Nordrhein-WestfalenTrainer-Selbstkritik: Schalke hadert mit Überzahl-Pleite

Schalkes Trainer Miron Muslic ist nach der Niederlage beim neuen Spitzenreiter Freiburg selbstkritisch. Der Traditionsverein aus Gelsenkirchen befindet sich weiter im Prozess, in der Liga anzukommen.
Freiburg/Gelsenkirchen (dpa/lnw) - Die späte Niederlage beim SC Freiburg nahm Schalke-Coach Miron Muslic auf seine Kappe. Wie es sich häufig bei Trainern gehört, stellte sich der 44-Jährige nach der bitteren 1:2-Niederlage im Breisgau vor seine Mannschaft und suchte die Schuld bei sich. "Ich habe die Statik verändert. Das hat der Mannschaft nicht gutgetan", erklärte er.
Nach dem Platzverweis gegen Freiburgs Yuito Suzuki hatten die Schalker fast eine halbe Stunde in Überzahl gespielt, durch ein spätes Tor von Keisuke Goto (85. Minute) dann aber noch mit 1:2 verloren. Weil Muslic zu offensiv gewechselt und zudem auch noch sein System verändert hatte?
Durch die Überzahl habe er das "Momentum, das entstanden ist" nutzen wollen. Mit Routinier Edin Dzeko und Neuzugang Hee-Chan Hwang brachte der Schalker Cheftrainer spät zwei frische Kräfte für die Offensive. "Ich bin sehr, sehr enttäuscht, weil ein Punkt absolut drin war", sagte Muslic.
Vier Schalker Tore nach fünf Spielen
Nach fünf Spieltagen steht der Traditionsverein aus Gelsenkirchen auf dem Tabellenplatz 13. Die Schalker blicken nach drei Jahren Bundesliga-Abstinenz damit auf einen gemischten Saisonstart zurück - zumal der Aufsteiger am Sonntag in Freiburg beim neuen Tabellenführer verlor. Mit einem Heimpunkt gegen den FC Bayern München und einem Auswärtssieg beim FC Union Berlin feierten die Königsblauen in dieser Saison schon echte Highlights.
Die Schalker überzeugten dabei vor allem mit einer starken Defensive - in den fünf Bundesliga-Partien musste Schlussmann Loris Karius bisher sechs Mal hinter sich greifen. Nur die Spitzenteams FC Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und der SC Freiburg kassierten weniger Tore. Probleme gibt es jedoch auf der anderen Seite des Spielfeldes.
Das Team von Trainer Muslic tritt in der Offensive häufig zu harmlos auf. Gegen den Mitaufsteiger SV Elversberg und den FC Bayern München spielten die Schalker bisher in beiden Heimpartien 0:0 und warten weiter auf das erste Tor vor den eigenen Fans. Nur der SC Paderborn konnte in der jungen Bundesliga-Saison bisher seltener über einen Torerfolg jubeln.
Arena-Ausbau möglich?
Auf dem Platz gibt es bei den Schalkern also besonders in der Offensive noch Baustellen. Grundsätzlich geht es bei dem Traditionsverein in diesen Wochen aber erst einmal darum, nach dem lange ersehnten Aufstieg Schritt für Schritt wieder in der höchsten deutschen Spielklasse anzukommen. Neben den aktuellen sportlichen Leistungen arbeiten die Schalker Verantwortlichen daran, das "Schalke von morgen" zu gestalten.
"Wir sprechen in diesem Zusammenhang vom neuen "Schalker Kreisel". Aufgebaut auf den finanziellen Rahmenbedingungen, die bestimmen, wie viel man überhaupt in die einzelnen Bereiche investieren kann, sehe ich drei Bereiche: Sport, Schalke-Erlebnis und wirtschaftliche Stärke", berichtet der Schalker Vorstandschef Matthias Tilmann dem Sportmagazin "kicker". "In der Vergangenheit war es häufig so, dass Schalke 04 über den Aspekt Sport nicht oder nicht genug hinausgekommen ist."
Um das "Schalke-Erlebnis" zu verbessern, schließt Tilmann dabei langfristig auch eine Erweiterung der Veltins-Arena nicht aus. Bei rund 230.000 Mitgliedern sei bei der Arena mit einer Kapazität von knapp 62.000 Zuschauern ein Thema, zu prüfen "was im aktuellen Konstrukt noch möglich sein kann."
Auf der wirtschaftlichen Seite geht es bei den finanziell gebeutelten Gelsenkirchenern unter anderem darum, die Eigenkapitalauflage der Bundesliga GmbH zu erfüllen, um in den kommenden Jahren Punktabzüge zu vermeiden. "Wir sind in der Tat zuversichtlich, die Eigenkapitalregel auch für 2026 zu erfüllen", sagt Tilmann mit Blick auf die kommende Spielzeit.
Heimspiel gegen Mainz
All die langfristigen Themen bei dem Traditionsverein aus Gelsenkirchen bauen kurzfristig natürlich darauf auf, sportlich die Klasse in der Bundesliga zu halten. Die nächste Chance zum Punktesammeln gibt es am kommenden Samstag in der Veltins Arena gegen den FSV Mainz 05 (15.30 Uhr/Sky). Vielleicht klappt es dann ja auch mit dem ersten Saisontor vor heimischem Publikum.