Hamburg & Schleswig-HolsteinAltona bekommt Klinik-Neubau – mehr Intensivbetten geplant

Hamburg plant mit Asklepios den Neubau eines Krankenhauses in Altona. Was sich für Patienten und die Versorgung in der Region ändern soll.
Hamburg (dpa/lno) - Die Stadt Hamburg und der Klinikkonzern Asklepios haben sich nach jahrelangen Verhandlungen auf einen Krankenhausneubau in Altona verständigt. Er soll voraussichtlich 2034 oder 2035 in Betrieb genommen werden und das direkt daneben liegende und in die Jahre gekommene Großklinikum AK Altona ersetzen, wie Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) sagte. 77 Prozent der Kosten übernehme die Stadt, den Rest finanziere Asklepios.
Kosten stehen im dritten Quartal 2027 fest
Über die Höhe der geplanten Kosten schwiegen sich Schlotzhauer und der Sprecher der Geschäftsführung der Hamburger Asklepios Kliniken, Joachim Gemmel, aus. Es gebe zwar eine gemeinsame Vorstellung. Doch diese bleibe unter Verschluss, um im europaweiten Ausschreibungsverfahren keine Nachteile zu erfahren. Gemmel sprach jedoch von der größten Investition der Unternehmensgeschichte.
Die konkreten Kosten und die Finanzierung sollen der Bürgerschaft auf Basis des Vergabeverfahrens im dritten Quartal 2027 zur Entscheidung vorgelegt werden. Sicher ist jedoch: Es werden mehrere Hundert Millionen Euro sein. Schlotzhauer sagte, die Stadt lege bereits seit sieben Jahren jährlich 20 Millionen Euro zurück, von diesem Jahr an steige die Summe auf 25 Millionen Euro.
Fast 30.000 Rettungswagen fahren das AK Altona jährlich an
Das aus den 1970er Jahren stammende AK Altona mit seinen 629 Betten ist den Angaben zufolge ein Maximalversorger mit jährlich rund 90.000 Patientinnen und Patienten - davon etwa 31.000 stationär - und wird pro Jahr von fast 30.000 Rettungswagen angefahren. In der dazugehörigen Geburtsklinik kommen pro Jahr etwa 3.000 Kinder auf die Welt. Das Versorgungsgebiet reiche vom Hamburger Westen in den schleswig-holsteinischen Kreis Pinneberg sowie in die niedersächsischen Landkreise Stade und Harburg und umfasse etwa 280.000 Menschen.
Das markante und denkmalgeschützte 21-stöckige Bettenhaus erfüllt jedoch trotz Modernisierungen immer weniger die prozessualen Anforderungen eines modernen Krankenhausbetriebs, und auch die energetischen Voraussetzungen entsprechen nicht neuesten Standards. Gemmel verglich das Haus mit einem Kühlschrank der Energieeffizienzklasse G.
Neues Krankenhaus parallel zur Autobahn A7
Der neue Gebäudekomplex - Spatenstich ist voraussichtlich 2029 oder 2030 - soll parallel zur Autobahn A7 errichtet werden und unterschiedliche Funktionsbereiche bündeln. Die Pflegestationen sollen in dem bis zu elfgeschossigen nördlichen Gebäudeteil unterkommen. Dort soll auch auf dem Dach ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet werden. Nach Süden hin staffele sich das Gebäude auf bis zu zwei Geschosse ab und binde sich in das umgebende Grün ein.
Die Zahl der Betten wird den Angaben zufolge minimal auf 600 reduziert. Sie seien aber auch nicht mehr die Währung, nach der die Qualität von Krankenhäusern bemessen werde, sagte Schlotzhauer. Patienten blieben immer kürzer in den Kliniken, die ambulante Versorgung nehme zu. Entscheidend seien vielmehr die Leistungsgruppen und die Qualität der medizinischen Versorgung. Dazu gehörten auch die am neuen Standort vorgesehenen Intensivbetten sowie zusätzliche Fast-Track-OP-Säle für ambulante Eingriffe.
60 Intensivbetten
Geplant seien 60 Betten im Intensivbereich sowie zusätzlich 46 Betten in der Neonatologie, also zur medizinischen Versorgung von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen, sagte Gemmel. Die Zahl der stationären Operationssäle steige um einen auf zwölf. Hinzu kämen fünf Fast-Track-OP-Säle für ambulante Eingriffe. Davon gebe es bislang zwei.
"Wir beginnen schon mit den vorbereitenden Arbeiten", sagte Schlotzhauer. Baufelder würden geräumt und Bäume gefällt. Auch starten bereits im Herbst vorbereitende Maßnahmen für die Leitungstrasse. Nach Fertigstellung des Neubaus gehen das denkmalgeschützte 21-stöckige Bettenhaus, die Klinikliegenschaften und die Geburtsklinik an die Stadt über. Was dann mit den Gebäuden geschehen soll, sei aber noch unklar, sagte Schlotzhauer.