Zwei Scheiben täglich reichenHochverarbeitetes wie Wurst kann das Demenzrisiko erheblich erhöhen

Die über die Fleischtheke gereichte Gratis-Wurst für Kinder hat in Deutschland eine lange Tradition. Doch welche Risiken bereits zwei Scheiben Wurst für die Gehirngesundheit bei Erwachsenen mit sich bringen kann, zeigt eine große Übersichtsarbeit.
Wer täglich hochverarbeitete Lebensmittel verzehrt, könnte damit sein Demenzrisiko um bis zu 52 Prozent erhöhen. Das haben Forschende aus 26 verschiedenen Institutionen mit einer Übersichtsarbeit herausgefunden. Das internationale Forschungsteam schaute bei ihrer Analyse auf hochverarbeitete Lebensmittel, wozu Fleischerzeugnisse, wie Wurst, Schinken oder Speck gehören. Sie wollten herausbekommen, ob und wie diese Lebensmittel auf die Alterung des Gehirns wirken könnten.
Hochverarbeitete Lebensmittel machen einen erheblichen Teil der modernen Ernährung aus. Diese Lebensmittel werden in der Regel industriell hergestellt und enthalten häufig Kombinationen aus raffinierten Zutaten, zugesetztem Zucker, Fetten, Natrium und einer Reihe anderer Zusatzstoffe. Ein Beispiel sind die USA. Hier können mehr als 70 Prozent der US-amerikanischen Lebensmittelversorgung als hochverarbeitet angesehen werden. Das bedeutet, dass sie größtenteils aus industriell hergestellten Zutaten und Konservierungsmitteln und nicht aus vollwertigen Lebensmitteln bestehen. Bisher wurde ein hoher Anteil dieser Nahrungsmittel mit einer Reihe von gesundheitlichen Nachteilen, wie der Stoffwechselerkrankung Diabetes Typ 2 in Verbindung gebracht. Nun wollten die Forschenden wissen, wie sich hochverarbeitete Lebensmittel auf das alternde Gehirn auswirken.
Studien mit 500.000 Personen
Für die Meta-Analyse wurden Untersuchungen mit mehr als 500.000 Studienteilnehmenden aus verschiedenen Ländern herangezogen. Neben dem Einfluss der Ernährung auf das alternde Gehirn, schauten die Forschenden auch auf Stoffwechselprozesse, Entzündungsprozesse, auf die Gesundheit der Blutgefäße und andere biologische Vorgänge. Sie berücksichtigt ebenfalls Erkenntnisse, die einen Zusammenhang zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel und der kognitiven Leistungsfähigkeit und Demenzerkrankungen herstellen.
"Diese Überprüfung gibt uns die Möglichkeit, einen Schritt zurückzutreten und alle uns bekannten Hinweise darauf zu betrachten, dass hochverarbeitete Lebensmittel das Gehirn beeinflussen könnten", erklärt Owen Carmichael von der Louisiana State University laut einer Mitteilung. Bei der Auswertung der Daten sah das Forschungsteam, dass bereits der tägliche Konsum von 25 Gramm verarbeitetem Fleisch das Demenzrisiko um 44 bis 52 Prozent erhöhen kann. 25 Gramm entspricht zwei Scheiben Putenbrustaufschnitt, einer Scheibe Speck oder einem halben Hotdog-Würstchen.
Gleichzeitig zeigte eine Studie, die Daten aus der UK-Biobank auswertete, dass sich das Demenzrisiko um 19 Prozent senken lässt, wenn man 10 Prozent der aufgenommenen Kalorien, die aus hochverarbeiteten Lebensmittel stammen durch unverarbeitete Lebensmittel ersetzt. Bisher können die Forschenden nicht genau erklären, welche Inhaltsstoffe oder welche Mechanismen für die Beeinträchtigung der Gehirngesundheit verantwortlich sind. Angesichts ihrer Studienergebnisse befürworten sie dennoch die aktuellen Ernährungsempfehlungen und -richtlinien vieler Länder, in denen empfohlen wird, den täglichen Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln aus gesundheitlichen Gründen langfristig einzuschränken.
Auch Deutschland liegt darüber
Für Deutschland wird der pro Kopf Verbrauch an Fleischerzeugnissen pro Jahr mit rund 25 Kilogramm angegeben. Das wären dann knapp 480 Gramm pro Woche und 68,5 Gramm pro Tag in einem Jahr. Umgerechnete entsprechen das 24 bis 32 Scheiben Wurst oder 4 bis 5 Würstchen pro Woche. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als 300 Gramm Wurst und Fleisch pro Woche zu verzehren.
Die Autoren und Autorinnen, deren Ergebnisse im Fachjournal "Annual Review of Nutrition" veröffentlicht wurden, betonen jedoch, dass ein statistischer Zusammenhang nicht zwangsläufig einen ursächlichen Zusammenhang beweist. Wichtig ist, mit weiteren Forschungen herauszufinden, welche Zusatzstoffe oder welche Mechanismen im Körper tatsächlich zu den Einschränkungen der Gehirngesundheit führen.