Sachsen-AnhaltWahlkreise: Halle gallisches Dorf - Eisleben AfD-Hochburg

55,6 Prozent der Erststimmen für die AfD in Eisleben, Direktmandat für die Linke in Halle. Wie Menschen aus Wahlkreisen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, auf das Wahlergebnis blicken.
Halle/Eisleben (dpa/sa) - Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt hat die AfD 38 von 41 Direktmandaten im Land gewonnen. Nirgends war das Erststimmenergebnis dabei besser als im Wahlkreis Eisleben, wo 55,6 Prozent der Stimmen auf den AfD-Kandidaten Reiner Kretschmann entfielen.
Fragt man Passanten in der Nähe des Marktplatzes in Eisleben danach, wie sie das Ergebnis finden, so zeigt sich etwa Günter Schlufter zufrieden: "Jeder kriegt das, was er verdient", sagt er. "Es konnte ja nicht mehr so weitergehen." Der Ärger sei groß über die etablierten Parteien und gebrochene Versprechen der Politik. Die Wirtschaft werde "kaputtgespielt".
Anders sieht das Fahed Alfaraj, der ebenfalls in der Innenstadt in Eisleben unterwegs ist. "Wir haben jetzt Angst als Ausländer. Wir wissen nicht, was in Zukunft passiert." Es gehe nicht nur um ihn und seine Familie. Er kenne viele Leute, die arbeiten gingen oder eine Ausbildung machten. Ob ihnen nun eine Abschiebung drohe, fragt er sich. "Die Politik hat die Menschen nicht erreicht", sagt er angesichts des starken Abschneidens der AfD.
Einzig in Halle und Magdeburg gehen Wahlkreise an die Linkspartei
Nur in den großen Städten Magdeburg und Halle gelang der AfD kein Durchmarsch: In einem Magdeburger Wahlkreis und zwei Wahlkreisen in Halle gewannen Kandidaten der Linken das Direktmandat.
Der Wahlkreis Halle III ist zudem das einzig verbliebene "gallische Dorf" in einem blauen Meer bei den Zweitstimmenergebnissen: Einzig hier konnten die Grünen die meisten Stimmen holen.
"Ich bin definitiv ängstlich. Ich bin ängstlich um meine Mitmenschen, die von dieser Politik als Erste betroffen sein werden", sagt Vera Schulze, Mitorganisatorin und Sprecherin des Bündnisses "Solidarischer Ort für Alle", das in Halle ein Protestcamp im Park am Steintor organisiert hat.
Noch am Wahlabend haben sich hier zahlreiche Demonstrierende versammelt, um gegen die AfD und für Demokratie und Vielfalt zu demonstrieren. In den nächsten Tagen sollen sich hier Menschen nach der Wahl austauschen können. Dabei sollen insbesondere auch jene aufeinandertreffen und ins Gespräch kommen, die unterschiedlicher Meinung sind und unterschiedlich gewählt haben.
"Wir können uns nicht leisten, länger gegeneinander ausgespielt zu werden. Es gibt einen Frust. Und der ist berechtigt, aber die AfD richtet ihn gegen Menschen, die dafür nichts können und die daran nichts ändern können", sagt Camp-Teilnehmer Gerrie. Das Wahlergebnis habe ihn erschüttert. "Als queere Person, die seit Jahren hier auf dem Land in Sachsen-Anhalt lebt, frage ich mich, wie lange es für mich noch sicher ist", sagt er.