Aus der Schmoll-EckeEs wäre das größte Fuck-Fest, das Deutschland erlebt hat
Eine Kolumne von Thomas Schmoll
Elif Eralp hatte gerade den Sieg der Liebe über den Hass verkündet, da kam eine Parteikollegin aus dem Bundestag mit einer Ansage um die Ecke, die unser Kolumnist aggro und intolerant findet. "Fickt die Mainstream-Medien und jeden, der anderer Meinung ist als wir!" Na dann.
Ach, Leute, wahrlich verrückte Zeiten. Die Bundestagsabgeordnete Cansin Köktürk möchte ganz Deutschland in eine Art Bordell verwandeln. Bestimmt kostenlos. Denn sie ist Mitglied der Partei Die Linke, die sich Gerechtigkeit für alle auf die Fahnen geschrieben hat - und zwar nicht nur from the river to the sea, sondern all over the world. Neulich teilte Frau Köktürk via Instagram auf Englisch mit - schließlich soll das auch die Hamas verstehen -, wer alles gefickt werden soll. Spoiler: eine Menge. Das wird eine Orgie. Sie sagte: "Fickt den genozidalen Apartheidstaat Israel. Befreit die besetzten Gebiete Palästinas. Fickt die Kriegsverbrecher Bibi Netanjahu und Donald Trump. Fickt die Mainstream-Medien und jeden, der anderer Meinung ist als wir!"
Hatte doch Elif Eralp gerade den Sieg der Liebe über den Hass verkündet, klang das ein wenig aggro und nicht besonders tolerant. Denn der Kreis der Ungefickten wäre recht klein, der der Gefickten sehr groß. Ich gehe mal davon aus, dass Frau Köktürk nicht das Merkelsche "wir" meinte. Also wen dann? Nehmen wir an, ihr "wir" bezog sich auf all jene, die bundesweit die Linkspartei wählen (wollen), es wären aktuell etwas mehr als zehn Prozent. Das hieße, fast 90 Prozent der Bevölkerung würden gefickt. Vielleicht rekurriert ihr "wir" lediglich auf die rund 130.000 Mitglieder der Linkspartei. Oder nur auf die Israel-Hasser in deren Reihen sowie parteilose Hamas-Fans und einige Vertreter der Clan-Kriminalität mit Wurzeln in den arabischen Raum. Dann würde das "wir" zu ein paar Tausend Leuten zusammenschrumpfen.
Wer immer sich hinter dem "wir" verbirgt: All die Leute hätten, falls sie dem Appell von Frau Köktürk Folge leisten, ganz schön zu tun. In jedem Fall käme es zum größten Fuck-Fest, das Deutschland erlebt hat. Ich persönlich würde gleich doppelt gefickt werden, da ich einerseits für "Mainstream-Medien" arbeite und andererseits nicht der Meinung der anonymen Masse bin, die Frau Köktürk unter "wir" subsumiert. Ich möchte Israel als Staat erhalten, plädiere dafür, die Hamas kräftig zu ficken, und habe vom Sozialismus mit seinen grauen Bruchbuden in "Volkseigentum" und seiner Stasi die Schnauze voll - und zwar für den Rest meines Lebens.
In der Linkspartei und unter ihren Sympathisanten ist das anders. Die Linksjugend in Darmstadt verwies neulich zu Recht darauf: "Der 7. Oktober war ein historischer Tag." Sie wissen ja, was am 7. Oktober 2023 passiert ist: Die Terroristen der Hamas schlachteten in Israel Kinder, Frauen und Männer ab, vergewaltigten und quälten. Mit 1195 Ermordeten - fast alle waren Juden - war es das größte Massaker an der Religionsgemeinschaft seit dem Holocaust.
Ahistorisches Schwurbeln
Und was schreibt die Linksjugend Darmstadt auf Instagram über den 7. Oktober? "An ihm wurde die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet. In vielen Punkten war sie der BRD ihrer Zeit voraus. Sozialismus, Feminismus und Anti-Imperialismus sind auch heute noch wichtige Themen, die uns beschäftigen." Das ist urkomisch. Den echten Feminismus, den es in der Ostzone gab, setzten Frauen privat durch. Staatlich verordnete Gleichberechtigung war ideologisch untermauert, eigenständiger Feminismus wurde als "westlich" gebrandmarkt - und als männerfeindlich. Den historisch schlecht informierten Linksradikalen in Darmstadt sei gesagt: Dem Politbüro des Zentralkomitees der SED gehörte während der gesamten Zeit seines Bestehens von 1950 bis 1989 keine einzige Frau an.
