Hessen"Alarmierend": Reaktionen aus Hessen auf Pisa-Ergebnisse

Deutschlands Schüler erzielen in der Pisa-Studie so schlechte Ergebnisse wie nie zuvor. Kultusminister Armin Schwarz (CDU) sieht Handlungsbedarf – und verweist auf Hessens neues Bildungspaket.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Das schlechte Abschneiden deutscher Schülerinnen und Schüler bei der jüngsten Pisa-Studie ist für Hessens Kultusminister Armin Schwarz (CDU) nach eigenen Worten "alarmierend". "Auf diese Ergebnisse und Herausforderungen muss reagiert werden", erklärte er in Wiesbaden. Hessen sei mit seinem neuen Bildungschancenpaket bereits auf dem Weg.
Mit einer weiteren Deutschstunde in der ersten Klasse, Lesezeiten und Matheförderstunden werde der Fokus klar auf die Förderung der Grundkompetenzen gelegt, erklärte Schwarz. Das Fach "KI und Digitale Welt" stärke die digitalen Zukunftskompetenzen der Schülerinnen und Schüler.
Kultusminister: Handyverbot dient dem konzentrierten Lernen
Schwarz verwies auf die Einführung der Smartphone-Schutzzonen im vergangenen Schuljahr in hessischen Schulen. Damit werde der unkontrollierten Handynutzung entgegengewirkt und dafür gesorgt, dass im Unterricht konzentrierter gelernt werden könne.
In der neuen Pisa-Bildungsstudie schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden bei den getesteten 15-Jährigen "die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt", heißt es in der neuen Ausgabe der internationalen Vergleichsstudie. Die Ergebnisse liegen somit auch niedriger als bei der ersten Pisa-Studie im Jahr 2000.
Unternehmen müssen bereits heute viele Azubis nachschulen
Nach Einschätzung der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) bedeutet dies ein "bildungspolitisches und ökonomisches Alarmsignal". "Wenn ein Drittel der Jugendlichen die Basiskompetenzen im Lesen und Rechnen verfehlt und wir in den Naturwissenschaften den Anschluss an die internationale Spitze verlieren, geraten die Grundlagen für Ausbildungsreife, Innovationsfähigkeit und Wertschöpfung am Standort unter Druck", erläuterte VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. Schon jetzt müssten die Auszubildenden oft von den Unternehmen nachgeschult werden, damit die Ausbildung gelingt.
Um die Chancengerechtigkeit steht es schlecht
Der bildungspolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Daniel May, nannte die aktuellen Pisa-Ergebnisse einen "neuen Tiefpunkt der Bildungspolitik in Deutschland". Größtes Problem sei laut Studie die Chancengerechtigkeit. Der Zusammenhang zwischen Schulleistungen und sozialer Herkunft sei in Deutschland nicht nur überdurchschnittlich ausgeprägt, sondern habe sich seit 2015 deutlich verschärft. "Dieses Ergebnis muss CDU und SPD in Hessen zu denken geben", sagte May.
Opposition sieht Zukunft junger Menschen in Gefahr
"Wenn rund ein Drittel der Jugendlichen nicht ausreichend lesen oder rechnen kann, dann geht es nicht um irgendeine Statistik, sondern um die Zukunftschancen einer ganzen Generation", erklärte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Moritz Promny. "Lesen, Schreiben und Rechnen sind die Eintrittskarte für Bildung, Ausbildung und gesellschaftliche Teilhabe." Heiko Scholz, bildungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, erklärte: "So erschütternd diese Ergebnisse sind, überraschend kommen sie nicht." Der Leistungsgedanke sei weitgehend von den Schulen verbannt worden.