Berlin & BrandenburgMesserattacke auf Vater - 24-Jähriger gesteht vor Gericht

Ein Streit mit seinem Vater eskaliert. Schwer verletzt kann sich der 59-Jährige ins Treppenhaus retten. Nicht zum ersten Mal hatte der Sohn für einen Polizeieinsatz in der Familienwohnung gesorgt.
Berlin (dpa/bb) - Nach einem beinahe tödlichen Angriff auf seinen Vater vor knapp sechs Monaten hat ein 24-Jähriger vor dem Landgericht Berlin gestanden. Im Streit habe er zu einem Küchenmesser gegriffen und zugestochen, sagte der Sohn. Damals sei er verzweifelt über seine eigene Lebenslage gewesen und habe vieles davon auf seinen Vater projiziert. Was geschehen sei, tue ihm leid.
Der 24-jährige Deutsche soll seinem Vater in Tötungsabsicht ein Messer in den Bauch gerammt haben. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag. Das Gericht erteilte zu Prozessbeginn den Hinweis, dass auch eine Unterbringung des 24-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht komme.
Nachbarin alarmierte Rettungskräfte
Das 59-jährige Opfer konnte sich nach der Tat am 20. März 2026 aus der Familienwohnung in Berlin-Kreuzberg ins Treppenhaus retten. Eine Nachbarin rief per Notruf Hilfe. Der Mann sei durch eine Notoperation im Krankenhaus gerettet worden, heißt es in der Anklage.
Der Sohn sagte weiter, er habe damals "selbstständiger" werden wollen und gedacht, dass ihm der Vater im Weg stehen könnte. Spontan habe er im Streit den 59-Jährigen, der sich "relativ ruhig" verhalten habe, mit einem Messer attackiert. Bereits in den Monaten zuvor sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen - "ich habe meinen Vater geschlagen, auch mal meine Schwester geschubst". Mehrmals sei er nach Vorfällen in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht worden.
Laut Staatsanwaltschaft gibt es Anhaltspunkte dafür, dass der 24-Jährige aufgrund einer psychischen Erkrankung bei dem Angriff zumindest vermindert schuldfähig gewesen sein könnte. Er wurde am Tatort festgenommen und befindet sich seitdem vorläufig in einem Krankenhaus des Maßregelvollzugs. Für den Prozess sind fünf weitere Tage bis zum 5. November terminiert.