"Natürlich kennt er mich"Clanchef Remmo widerspricht Linken-Politiker Koçak

Auf der Wahlparty der Berliner Linken posiert der Bundestagsabgeordnete Koçak mit Clanboss Remmo und einem bekannten Hamas-Unterstützer. Anschließend behauptet Koçak, er habe nicht gewusst, wer dort neben ihm stehe. Hat er sehr wohl, sagt Issa Remmo.
Der Berliner Clanchef Issa Remmo bezichtigt den Linken-Abgeordneten Ferat Koçak der Lüge. "Was soll er machen? Natürlich kennt er mich", sagt das 59-jährige Oberhaupt der Berliner Remmo-Familie im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung. "Er ist ein seriöser Mensch und sehr höflich."
Sich selbst hält der Clanchef nicht für einen gefährlichen Kontakt. Laut Bericht holte er während des Gesprächs zwei eingerahmte Papiere hervor. Dabei soll es sich um die offiziellen, behördlichen Führungszeugnisse des 59-Jährigen handeln: "keine Einträge" steht auf beiden. Deshalb sei es doch gar nicht schlimm, wenn ein Bundestagsabgeordneter Kontakt zu ihm pflege, sagt Remmo.
Auch die kriminellen Aktivitäten seiner Großfamilien mit libanesischen Wurzeln verklärt das Familienoberhaupt. Er habe 13 Kinder und 15 Enkel, sagt Remmo der "Bild". Er könne nicht für alles verantwortlich gemacht werden, was seine Kinder oder Verwandten tun. "Diese Jungs, die die Goldmünze gemacht haben, sind Kinder. Wenn einer meiner Söhne eine Straftat begeht, soll er bestraft werden."
Die Familie ist seit Jahrzehnten polizeibekannt. Den Mitgliedern werden zahlreiche Straftaten vorgeworfen, und sie wurden in spektakulären Fällen verurteilt. Darunter war eine Beteiligung am Diebstahl der 100 Kilogramm schweren Goldmünze Big Maple Leaf aus dem Berliner Bode-Museum 2017 und der Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden 2019. In den vergangenen Jahren wurden etliche Immobilien beschlagnahmt, die dem Clan zugerechnet werden.
Issa Remmo selbst wurde laut "BZ" mindestens 19-mal festgenommen, demzufolge jedoch nie strafrechtlich belangt oder verurteilt. Laut dem Berliner "Tagesspiegel" ist das Familienoberhaupt dagegen "mehrfach vorbestraft".
Die Affäre um den Linken Bundestagsabgeordneten Koçak trat Remmo am Abend der Berliner Abgeordnetenhauswahl los. Er habe die Linke gewählt, erklärt der 59-Jährige seinen Besuch der Wahlparty. "Ich hätte die Partei nicht gewählt, wenn sie gegen Juden wäre", sagt er in dem "Bild"-Interview. "Ich bin gegen das, was die Hamas am 7. Oktober gemacht hat. Wenn einer einen Juden angreift, werde ich dem Juden helfen. Ich bin Kurde, ich liebe Juden, auch in meinen Adern läuft jüdisches Blut."
Abgeordneter zieht sich Ausschuss zurück
Koçak saß bis zur Abgeordnetenhauswahl für die Linke im Innenausschuss des Bundestags. Dieser beschäftigt sich unter anderem mit innerer Sicherheit, polizeilichen Erkenntnissen und Kriminalität. Nach der berüchtigten Wahlparty, bei der neben Remmo auch der bekannte Hamas-Unterstützer Ibrahim Ibrahim anwesend war und mit Koçak Fotos gemacht hatte, erklärte der Politiker, die Party sei frei zugänglich gewesen. Er habe nicht gewusst, mit wem er posiere.
Wenig später veröffentlichte Firas Remmo, Sohn von Oberhaupt Issa Remmo, einen Chat-Auszug, in dem Koçak "Grüße mit Respekt an deinen Vater" ausrichtet. Außerdem bittet Koçak den Sohn in dem Chatverlauf, ein Video von ihm zu verbreiten. Zu dem Screenshot postete der Remmo-Sohn die politische Botschaft: "Wir sind Teil von etwas Großem. Wir stehen zusammen, wir halten zusammen und wir kämpfen für unsere Ziele. Wir sind Sieger. Wir sind Macher. Wir sind ein Team."
Koçak lässt seine Parlamentsarbeit derzeit ruhen und gab seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags ab. "Ich möchte nicht, dass meine Kolleginnen und Kollegen und ihre wichtige parlamentarische Arbeit durch Angriffe auf meine Person zusätzlich belastet werden", schrieb er auf X. "Deshalb gebe ich meinen Sitz im Innenausschuss ab."
Der Politiker beteuert: "Ich bin weder kriminell noch unterstütze ich organisierte Kriminalität."