitzer stören sich nachts tatsächlich, schlafen aber wohl trotzdem ganz gut. Und: Es ist womöglich eher das Herrchen, das seinen Hund weckt, als umgekehrt.
Würde man die Hunde fragen, wäre die Sache wohl klar: Natürlich schlummern sie eng an ihren Menschenkumpel gekuschelt, immer und überall. Als Rudeltiere schlafen Hunde generell gern eng beieinander. In der Natur macht solches Gruppenkuscheln auch Sinn: Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass ein einzelnes Tier drohende Gefahr mitbekommt und die anderen alarmiert. Neben diesem Schutzeffekt gibt es weitere Faktoren, zum Beispiel kann durch wärmendes Kuscheln Energie gespart werden.
Ein Team um Ming Fei Li und Lavania Nagendran von der University of Toronto bezog nun die nächtliche Aktivität von 25 Menschen - 21 Frauen und vier Männer - und ihren insgesamt 38 Hunden in eine kleine Analyse ein. Nicht alle Vierbeiner schliefen immer mit im Bett - aber wenn doch, nahmen sie viel Platz ein: Es handelte sich um zwei bis zwölf Jahre alte Huskys und Malamuts. Jeweils etwa vier Wochen lang wurde über Aktivitätsmessgeräte - beim Menschen am Handgelenk, beim Hund am Halsband - der Schlaf erfasst. Zudem wurden die Besitzer zu ihrer Schlafqualität befragt.
Gefühltes nicht bestätigt
Der tierische Begleiter hatte den Messdaten nach keinen merklichen Einfluss auf die Schlafdauer oder die Schlafqualität des Menschen, wie die Forschenden im Fachjournal "PLOS One" berichten. Das galt auch in den Fällen, in denen die Besitzer das subjektive Gefühl hatten, dass der Bettgenosse ihren Schlaf stört. Besonders oft berichteten demnach Menschen, die umgeben von mehreren Hunden schlummerten, über schlechteren Schlaf - in den gemessenen Schlafparametern zumindest spiegelte sich dieser Eindruck aber nicht wider.
Womöglich greife ein psychologischer Effekt: Die Mehrheit der Befragten habe angegeben, sich beim Schlafen mit ihrem Hund sicherer zu fühlen. Dieses Sicherheitsgefühl könne mit besserem Schlaf einhergehen, mutmaßen die Wissenschaftler.
Die Auswertung zeigte auch, dass die nächtliche Aktivität von Besitzer und Bettgenossen stark zusammenhing: Menschen und ihre Hunde wurden in der Regel etwa zur gleichen Zeit in der Nacht aktiv - in den meisten Fällen begannen dabei aber die Menschen früher als die Hunde, sich zu bewegen. Das deutet den Forschenden zufolge darauf hin, dass die Besitzer den Schlaf ihrer Vierbeiner stärker stören als umgekehrt.
Nur ein Hinweis, weil arg wenig Daten
Einschränkend gibt das Team zu bedenken, dass die Studie auf einer sehr kleinen Stichprobe beruht. Zudem sei keine Kontrollgruppe ohne Hunde berücksichtigt worden und es habe keine direkten Verhaltensbeobachtungen gegeben. Nagendran kann zumindest eigene Erfahrungen vorweisen: Sie habe selbst eine - inzwischen sehr alte - Schmusebacke von Hund. "Und er hat schon immer mit mir im Bett geschlafen." Li hingegen sagte: "Ich liebe Hunde, aber ich selbst habe eine Katze, und sie kann schlafen, wo immer sie will, denn sie ist eben eine Katze."
Übrigens: Auch beim Menschen ist evolutionär gar nicht vorgesehen, dass er einsam und allein in seinem Bettchen ruht. In prähistorischen Zeiten und bis weit in die Neuzeit hinein schlummerte auch Homo sapiens überwiegend in Gruppen. Erst mit der Industrialisierung und zunehmendem Wohlstand setzten sich in westlichen Kulturen Einzel- und Doppelbetten sowie private Schlafzimmer durch. In vielen Teilen der Welt ist das gemeinsame Schlafen nach wie vor üblich.