Mega-Emissionen mit FolgenStudie: Größte CO2-Konzerne prägen Klima für Jahrhunderte

Die größten Öl-, Gas-, Kohle- und Zementkonzerne prägen das Klima mit gewaltigen CO2-Emissionen. Wie tief die Spuren sind, berechnet eine neue Studie. Demnach werden die ausgestoßenen Treibhausgase noch lange zur Erderwärmung beitragen.
Der Ausstoß von Kohlendioxid CO2 durch die größten Verursacher wird noch über sehr viele Generationen zur Erderwärmung beitragen. Selbst wenn man nur die Emissionen bis zum Jahr 2025 verwendet, wird das ausgestoßene Treibhausgas die globale Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2500 auf hohem Niveau halten, so das Resultat einer Studie im Fachjournal "PLOS Climate".
Demnach werden die 178 größten Produzenten von Erdöl, Erdgas, Kohle und Zement - die sogenannten Carbon Majors - die Erde bis zum Jahr 2500 je nach Szenario um zwischen 0,31 und 0,45 Grad Celsius erwärmen. Das Team um Dargan Frierson und Lauren Henrie von der University of Washington in Seattle stützt sich dabei auf Klimasimulationen.
"Wir wissen, dass die Emissionen aus fossilen Brennstoffen erheblich zur Erwärmung beigetragen haben und wir deren Auswirkungen bereits spüren", wird Frierson in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. "Doch die Frage ist: Wie lange wird diese Erwärmung in der Zukunft noch anhalten?"
Etwa die Hälfte der Emissionen wurden von Senken aufgenommen
Um das herauszufinden, simulierte das Wissenschaftlerduo, wie sich der CO2-Gehalt in der Atmosphäre in den vergangenen Jahrzehnten ohne die Carbon Majors entwickelt hätte. Aus dem Vergleich mit der tatsächlichen Entwicklung wird dann deren Anteil an der Erderwärmung errechnet.
Die Emissionen der Carbon Majors - dazu zählen auch die deutschen Konzerne RWE, BASF und Heidelberg Materials - werden seit 2014 aufgelistet. Frierson und Henrie nutzten die aktuellen Zahlen, die den CO2-Ausstoß bis 2025 beziffern.
Demnach emittierten die Carbon Majors bis 2025 etwa 1.290 Milliarden Tonnen CO2. In einem etablierten Klimamodell ("FaIR") führten allein diese Emissionen zu einem CO2-Gehalt in der Luft von 80 ppm (parts per million, Teile pro Millionen Luftteilchen). Dies entspricht einem "Netto"-Ausstoß von 623 Milliarden Tonnen CO2 - also 48 Prozent des Gesamtausstoßes. "Die übrigen 52 Prozent wurden somit von Senken aufgenommen", schreiben die Studienautoren. Solche CO2-Senken sind etwa Ozeane und Wälder.
Lassen sich finanzielle Schäden und Haftungsansprüche berechnen?
Die Simulationen erfolgten im Rahmen verschiedener Klimaszenarien, die auch der Weltklimarat (IPCC) für seine Sachstandsberichte verwendet. Demnach beträgt beim Szenario mit dem geringsten Treibhausgas-Ausstoß (SSP1-2.6) der Anteil der Carbon Majors an der Erderwärmung 0,45 Grad. Beim Szenario mit dem höchsten Ausstoß (SSP5-8.5) wären es dagegen 0,31 Grad. Allerdings gilt dieses letztere Szenario inzwischen als unrealistisch.
Frierson betont, dass die Ergebnisse wichtig seien für Entscheidungen zur Nutzung von Erdöl, Erdgas und Kohle. "Die künftige Förderung fossiler Brennstoffe wird Klimakatastrophen noch über Jahrzehnte hinweg verschärfen", betont er. "Daher ist in den kommenden Jahren mit weiteren Rechtsstreitigkeiten über die Verantwortlichkeit zu rechnen."
Die Instrumente zur Zuordnung einzelner Ereignisse und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Schäden zu bestimmten Verursachern würden rasch weiterentwickelt, hebt Frierson hervor. "Deshalb lassen sich finanzielle Schäden und Haftungsansprüche für immer mehr Arten von Ereignissen berechnen", schreiben die Studienautoren.
