Baden-WürttembergShutdown im Netz: Regierung geht vorsorglich offline

Ministerien und Regierungspräsidien in Baden-Württemberg sind im Internet stundenlang nicht erreichbar. Warum viele wichtige Webseiten im Land vorsorglich abgeschaltet wurden.
Stuttgart (dpa/lsw) - Wegen einer weltweiten gravierenden Sicherheitslücke hat die Landesregierung ihre Webseiten vorübergehend vom Netz genommen. Die Homepages der Ministerien und Regierungspräsidien waren seit der Mittagszeit nicht mehr zugänglich, dort waren teils Hinweise auf Wartungsarbeiten zu lesen. "Die Maßnahme dient dem vorsorglichen Schutz der Infrastruktur, bis die Entwickler die erforderlichen Sicherheitsupdates bereitstellen", teilte das Staatsministerium der dpa mit. Auch Universitäten gingen offline.
Angreifer könnten die Schwachstellen aus der Ferne ausnutzen, um Schadcode auf Webservern mit PHP-Anwendungen auszuführen und IT-Systeme zu kompromittieren, so der Sprecher des Stami weiter. Man werde Sicherheitsupdates einspielen und die Seiten dann wieder freischalten.
Hagel: Sicherheit Vorrang vor Verfügbarkeit
Die Schwachstelle wird von den zuständigen Expertinnen und Experten der Sicherheitsbehörden sowie des IT-Dienstleisters BITBW als hochkritisch eingestuft, teilte das Innenministerium mit. "Vor diesem Hintergrund wäre ein Weiterbetrieb betroffener, mit dem Internet verbundener Systeme ohne wirksame Schutzmaßnahmen nicht vertretbar", sagte Innenminister Manuel Hagel (CDU). Sicherheit hat für uns Vorrang vor Verfügbarkeit.
Der Vorfall zeige erneut, dass sich die Cybersicherheitslage weiter verschärft, warnte Hagel. "Insbesondere die zunehmenden Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz werden die Geschwindigkeit und Qualität von Cyberangriffen weiter erhöhen. Wir müssen deshalb jederzeit in der Lage sein, exponierte Systeme bei akuten Gefährdungen kurzfristig vom Netz zu nehmen, um Schaden abzuwenden."
Auch Uni-Seiten sind "down"
Auch mehrere Universitäten haben ihre Seiten vom Netz genommen. "Auf den Betrieb gibt es keine Auswirkungen", sagte ein Sprecher der Uniklinik Freiburg. "Es handelt sich nicht um einen Cyberangriff auf die IT-Systeme der Einrichtungen, sondern um eine präventive Sicherheitsmaßnahme", teilten die Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim mit. Die Patientenversorgung sei nicht betroffen.
Hintergrund: Eine neu entdeckte, schwerwiegende Sicherheitslücke bringt weltweit das Fundament zahlreicher Webseiten und Onlinedienste ins Wanken. Betroffen ist die weit verbreitete Programmiersprache PHP, auf der ein Großteil des gesamten Internets basiert - von einfachen Blogs über große Nachrichtenportale bis hin zu komplexen Onlineshops und Content-Management-Systemen wie WordPress.