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Interaktive KarteWo heute in den USA noch hingerichtet wird

02.10.2026, 18:45 Uhr imageVon Kai Stoppel
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Die Hinrichtung per Giftspritze ist die mit Abstand häufigste Methode - doch auch andere Hinrichtungsarten wurden zuletzt wieder angewandt. (Foto: Paul Buck/epa/dpa)

Die gescheiterte Exekution von Christa Pike wirft ein Schlaglicht auf die Praxis der Todesstrafe in den USA. Auch bei diesem Thema ist das Land gespalten. Während einige Bundesstaaten die Todesstrafe schon lange abgeschafft haben, halten andere an ihr fest. Eine Übersicht.

In den USA ist die Todesstrafe schon seit mehr als 100 Jahren abgeschafft - zumindest in ein paar Bundesstaaten. In anderen wird sie immer noch vollstreckt. Am Mittwoch sollte im US-Bundesstaat Tennessee die 50-jährige Christa Pike mittels Giftspritze hingerichtet werden. Doch das Mittel wirkte nicht, Pike musste ins Krankenhaus gebracht werden. Gouverneur Bill Lee stoppte alle weiteren Hinrichtungen in seinem Staat für den Rest des Jahres.

Der Fall lenkt den Blick auf eine Frage, die viele in Deutschland überrascht: Warum richten die USA überhaupt noch Menschen hin? Und wo genau passiert das?

Wo die Todesstrafe noch vollstreckt wird

In 23 der 50 Bundesstaaten gibt es keine Todesstrafe mehr. Das sind vor allem Staaten im Nordosten und rund um die Großen Seen. In den übrigen 27 Staaten ist sie erlaubt. Doch erlaubt heißt nicht, dass dort immer noch hingerichtet wird.

In Kalifornien, Oregon und Pennsylvania haben die Gouverneure Hinrichtungen gestoppt. Auch Ohio hat seit 2018 keine Hinrichtungen mehr vollzogen, allerdings ohne offiziellen Beschluss. Sieben weitere Staaten, in denen weiterhin die Todesstrafe nach dem Gesetz anwendbar ist, haben seit mehr als zehn Jahren niemanden hingerichtet - darunter North Carolina und Kentucky.

Tatsächlich vollstreckt wird die Todesstrafe noch in 16 Staaten, die meisten davon im Süden und Mittleren Westen. Spitzenreiter ist seit Jahrzehnten Texas: Dort wurden seit 1977 mehr als 600 Menschen hingerichtet. In diesem Jahr liegt Florida vorn: 16 Menschen starben laut der Organisation Death Penalty Information Center dort bislang in der Hinrichtungskammer, in Texas waren es bisher 6.

Jeder Staat entscheidet selbst

Der Grund liegt im Aufbau der USA. Die Bundesstaaten haben viel Macht, vor allem im Strafrecht. Ein Mord wird in aller Regel nach den Gesetzen des Staates bestraft, in dem er geschah. Deshalb entscheidet jedes Landesparlament selbst, ob es die Todesstrafe gibt.

Wie ein Staat entscheidet, hängt stark von der Politik ab. In den konservativ geprägten, republikanisch dominierten Staaten des Südens ist die Todesstrafe fest verankert. Staaten mit demokratischen Mehrheiten haben sie dagegen nach und nach abgeschafft. Allein in den vergangenen 20 Jahren stiegen elf Staaten aus.

Daneben gibt es die Todesstrafe auch auf Bundesebene, also durch die Bundesregierung in Washington. Sie greift zum Beispiel bei Terroranschlägen. Seit 1977 hat die Bundesregierung 16 Menschen hinrichten lassen.

Eine lange Tradition - mit einer Pause

Hinrichtungen gehören seit der Kolonialzeit zur Geschichte der USA. Einige Staaten schafften die Todesstrafe aber schon früh ab, Michigan etwa 1847. Anderswo wurde weiter gehängt und erschossen, später kam der elektrische Stuhl hinzu.

