Bund steigt bei Sefe ausPrivatisierung von ehemaliger Gazprom-Tochter könnte Milliarden bringen

Die Bundesregierung hat den Prozess zur möglicherweise milliardenschweren Privatisierung des staatlichen Gas-Unternehmens Sefe begonnen. Das Wirtschaftsministerium sucht eine Ausschreibung für juristische Beratungsdienstleistungen rund um die Reprivatisierung der Firma. Anwaltskanzleien können sich demzufolge bis zum 27. Oktober bewerben. Sefe besitzt unter anderem den größten deutschen Gasspeicher. Das Unternehmen steht damit auch im Zentrum der aktuellen Kontroverse um Deutschlands teilweise kaum gefüllte Gasspeicher. Mit der Privatisierung könnte der Bund Milliarden erlösen. Doch viele Fragen sind noch offen. Ein Überblick:
Was macht Sefe?
Securing Energy für Europe (Sefe) ist einer der zentralen Akteure bei der Versorgung Deutschlands mit Erdgas. Unter anderem gehören dem Unternehmen mehrere Gasspeicher. Allein der Sefe-Speicher in Rheden in Niedersachsen stellt mit 3,9 Milliarden Kubikmeter ein Fünftel der gesamten Erdgas-Speicherkapazität Deutschlands. Außerdem betreibt Sefe mehrere Tausend Kilometer Gaspipelines, darunter zentrale Teile des deutschen Gas-Fernleitungsnetzes.
Sefe ist allerdings nicht nur Infrastrukturbetreiber, sondern handelt auch in Deutschland und international mit Erdgas, Strom und CO2-Zertifikaten. Das Unternehmen kauft unter anderem Gas von internationalen Lieferanten per LNG und Pipeline ein und verkauft es weiter an 50.000 Großkunden, darunter Industriebetriebe, Kraftwerke, Kommunen, Stadtwerke und andere Gasversorger.
Nach eigenen Angaben hat Sefe derzeit 2000 Mitarbeiter, die 2025 einen Umsatz von mehr als 15 Milliarden Euro und einen Gewinn von 289 Millionen Euro erwirtschafteten.
Wie kam Sefe in den Besitz des Bundes?
Bis 2022 war die Firma eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom und firmierte unter dem Namen Gazprom Germania. Nach der russischen Vollinvasion in der Ukraine, den Sanktionen gegen Russland und dem russischen Lieferstopp für Deutschland geriet das Unternehmen in Schieflage. Von seinem Hauptlieferanten, dem russischen Mutterkonzern Gazprom abgeschnitten, konnte es seine Lieferverpflichtungen in Deutschland nur erfüllen, wenn es Gas zu damals stark gestiegenen Preisen auf dem Weltmarkt beschaffte. Gleichzeitig übertrug Gazprom das Eigentum an ein anderes russsisches Unternehmen und zog sich selbst offiziell zurück. Aufgrund der Gefahr, dass Gazprom pleitegeht und als zentraler Akteur für die deutsche Gasversorgung ausfällt, wurde das Unternehmen unter Treuhandverwaltung durch die Bundesnetzagentur gestellt.
Im November wurde das inzwischen in Sefe umbenannte Unternehmen vom Bund verstaatlicht. Dazu stockte er das durch die Krise negative Eigenkapital um mehrere Hundert Millionen Euro auf. Dazu kamen weitere Gelder, unter anderem weitere staatliche Hilfen im Umfang von insgesamt mehr als sechs Milliarden Euro. Berichten zufolge hat Sefe etwa eine Milliarde davon bereits zurückgezahlt.
Warum soll Sefe nun wieder privatisiert werden?
Die Verstaatlichung von Sefe war von Beginn an nur als Übergangslösung geplant. Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission hatten die Milliardenhilfen für das Unternehmen nur mit der Auflage genehmigt, dass der Bund bis spätestens Ende 2028 die Mehrheit an Sefe wieder abgeben muss. Behalten darf der Bund höchstens eine Minderheitsbeteiligung von 25 Prozent plus eine Aktie.
Wie soll Sefe privatisiert werden?
Noch ist nicht entschieden, welcher Weg für die Privatisierung gewählt werden soll. Das geht auch aus der aktuellen Ausschreibung für die Rechtsberatung hervor. Möglich ist etwa der Verkauf aller Anteile an einen Investor oder auch der schrittweise Verkauf an mehrere Investoren. Erwogen wird derzeit wohl, zunächst eine Kapitalerhöhung durch den Einstieg von privaten Investoren durchzuführen. Danach könnten weitere Anteile verkauft werden. Auch ein Börsengang ist nicht ausgeschlossen, allerdings ist die Zeit dafür knapp. Auch ein einzelner Verkauf einiger Unternehmensteile ist laut Ausschreibung ausdrücklich möglich.
Wie viel Geld könnte die Privatisierung bringen?
Wie in der Ausschreibung formuliert, sollen die Anteile an Sefe "zu einem Preis verkauft werden, der mindestens dem Marktwert von Sefe entspricht". Sefe besitzt mit seinen Speichern und Pipelines wertvolle Infrastruktur und konnte in den vergangenen Jahren teilweise hohe Gewinne erwirtschaften. Allerdings schwanken diese angesichts der wiederholten Energiekrisen erheblich. Zudem dürfte die Politik bei einem so zentralen Akteur der Energieversorgung auch künftig mitreden wollen, insbesondere wenn der Bund als Minderheitsaktionär an Sefe beteiligt bleibt. Das macht das Unternehmen für Investoren weniger attraktiv. In Berichten kursierte zuletzt eine Schätzung des Unternehmenswertes auf etwa sechs Milliarden Euro.
Steht der Verkaufserlös Gazprom zu?
Eigentümer von Sefe ist allein der Bund. Ihm stehen alle Verkaufserlöse zu. Erfolgt der erste Schritt in die Privatisierung durch eine Kapitalerhöhung mithilfe von Investoren, so würde dieses Geld Sefe selbst zur Verfügung stehen. Die Frage, ob der Bund für die Verstaatlichung der damaligen Gazprom Germania eine Entschädigung zahlen muss, hat mit dem Verkauf nichts zu tun. Grundsätzlich muss der Staat bei Enteignungen zwar Entschädigungen zahlen. Allerdings ergibt sich deren Höhe aus dem Verkehrswert des Unternehmens zum Zeitpunkt der Verstaatlichung und nicht aus einem später erzielten Wiederverkaufspreis. Da Gazprom Germania beziehungsweise Sefe praktisch pleite war und vom Bund mit Milliarden gerettet werden musste, dürfte der damalige Wert bei null gelegen haben.
