BayernWie nach dem Brand am Saurüsselkopf neuer Wald wachsen soll

Monatelang wütete ein Brand an dem Gipfel in den Chiemgauer Alpen. 80 Hektar Schutzwald wurden zerstört. Die Aufforstung ist aufwendig. Doch wie schnell kann der Wald zurückkehren?
Ruhpolding (dpa/lby) - Der Saurüsselkopf ist am Morgen zwar noch von Nebelschwaden umgeben. Doch die Spuren, die der verheerende Waldbrand im Mai an dem Berg hinterlassen hat, sind noch immer erkennbar, wie Sebastian Rössert, Leiter der Fachstelle Schutzwaldmanagement Marquartstein vor Ort sagt. Abgestorbene Bäume, verkohltes Holz, verbrannte Wurzelstöcke und: "Man sieht zwischen dem Gras, das zwar wieder ausgetrieben hat, aber noch schwarze, verbrannte Stellen".
Bei dem Waldbrand sind nach Angaben des Forstministeriums rund 80 Hektar Schutzwald zerstört worden. Also Wald, der Menschen und Infrastruktur im Alpenraum unter anderem vor Steinschlägen, Muren und Lawinen schützen soll. Wichtig ist dieser aber auch für den Trinkwasserschutz und als natürlicher Wasserspeicher in der Region.
Forstministerin: Verantwortung für die nächsten Generationen
"Wir haben am Saurüsselkopf ein neues Sanierungsgebiet mit höchster Priorität ausgewiesen und setzen alles daran, die wertvollen Schutzfunktionen des Waldes so schnell wie möglich wiederherzustellen", sagt Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) vor Ort. Denn an dem rund 1.300 Meter hohen Berg nahe Ruhpolding (Landkreis Traunstein) treibt der Freistaat derzeit die Wiederaufforstung voran.
"Unsere Verantwortung liegt darin, dass wir den nächsten Generationen einen Wald schenken können, übergeben können, der sie genauso beschützt, wie er uns beschützt hat", betont Kaniber. Um das erreichen zu können, setzt die Forstverwaltung auch auf moderne Technik. Für mehrere Tage kommt nun eine Schwerlastdrohne zum Einsatz. Sie soll bei der Aussaat auf einer rund 40 Hektar großen Fläche helfen.
126 Kilogramm Samen werden per Drohne ausgesät
Auf diese Weise sollen insgesamt 126 Kilogramm Samen vor allem in den steilen, unwegsamen Bereichen am Saurüsselkopf verteilt werden. Die Drohnensaat sei eine entscheidende Maßnahme, um den wertvollen Humusboden im steilen Gelände bestmöglich zu erhalten, sagt Kaniber. "Denn wenn dieser bei Starkregen weggespült wird, bleibt nur der blanke Fels zurück. Ein Wald kann dort dann nicht mehr wachsen."
Ausgesät werden etwa krautige Pflanzen wie Waldweidenröschen und sogenannte Pionierbaumarten wie die Birke, Lärche oder Vogelbeere. Mit einer Vermessungsdrohne wird zunächst ein 3D-Modell vom Berg erstellt. Ausgehend davon werden dann Flugrouten, Flughöhe und die Bereiche bestimmt, in denen dann aus der Luft die grauen Pellets mit Saatgut ausgesät werden. Außerdem sollen rund 12.000 Bäumchen von Hand in den zugänglichen Bereichen am Saurüsselkopf gepflanzt werden.
Wiederaufforstung kostet knapp 300.000 Euro
So soll die Grundlage geschaffen werden, damit dort langfristig wieder ein stabiler Bergwald entstehen kann. Doch selbst unter optimalen Bedingungen könne das schon dreißig bis fünfzig Jahre dauern - wenn nicht sogar länger, sagt Rössert. Doch warum jetzt im Herbst? "Wenn wir jetzt im Hochsommer hier Bäume in den trockenen Boden bei der Hitze gepflanzt hätten, wären die innerhalb von ein paar Tagen tot. Für uns ist die Herbstpflanzung deswegen ganz typisch. So hat die Pflanze noch die Chance, in der letzten Vegetationszeit jetzt anzuwachsen und kann dann im Frühjahr gleich losstarten."
Die Kosten für die Wiederaufforstung liegen nach Angaben der Forstministerin bei knapp 300.000 Euro. Darin enthalten sind auch Gelder für ein Forschungsprojekt, das den Erfolg der Maßnahmen untersuchen soll.
Forstministerium: Einer der größten Waldbrände Bayerns
Der Waldbrand am Hang des knapp 1.300 Meter hohen Bergs war Anfang Mai ausgebrochen. Zuvor herrschte extreme Trockenheit. Hunderte Kräfte kämpften gegen die Flammen, mehrere Hubschrauber kamen bei den Löscharbeiten aus der Luft zum Einsatz. Die Flammen loderten in einem schwer zugänglichen Bereich, was die Einsatzkräfte vor große Herausforderungen stellte.
Insgesamt standen rund 160 Hektar in Flammen. Erst einem Monat nach dem Ausbruch des Waldbrandes wurde der Feuerwehreinsatz für beendet erklärt. Nach Angaben des zuständigen Ministeriums handelte es sich um einen der schwersten und größten Waldbrände Bayerns.
Klimawandel lässt Risiko für Waldbrände steigen
Doch im Jahr 2026 hielten noch weitere Waldbrände die Einsatzkräfte in Bayern in Atem. Durch die mit dem Klimawandel einhergehenden steigenden Temperaturen sowie längere Hitze- und Trockenperioden steigt auch das Waldbrandrisiko hierzulande. Und die nächste Waldbrandsaison beginnt laut der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Deutschland in der Regel im März.
Dahingehend werden auch die Forderungen nach einem wirksameren Waldbrandschutz lauter. Auf Initiative des Landrats des Landkreises Traunstein, Andreas Danzer (Freie Wähler), haben Vertreter mehrerer Alpenlandkreise mit Fachleuten einen "Sechs-Punkte-Plan" mit Vorschlägen für eine bessere Waldbrandbekämpfung im Freistaat erarbeitet.
Unter anderem fordern sie, die Versorgung mit Löschwasser und eine leistungsfähige Luftunterstützung sicherzustellen, die Ausstattung der Feuerwehrleute zu verbessern und deren Ausbildung um entsprechende Praxiseinheiten zu erweitern. "Die Waldbrände dieses Jahres haben gezeigt, dass wir uns im Alpenraum verstärkt auf solche Einsatzlagen einstellen müssen", warnte Landrat Andreas Danzer.
Forstministerin Kaniber nennt "klimaresiliente Wälder" bei ihrem Besuch am Saurüsselkopf als "beste Vorsorge" gegen Waldbrände und verweist auf den Umbau der Wälder. Dafür gebe der Freistaat ungefähr 80 Millionen Euro pro Jahr aus.