Wirtschaft

"Kämpferischer Realismus"IG Metall geht mit Forderung nach fünf Prozent in Tarifrunde

23.09.2026, 11:33 Uhr
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Die Beschäftigten von VW sind von der Forderung ausgenommen, dort gilt ein eigener Haustarif. (Foto: picture alliance/dpa)

In Krisenzeiten will die IG Metall mit nach eigener Aussage realistischen Forderungen in die anstehende Tarifrunde gehen. So sollen für die meisten Beschäftigten die Reallöhne gehalten werden - in "Boom-Unternehmen" will die Gewerkschaft jedoch noch etwas mehr herausschlagen.

Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten in der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Zudem will die Gewerkschaft in der Tarifrunde eine Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in "Boom-Unternehmen" durchsetzen sowie über die Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten verhandeln. Der neue Tarifvertrag soll nach Vorstellung der Gewerkschaft eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. 

"Wir gehen mit kämpferischem Realismus in die Verhandlungen", sagte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner. "Statt Krisenrhetorik, Angriffen auf soziale Standards und Schwarzmalerei erwarten die Beschäftigten sichere Jobs, Ausgleich für gestiegene Preise und einen gerechten Anteil an den Gewinnen der Unternehmen. Verlagerungsdrohungen als Ablenkungsmanöver von Management-Versagen akzeptieren wir nicht."

Die Arbeitgeber wiesen die Forderung zurück. Die IG Metall ignoriere die Dimension und Tiefe der Krise, erklärte Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter. "Wir haben nicht den Luxus, über die Verteilung von Zuwächsen verhandeln zu können." Viele Unternehmen könnten in Deutschland nicht mehr rentabel wirtschaften, der Standort sei nicht wettbewerbsfähig genug und die Deindustrialisierung in vollem Gang. "350.000 verlorene Arbeitsplätze in der Metall- und Elektro-Industrie seit 2019 sprechen eine klare Sprache", ergänzte der Arbeitgeberchef. Er forderte niedrigere Arbeitskosten, um den Standort zu retten.

Erste Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden auf regionaler Ebene sind ab dem 7. Oktober geplant. Warnstreiks sind ab November möglich. 

Tarifrunde in Zeiten des Stellenabbaus

Die IG Metall hatte bereits vor zwei Wochen klargemacht, dass sie in der Tarifrunde für die Beschäftigten in der Autoindustrie, im Maschinenbau, in Metallbearbeitung und Elektrotechnik mindestens die Reallöhne sichern will. Sprich: Nach Abzug der zuletzt gestiegenen Inflation sollen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehr Geld in der Tasche haben. 

Die Tarifrunde für die größte deutsche Industriebranche steht im Zeichen eines massiven Stellenabbaus in der Autoindustrie, wo auch Werksschließungen drohen, etwa bei VW. Gegen Einschnitte hatte die IG Metall am Montag bei einem bundesweiten Aktionstag rund 175.000 Auto-Beschäftigte mobilisiert. 

Nicht verhandelt wird für die Beschäftigten der kriselnden Volkswagen AG, für die ein eigener Haustarifvertrag gilt. Dort fordert die IG Metall ebenfalls fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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