1972 kam die große Wende. Der Oberste Gerichtshof der USA erklärte die damalige Praxis für verfassungswidrig, weil die Urteile zu willkürlich verhängt wurden. Viele Staaten schrieben daraufhin neue Gesetze. 1976 billigte das Gericht diese Regeln, 1977 gab es die erste Hinrichtung nach der Pause. Seitdem wurden 1683 Menschen hingerichtet.

Warum hält so ein großer Teil des Landes daran fest? Befürworter der Todesstrafe argumentieren am häufigsten mit dem Prinzip "Auge um Auge": Wer ein Leben nimmt, soll mit dem eigenen bezahlen. Dazu kommt: In den Bundesstaaten müssen sich viele Staatsanwälte und Richter Wahlen stellen. Studien deuten darauf hin, dass dies Strafentscheidungen beeinflussen kann - Richter urteilen vor Wiederwahlen im Schnitt härter und bestätigen häufiger Todesurteile.

Die Zustimmung sinkt

Noch immer ist eine Mehrheit der Amerikaner für die Todesstrafe, aber nur knapp. Das Meinungsforschungsinstitut Gallup fragt seit 1936 regelmäßig danach. Im Oktober 2025 sprachen sich 52 Prozent für die Todesstrafe bei Mord aus, 44 Prozent dagegen. So wenig Zustimmung gab es seit 1972 nicht mehr.

Den Höhepunkt erreichte die Zustimmung 1994 mit 80 Prozent. Seitdem geht es fast stetig bergab. Die Meinungen gehen dabei stark nach Parteien auseinander: Unter Republikanern sind 82 Prozent für die Todesstrafe, unter Demokraten nur 32 Prozent.

Auch das Alter spielt eine große Rolle. Bei den 18- bis 34-Jährigen lehnt inzwischen eine Mehrheit von 52 Prozent die Todesstrafe ab. Vor zwei Jahrzehnten gab es zwischen Jung und Alt kaum einen Unterschied.

Das Gift wird knapp

Die meisten Hinrichtungen in den USA laufen über die Giftspritze. Doch die nötigen Medikamente sind schwer zu bekommen. Viele Pharmafirmen wollen nicht, dass ihre Mittel zum Töten benutzt werden. Die EU unterwirft bestimmte dafür verwendbare Medikamente seit 2011 strengen Ausfuhrkontrollen, um ihren Einsatz bei Hinrichtungen zu verhindern.

Die US-Bundesstaaten, in denen noch Hinrichtungen vollzogen werden, suchten Ersatz und probierten neue Mischungen aus. Tennessee beschloss Ende 2024 die Umstellung auf ein einziges Mittel, das Betäubungsmittel Pentobarbital. Dies kam auch bei Christa Pike zum Einsatz. Woher die Gifte stammen, halten viele Staaten geheim.

Manche Staaten greifen deshalb zu anderen Methoden. Alabama tötete im Januar 2024 erstmals einen Verurteilten mit Stickstoffgas. Dabei sterben die Verurteilten an Sauerstoffmangel. Inzwischen wurde auch in Louisiana diese Methode eingesetzt. Idaho, Mississippi, Oklahoma, South Carolina und Utah haben außerdem wieder Erschießungskommandos erlaubt.

Ein langsamer Abschied?

Vieles spricht dafür, dass die Todesstrafe an Boden verliert. 1986 verhängten Gerichte in den USA 325 neue Todesurteile, 2025 waren es nur noch 23. Auch Geschworene, also die Laienrichter in Strafprozessen, entscheiden sich häufiger für lebenslange Haft. Gleichzeitig wird in einigen Staaten wieder mehr hingerichtet. 2025 gab es 47 Hinrichtungen - fast doppelt so viele wie im Jahr davor. Die Todesstrafe ballt sich also in wenigen Staaten, die sie dafür umso häufiger nutzen.

Ein schnelles Ende ist nicht in Sicht. Abschaffen müssten die Bundesstaaten die Todesstrafe selbst. Oder der Oberste Gerichtshof müsste sie für verfassungswidrig erklären. Danach sieht es nicht aus: Im Fall Pike hob der Supreme Court mit sechs zu drei Stimmen einen kurzfristig verhängten Hinrichtungsaufschub auf - und machte damit den Weg für die Vollstreckung frei.

Quelle: ntv.de

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