HessenErpressungsfälle in Kassel: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Drohungen, Brandsätze und Geldforderungen: In Kassel laufen Ermittlungen zu drei Fällen mutmaßlicher Erpressungen. Die Polizei bittet um Hinweise und Videos von Zeugen.
Kassel (dpa/lhe) - Die Polizei und die Staatsanwaltschaft Kassel ermitteln in drei mutmaßlichen Erpressungsfällen. Eine Gruppe von Tätern habe dabei von verschiedenen Geschäftsinhabern Geldsummen gefordert oder andernfalls mit Brandanschlägen auf deren Geschäfte gedroht. In zwei Fällen seien später tatsächlich Glasflaschen mit Brandsätzen geflogen, in einem davon werde mittlerweile sogar wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt, hieß es in der Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft.
Am Montagabend sei in der Kasseler Innenstadt in einem dritten Fall ein erster Tatverdächtiger festgenommen worden, dessen Verbindungen zu den anderen mutmaßlichen Erpressungen ebenfalls intensiv geprüft werde. "Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren." Zur Aufklärung der Fälle sei bei der Kriminalpolizei die Arbeitsgruppe "Bistro" eingerichtet worden.
Brandsatz fliegt durch Tür eines Bistros
Nach derzeitigem Ermittlungsstand habe sich die erste der Taten bereits am frühen Morgen des 28. August in der Kurt-Schumacher-Straße ereignet. Unbekannte Täter hätten zuvor über das Internet Kontakt zum Inhaber eines Bistros aufgenommen und von ihm unter Androhung eines Brandanschlags einen höheren Geldbetrag gefordert. Zur Tatzeit sei schließlich eine Glasflasche mit Brandsatz durch die geöffnete Eingangstür in das Bistro geflogen. Anwesende hätten das Feuer schnell löschen können. Menschen wurden nicht verletzt, auch größere Sachschäden habe es nicht gegeben.
Weiterer Brandsatz verfehlt 23-Jährigen nur knapp
Der zweite Fall dürfte nach derzeitigen Ermittlungen auf das Konto derselben Tätergruppe gehen und habe sich in der Nacht zum vergangenen Freitag im Kasseler Ostring ereignet. Dabei war eine Glasflasche in Richtung einer Gruppe junger Männer geworfen worden, die sich vor einem Mehrparteienhaus aufhielten. Der Brandsatz soll einen 23-Jährigen aus Kassel nur knapp verfehlt haben und gegen eine E-Ladesäule am dortigen Parkplatz geschlagen sein. Der 23-Jährige und seine Begleiter waren den Angaben zufolge unverletzt geblieben. Spuren und erste Ermittlungen hatten laut Polizei ergeben, dass es sich um eine Flasche mit einem Brandsatz handelte. Zeugenangaben zufolge war kurze Zeit später ein dunkler Pkw stadtauswärts davongefahren.
In diesem Fall laufen nun Ermittlungen wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts. "Auch in diesem Fall war offenbar die Erpressung eines dort ansässigen Imbissbetreibers mit entsprechender Geldforderung vorangegangen", hieß es in der Mitteilung.
Arbeitsgruppe deckt Zusammenhang mit dritter Tat auf
Dank der neuen Arbeitsgruppe "Bistro" sei ermittelt worden, dass es noch einen weiteren mutmaßlichen Erpressungsfall zum Nachteil eines Kasseler Geschäftsbetreibers gebe, bei dem es zu einer Geldübergabe kommen könnte. Dabei habe die Polizei am Montagabend den 21-jährigen Verdächtigen aus Kassel in der Innenstadt festnehmen können. Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung fanden die Ermittler auch Betäubungsmittel. Der 21-Jährige sei einem Haftrichter vorgeführt worden und sitze bereits in Untersuchungshaft.
Polizei erbittet Zeugenhinweise und Videos
Die Ermittlungen zu den drei mutmaßlichen Erpressungsfällen dauern weiter an. Mögliche Verbindungen des 21-Jährigen zu den anderen Taten würden intensiv geprüft. Nach derzeitigem Kenntnisstand sei er aber offenbar nicht der Initiator der Erpressungen und Geldforderungen gewesen. Zur Aufklärung der Fälle und zur Identifizierung weiterer Tatverdächtiger suchen die Ermittler weiterhin nach Zeugen und bitten auch um mögliche Videos im Zusammenhang mit den Taten oder der Flucht der Täter. Für das Hochladen solcher Daten sei auch ein Portal eingerichtet worden.