Hamburg & Schleswig-HolsteinElmshorn: Shitstorm wegen gleichgeschlechtlicher Ampelpaare

Nach einem Austausch von Ampelfiguren sollen in Elmshorn bald auch gleichgeschlechtliche Paare zu sehen sein. Gegen den Vorschlag hagelt es im Internet heftige Kritik und Hasskommentare.
Elmshorn (dpa/lno) - Die Grünen in Elmshorn wollten auf Ampeln gleichgeschlechtliche Paare zeigen – und haben damit einen Shitstorm geerntet. Auf der Plattform Instagram sammelten sich unter einem Beitrag des Ortsverbands zu dem Antrag Hasskommentare und Anfeindungen gegen Politiker.
"Es ist Wahnsinn, was sich in diesen gut 48 Stunden unter diesen Beiträgen abgespielt hat", schrieb der Grünen-Stadtverordnete Sven Herrmann in einem Instagram-Post. Dazu teilte er Kommentare, die sich unter dem Post seines Ortsverbands zum Antrag gesammelt hatten. Darin heißt es zum Beispiel "Habt ihr keine anderen Themen?!" oder "Geistige Verblödung im Endstadium".
"Und das wegen eines Antrags, der nur für mehr Liebe an Elmshorns Ampeln sorgen soll", schrieb Herrmann weiter. Die Welle an Negativität in den Kommentarspalten könne und wolle man nicht so stehenlassen.
Was den Shitstorm ausgelöst hat
Vor einigen Tagen hatten die Elmshorner Grünen in einem Beitrag geschrieben, ein klares Zeichen setzen zu wollen: "Wir fordern Ampelfiguren in verschiedenen Geschlechterkombinationen. Dazu stellen wir im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt am 10.09. einen entsprechenden Antrag zur Abstimmung", hieß es in einem Post.
Demnach sollen die Motive sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Paare darstellen. Dadurch könnten Vielfalt und unterschiedliche Lebensformen im öffentlichen Raum sichtbarer werden, so die Argumentation. Die Grünen verweisen in ihrem Antrag zudem auf den Anstieg queerfeindlicher Straftaten und wollen mit den Ampeln nach eigenen Angaben ein Zeichen für Offenheit und Gleichberechtigung setzen. Zusätzliche Kosten dürften bei einem ohnehin geplanten Austausch der Ampelfiguren gering ausfallen, heißt es.
Auch der Fraktionsvorsitzende der Elmshorner Grünen, Björn Hildebrand, äußerte sich zu den Hasskommentaren. Es zeige den "traurigen Zustand der Gesellschaft", dass die Fraktion für große politische Themen wie Haushalt, Zivilschutz oder Klimaanpassung weniger Aufmerksamkeit bekomme, schrieb er in den Kommentaren. Gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" sagte er zudem, die Diskussion um die Ampeln lenke aus seiner Sicht davon ab, dass sich die Fraktion auch mit anderen wichtigen Themen beschäftige.
Gleichgeschlechtliche Ampelfiguren sind nicht neu
Als möglichen Standort für eine erste Umrüstung nennen die Grünen eine Fußgängerampel zwischen dem Rathaus und der Weißen Villa. Die Motive könnten nach ihrer Vorstellung bei einem regulären Austausch der Ampelfiguren eingesetzt werden.
Ähnliche Ampelmotive gibt es bereits in anderen Städten Schleswig-Holsteins, seit einigen Jahren etwa in Lübeck oder in Flensburg. Auch dort sollen die Motive unterschiedliche Lebensformen beziehungsweise Paare sichtbar machen.