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Nordrhein-WestfalenReichen Rekorde? NRW und der Olympia-Anlauf mit Fragezeichen

21.09.2026, 05:46 Uhr
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Nordrhein-Westfalen wirbt mit Superlativen und Nachhaltigkeit bei seiner Olympia-Bewerbung. Doch hat das Konzept "KölnRheinRuhr" gegen die starke Konkurrenz eine Chance?

Köln (dpa/lnw) - 17,6 Millionen Tickets, Wettkämpfe in Fußballstadien und ein dichtes Netz bestehender Sportstätten: Bei der Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele will Nordrhein-Westfalen mit Superlativen und Nachhaltigkeit punkten. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) spricht von den "größten Spielen aller Zeiten".

Doch ob das mehrfach nachgebesserte Konzept für 2036, 2040 oder 2044 auch sportpolitisch überzeugt, bleibt abzuwarten - und entscheidet sich an diesem Samstag in Baden-Baden. Die beiden Gegner heißen München und Berlin.

Vor der Abstimmung über den deutschen Bewerber auf einer außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung nutzte Wüst zuletzt dutzende Sportereignisse im Land – von der Kanu-Polo-WM in Duisburg über einen Besuch auf Schalke bis zur Reit-WM in Aachen – um zu werben. Immer wieder machte er deutlich: "NRW ist bereit für die spektakulärsten, kompaktesten und nachhaltigsten Spiele und bietet die größte Bühne für die größten Momente."

Positive Bürgerentscheide mit einer Ausnahme

Mitte April feierte Wüst bei einer groß inszenierten Veranstaltung in einem Hochhaus über den Dächern von Köln ein "ganz, ganz klares Ja" und den "historischen Rückhalt" der Bevölkerung für die Spiele in NRW – obwohl wegen Verzögerungen bei der Auszählung in Köln da noch gar kein offizielles Endergebnis vorlag. Am nächsten Morgen stand fest: 66 Prozent der Abstimmenden in den beteiligten Städten sind für eine Bewerbung.

Einzig Herten verpasste das Quorum und schied ebenso aus der Bewerbung aus wie trotz positiven Votums Recklinghausen, da in beiden Städten gemeinsam Mountainbike-Wettbewerbe geplant waren.

Ausgerechnet in der "Leading City" Köln fiel die Zustimmung mit 57 Prozent in den 17 abstimmenden Kommunen am geringsten aus. Einige andere Städte, darunter Gelsenkirchen, Aachen, Duisburg und Wuppertal, kamen dagegen auf mehr als 70 Prozent.

Der Bürgerwille als NRW-Trumpf?

Wüst betonte neben dem Erfolg an sich als "Alleinstellungsmerkmal", dass NRW als einzige Bewerberregion in allen beteiligten Kommunen Ratsbürgerentscheide durchführen ließ. Die von ihm ebenfalls betonte breite Beteiligung der Bevölkerung blieb allerdings überschaubar: Nur knapp 33 Prozent der mehr als vier Millionen Wahlberechtigten beteiligten sich am ausschließlich per Briefwahl möglichen Votum.

Demgegenüber sprachen sich in München im November 2025 bei einer Wahlbeteiligung von 42 Prozent 66,4 Prozent für eine Olympia-Bewerbung aus. Während die Hamburger Bevölkerung eine Bewerbung per Bürgerentscheid ablehnte, fasste das Berliner Abgeordnetenhaus einen Beschluss. Die beiden verbliebenen NRW-Konkurrenten punkten mit ihrer Olympia-Historie aus den Jahren 1936 und 1972 – vor allem aber mit internationaler Strahlkraft.

NRW sucht sein olympisches Gesicht

Im Kontrast dazu zeigt sich genau dort eine Schwäche der NRW-Bewerbung. Das erkannten offenbar auch die Olympia-Macher und verpassten dem Konzept im Laufe des Prozesses eine deutliche kommunikative Korrektur. Stand zunächst das Land NRW mit der Region Rhein-Ruhr im Fokus, wurde die Bewerbung im Dezember 2025 offiziell unter dem Namen "KölnRheinRuhr" vorgestellt. Köln rückte dabei als führende Stadt sichtbar ins Zentrum.

Doch die Neuausrichtung hat eine Spannung nicht aufgelöst, sondern eher sichtbar gemacht: Die Bewerbung will zugleich regional und zentral, dezentral und kompakt sein. Ein Pluspunkt der NRW-Bewerbung ist sicher die vorhandene Infrastruktur. Anders als bei früheren Spielen müsste NRW wenig neu bauen – im Wesentlichen ein temporäres Leichtathletikstadion und das Olympische Dorf in Köln, das anschließend Wohnraum für rund 10.000 Menschen bieten soll.

Der Olympia-Traum in NRW hat seinen Preis

Zudem verweisen die Organisatoren auf das dichte Verkehrsnetz und kurze Wege zwischen den 15 Austragungsorten. Doch NRW gilt als staureichstes Bundesland, insbesondere im Ruhrgebiet und Rheinland ist der Verkehr schon im Alltag stark belastet. Kritiker warnen zudem vor Umweltbelastungen und Flächenversiegelung durch das Olympische Dorf, sozialen Folgen wie steigenden Mieten und Verdrängung sowie unkalkulierbaren Kosten.

Schon vor einer möglichen Vergabe hat der Traum von Olympia in NRW seinen Preis. Allein die Durchführung der Ratsbürgerentscheide schlägt mit rund elf Millionen Euro zu Buche. Weitere etwa 3,5 Millionen Euro flossen vom Land nach eigenen Angaben in Konzept und Bewerbungskampagne. Am Samstag entscheidet sich, ob sich dieser Millionenaufwand auszahlt und NRW dem Ziel Olympia näherkommt.

Quelle: dpa

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