ThüringenWartburg bleibt trotz Großbaustelle eingeschränkt geöffnet

Die Wartburg ist Weltkulturerbe und zieht Menschen aus aller Welt an. Anstehende Bauarbeiten werden das Erscheinungsbild aber dauerhaft verändern - und sich auf Besuche auf der Burg auswirken.
Eisenach (dpa/th) - Umfangreiche Bauarbeiten werden sich dauerhaft auf das Äußere der Wartburg auswirken - und zeitweise auch auf Besuche der Welterbestätte. Das kündigte Burghauptmann Martin Eberle in Eisenach an. Er betonte zugleich, dass die Burg während der Bauphase für Besucher in Teilen geöffnet bleibe. "Ich glaube, es ist schon sehr riskant und mutig, was wir da machen. Aber es war wichtig, ein Symbol von dieser Bedeutung darf für Besucher nicht geschlossen werden", sagte Eberle bei der Vorstellung der Pläne.
Besonders sichtbar werden sich demnach die Arbeiten am mittlerweile grün patinierten Kupferdach des Palas auswirken. Das Kupfer soll erneuert werden. "Das wird schon das Erscheinungsbild der Wartburg verändern", sagte Eberle. "Für einen Moment werden wir ein goldenes Dach haben."
Etliche Millionen Euro werden für die Arbeiten gebraucht
Für die Dacharbeiten soll ab September ein Gerüst rund um den Palas inklusive Bedachung errichtet werden. Die eigentlichen Maßnahmen sollen im Februar/März 2027 beginnen. Diese umfassen auch Arbeiten an der Fassade, am Treppenhaus sowie die Erneuerung von Haus- und Sicherheitstechnik. Neue Belüftungstechnik soll etwa das Klima im Sommer auch im für Veranstaltungen genutzten Festsaal verbessern. Allein für die Arbeiten am Palas liegen die erwarteten Kosten bei 8,2 Millionen Euro. Für ein Servicegebäude im Kommandantengarten veranschlagt die Wartburg-Stiftung etwa 1,8 Millionen Euro. Dort soll etwa eine barrierefreie WC-Anlage entstehen.
Gastronomie zieht ins Hotel
Das als Café genutzte historische Gadem-Gebäude ist in seiner Statik erheblich angegriffen. "Wir werden es faktisch zum Ende des Jahres schließen", so Eberle. Dann soll ein Ersatzbau geschaffen werden, die äußere Form des Fachwerkgebäudes aber gewahrt und Originalteile erhalten bleiben.
Insgesamt rund zwölf Millionen Euro stellen Bund und Land für die Maßnahmen an Palas, Treppenhaus und Gadem zur Verfügung. Die Arbeiten sollen möglichst 2028 abgeschlossen werden.
Wenn das Café schließt, soll die Gastronomie zu Beginn 2027 in das direkt bei der Burg gelegene frühere aktuell leerstehende Romantik-Hotel ziehen. Die Wartburg-Stiftung ist Eigentümerin des Gebäudes, für dessen Sanierung gut 20 Millionen Euro nötig wären. Mittel dafür stehen bislang nicht bereit. Dennoch sei es möglich, im Erdgeschoss eine Art mobile Küche einzurichten, einen Innenraum für Gäste und den Hof des Hotels als Biergarten einzurichten.
Was bedeutet das für Besuche und Veranstaltungen?
Der Weihnachtsmarkt auf der Burg werde dieses Jahr noch stattfinden, 2028 soll er dann in den Hotelbereich ziehen, so Eberle. Für Konzerte und andere Veranstaltungen soll der Wappensaal anstelle des Festsaals genutzt werden. Dieser wird in der Zeit der Arbeiten für Besucher nicht zugänglich sein.
Die Dauerausstellung werde zwischenzeitlich ab März im Residenzschloss in Eisenach zu sehen sein. Im Burgmuseum werde dann eine weitere Ausstellung zum Thema Burgbau gezeigt. Ein Kombiticket sei geplant, das den Besuch von Burg und Schloss umfasst.
Gerade für bewegungseingeschränkte Menschen wird es schwieriger werden, die Burg zu besuchen. Der Zugang zur Burg über das Burgtor wird für die An- und Abtransport für Baumaterial reserviert sein. Für Gäste wird der Zugang über den Hotelzugang erfolgen. Bisher war der Besuch der Burghöfe kostenlos - auch das ändert sich. Der zweite Hof werde ohnehin kaum für zugänglich sein, so Eberle. In der Burg können sich Gäste dann aber weitgehend frei bewegen und müssen nicht wie bisher Führungen dafür buchen. Zudem soll es auch spezielle Baustellenführungen geben.
Zuletzt besuchten jährlich 470.000 Menschen die Wartburg; davon waren aber rund 200.000 auf dem frei zugänglichen Burggelände unterwegs. Eberle rechnet für die Bauzeit mit weniger Besuchern und Ticketverkäufen.
Die Wartburg wurde 1080 erstmals urkundlich erwähnt, die Unesco nahm sie 1999 in ihre Welterbeliste auf. Sie ist ein geschichtsträchtiger Ort: So übersetzte etwa Kirchenreformator Martin Luther dort das Neue Testament.