Der Eintrag endet übrigens mit dem Satz: "Heute, wie damals, heißt es: Lang lebe der Sozialismus und Freiheit für Palästina!" In einem anderen Post wird weiter ahistorisch geschwurbelt: "Wir erkennen das Recht aller Völker an, gegen ihre Unterdrückung zu kämpfen, auch in bewaffnetem Widerstand, und verurteilen sämtliche Versuche, den legitimen Widerstand der Palästinenser:innen gegen das Kolonialregime zu dämonisieren." Kolonialregime? Das ist total irre. Der tausendfache Mord der Hamas wird zu "Widerstand" gegen das "zionistische Kolonialprojekt" erklärt und damit gutgeheißen. Kein Wort über die Opfer des Massakers, kein Bedauern, nichts.
Die Besessenheit vieler Mitglieder der Linken, den Palästinensern beizuspringen, würde ich mir für die Ukraine wünschen, inklusive der Verurteilung Russlands als Kriegstreiber oder gerne auch als "Kolonialregime". Aber die Abneigung unter Linken gegen die USA und die Nato lässt das nicht zu. Da haben Sarah Putinknecht und ihr Gatte antiamerikanische Spuren hinterlassen. Und in Deutschland leben zu wenige eingebürgerte UkrainerSTERNCHENinnen, die Einfluss auf das Wahlergebnis haben könnten, da lohnt sich das Engagement nicht wirklich. "Russland raus aus der Ukraine", bringt keine Wählerstimmen. "Freiheit für Palästina" aber sehr wohl, weil in Deutschland viele Migranten aus der arabischen Welt leben.
So konnte man es auf den Plakaten von Vanessa Emde lesen, die bei der Wahl im September als Linke-Kandidatin in Berlin-Neukölln antrat und den Sprung ins Landesparlament schaffte. "Ich finde die deutsche Komplizenschaft am Genozid an den Palästinenserinnen einen Skandal", schreibt sie ohne Genderstern. Und: "Es gibt kein Existenzrecht für Staaten." Das hören die Palästinenser und Putin gerne. Darmstadt ist zum Glück ein Stück entfernt von Berlin.
Auch Cansin Köktürk hat ihren Wahlkreis in Bochum. Aber was ist mit Frau Emde? Egal. Emdes Partei hat bei den Sondierungen vor den Sondierungen über die Aufnahme von Verhandlungen über eine Koalition mit Grünen und SPD schon - wie übrigens von mir vor zwei Wochen an dieser Stelle prognostiziert - ihr Indigenen-Ehrenwort abgegeben, Israel toll zu finden und "entschieden" gegen Hamas-Fans in ihren Reihen vorzugehen.
Die drei Parteien haben sicherheitshalber eine "Berliner Vereinbarung" - die für Bochum und Darmstadt folgen 2033 - gegen Antisemitismus verfasst, damit Juden in der Hauptstadt aller Deutschen sicherer leben können. Unter Punkt sieben "Gemeinsame Verantwortung" heißt es volksnah simpel formuliert: "Antisemitische Vorfälle in den Reihen der Koalitionsfraktionen bearbeiten wir gemeinsam. Auf Wunsch von mindestens einer/einem der parlamentarischen Geschäftsführer der die Regierung tragenden Fraktionen, berufen die drei parlamentarischen Geschäftsführer für eine fachliche Einordnung des Vorfalls ein Gremium aus drei Expert:innen mit besonderer Kompetenz aus der Berliner Stadtgesellschaft ein. Dieses bewertet den Vorfall. Die drei Expert:innen werden vor Beschluss des Koalitionsvertrags konsensual benannt. Auf Grundlage dieser Bewertung entscheidet die betroffene Fraktion gemäß ihrer Satzung über Konsequenzen bis hin zum Ausschluss."
So einfach ist das. Wenn man nur will. Damit ist der Weg frei für die fortschrittlichste Fortschrittskoalition, die Deutschland je hatte. Sie wird das Failed Bundesland auf Vorderfrau kriegen, Schulnoten abschaffen, 700 Millionen Bäume pflanzen, Clan-Kriminelle zu mustergültigen Staatsbürgern umformen, Hass auf Israel sowie die Polizei abschaffen, private Wohnungen verstaatlichen und arabische Clan-Transfrauen vor Miethaien beschützen. Das wird was. Doch Vorsicht! Denn irgendwer wird bestimmt irgendwann sagen: Ab heute wird zurückgefickt.