AfD-Wähler lehnen System abFast drei Viertel der Ostdeutschen sind mit Demokratie unzufrieden

Acht von zehn Befragten machen sich Sorgen um die Demokratie in Deutschland, während nur vier von zehn zufrieden sind damit, wie Demokratie in Deutschland funktioniert. Das zeigt eine neue Umfrage im Auftrag von RTL. Besonders auffällig sind AfD-Anhänger.
Eine Sonderumfrage von "RTL Aktuell" zeigt gleichermaßen große Unzufriedenheit mit dem Zustand der Demokratie in Deutschland - und weit verbreitete Sorgen um deren Zukunft. Mit dem politischen System, wie es das Grundgesetz festlegt, erklären sich zwar 68 Prozent der Befragten sehr zufrieden oder eher zufrieden. Damit, wie die Demokratie in Deutschland tatsächlich funktioniert, sind laut den von Forsa erhobenen Zahlen aber nur 41 Prozent zufrieden. Die übrigen 59 Prozent der Befragten sind dagegen eher unzufrieden oder sehr unzufrieden damit, wie sie Demokratie erleben.
Auffällig sind die großen Unterschiede zwischen politisch links und rechts denkenden Menschen sowie zwischen den Befragten im Osten und Westen des Landes. Auch scheinen über Ehrenämter in das Alltagsleben eingebundene Menschen deutlich positiver auf die demokratische Verfasstheit der Bundesrepublik zu blicken.
Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt, die am Sonntag auch stärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern werden könnte, sind die Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Befragten einmal mehr besonders spannend: Tatsächlich geben 70 Prozent der Westdeutschen an, mit dem "politischen System, wie es in der Verfassung festgelegt ist", zufrieden zu sein. Im Osten sagen das nur 51 Prozent der Befragten. Beim Blick darauf, wie Demokratie "tatsächlich funktioniert", ist auch eine Mehrheit der Westdeutschen mit einem Anteil von 57 Prozent unzufrieden. Im Osten ist dieser Wert mit 71 Prozent unzufriedenen Befragten aber noch einmal deutlich höher.
AfD-Anhänger besonders unzufrieden
Zufriedenheit und Unzufriedenheit geht einher mit der politischen Grundeinstellung: Unter den Befragten, die sich selbst als politisch links einschätzen, sind 83 Prozent zufrieden mit dem politischen System und immerhin noch 59 Prozent zufrieden damit, wie sie die Demokratie in Deutschland erleben. Die Werte verschieben sich schon bei den Befragten, die sich der politischen Mitte zurechnen: Eine Mehrheit von 65 Prozent ist zwar zufrieden mit dem politischen System, doch nur eine Minderheit von 37 Prozent ist zufrieden damit, wie Demokratie in Deutschland funktioniert, die Mehrheit von 62 Prozent dagegen unzufrieden. Befragte, die sich als politisch rechts einordnen, gaben sogar zu 76 Prozent an, mit dem Ist-Zustand der Demokratie unzufrieden zu sein. In dieser Gruppe ist auch nur eine knappe Mehrheit von 55 Prozent mit dem politischen Systementwurf zufrieden.
Vergleichbar gibt es keine großen Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen und Geschlechtern, auch wenn jüngere Befragte sowie Männer tendenziell zufriedener sind als Ältere und Frauen. Sehr deutliche Differenzen zeigen sich aber unter den Anhängern der verschiedenen Parteien: Wähler von CDU, CSU, SPD und Grünen geben zu 87 bis 90 Prozent an, mit dem politischen System zufrieden zu sein. Bei Linken-Anhängern ist dieser Wert mit 78 Prozent ebenfalls hoch. Bei den AfD-Anhängern sagen dagegen nur 41 Prozent, sie seien zufrieden, während 59 Prozent angeben, unzufrieden zu sein damit, wie das politische System der Bundesrepublik im Grundgesetz festgelegt ist.
Noch deutlicher sind die Unterschiede beim Ist-Zustand: 89 Prozent der befragten AfD-Anhänger sind unzufrieden damit, wie Demokratie tatsächlich funktioniert in Deutschland. Bei den Anhängern der Linken ist eine knappe Mehrheit von 54 Prozent unzufrieden. Bei den Anhängern der übrigen im Bundestag vertretenen Parteien ist je eine Mehrheit zufrieden: 64 Prozent der CDU/CSU-Anhänger und 63 Prozent der SPD-Anhänger sind demnach einverstanden, wie Demokratie im Alltag funktioniert in Deutschland. Bei den Grünen-Anhängern sind es sogar 74 Prozent.
Eine übergroße Mehrheit von 79 Prozent aller Befragten gibt an, sie würden sich große oder sehr große Sorgen machen "um die Zukunft der Demokratie in Deutschland". Die Sorge scheint vor allem unter denen groß zu sein, die die deutsche Demokratie tendenziell positiv bewerten: 88 Prozent derjenigen, die sich politisch links verorten, sind demnach besorgt. Unter den Anhängern der Partei Die Linke geben 97 Prozent an, sie machten sich Sorgen. Bei den Anhängern von Grünen und SPD sind es 82 und 84 Prozent. Bei den Unionsanhängern sind es 78 Prozent. Unter den AfD-Anhängern ist der Anteil der Besorgten mit 70 Prozent am niedrigsten, aber immer noch hoch. Befragte, die sich als politisch rechts verorten, geben zu 69 Prozent an, sich große oder sehr große Sorgen um die Demokratie in Deutschland zu machen.
AfD-Anhänger schätzen Bedeutung des Ehrenamts geringer ein
Bei einer weiteren Frage sollten die Teilnehmer angeben, ob sie "freiwilliges Engagement von Bürgerinnen und Bürgern für das Funktionieren der Demokratie" als wichtig erachteten. 87 Prozent stuften ehrenamtliche Arbeit als wichtig oder eher wichtig ein. Im Osten ist der Wert mit 75 Prozent niedriger als im Westen, wo 89 Prozent zustimmten.
Auch bei diesen Antworten gibt es überschaubare Unterschiede nach Alter und Geschlecht, anders als bei der politischen Grundeinstellung. 97 Prozent der nach eigener Einschätzung linken Befragten halten das Ehrenamt für wichtig. Unter den politisch mittigen Befragten sind es 84 Prozent. Unter denen, die sich selbst als rechts einordnen, sind es 81 Prozent. Unter den Anhängern der AfD sind es 76 Prozent, während unter den Anhängern der übrigen Parteien zu 94 bis 98 Prozent angeben, Demokratie brauche freiwilliges Engagement.
Insgesamt geben 39 Prozent der Befragten an, regelmäßig ein Ehrenamt auszuüben. Am höchsten ist der Wert unter Anhängern von CDU und CSU mit 49 Prozent, gefolgt von den Grünen-Anhängern mit 46 Prozent und SPD-Anhängern mit einem Anteil von 41 Prozent. Unter den Linke-Anhängern üben 34 Prozent ein Ehrenamt aus, bei denen der AfD ist der Wert mit 27 Prozent am niedrigsten.
Repräsentative Umfrage | Die Daten zum RTL/ntv-Trendbarometer wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland zwischen dem 15. und 16. September erhoben. Datenbasis: 1002 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 3 Prozentpunkte.
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