So schützen Sie Ihr Einkommen Das sind die besten Versicherungen zur Arbeitskraftabsicherung

Die eigene Arbeitskraft ist für die meisten Menschen das größte Vermögen. Doch der gesetzliche Schutz reicht im Ernstfall selten aus. Der aktuelle Test von Franke und Bornberg zeigt, welche Tarife für Berufsunfähigkeits-, Erwerbsunfähigkeits- und Grundfähigkeitsversicherungen diese Lücke schließen.
Thomas M.* ist 38 Jahre alt und Speditionskaufmann. Der Druck im Job wächst seit Jahren: engere Termine, dünnere Personaldecke. Dazu kommt die Sorge, dass Künstliche Intelligenz seine Disposition übernimmt und sein Arbeitsplatz wegfällt. Irgendwann kommt die Gesundheit nicht mehr mit. Eine schwere Depression mit mehreren Klinikaufenthalten beendet sein Berufsleben.
Das Gehalt fällt weg, es bleibt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente: rund 1000 Euro im Monat. Miete, Energie und Lebensmittel kosten mehr. Monat für Monat schmilzt deshalb sein Erspartes. Ist es weitgehend aufgebraucht, bleibt nur die staatliche Grundsicherung. Und die prüft streng: Vermögen wird bis auf einen Freibetrag angerechnet, auch die Wohnung muss angemessen sein. Wer ein Eigenheim besitzt, steht dann schnell vor der Frage, ob er es halten kann. Aus der gesundheitlichen Krise wird so eine finanzielle.
*Beispielfall: Die geschilderte Situation steht exemplarisch für typische Verläufe. Name und Details sind frei gewählt.
Warum die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nicht ausreicht
Dieses Szenario ist kein Einzelfall. Rund 1,74 Millionen Menschen bezogen Ende 2025 eine gesetzliche Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Jahr für Jahr kommen viele hinzu: 2025 wurden rund 176.000 Erwerbsminderungsrenten neu bewilligt. Die Absicherung fällt allerdings niedrig aus. Neu bewilligte Erwerbsminderungsrenten lagen 2025 im Durchschnitt bei 1067 Euro im Monat. Das zeigt die aktuelle Rentenstatistik der Deutschen Rentenversicherung (Berichtsjahr 2025). Hinzu kommt: Die volle gesetzliche Rente erhält nur, wer keiner Tätigkeit mehr als drei Stunden täglich nachgehen kann. Wer lediglich seinen bisherigen Beruf aufgeben muss, geht in der Regel leer aus.
Häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit sind nach der Leistungspraxisstudie von Franke und Bornberg inzwischen psychische Erkrankungen, wie im geschilderten Fall. Sie treffen keineswegs nur körperlich Arbeitende, sondern gerade auch Beschäftigte am Schreibtisch.
Arbeitskraft absichern in vier Schritten: So gehen Sie vor
Wer sich vor einem Szenario wie dem von Thomas M. schützen möchte, sollte planvoll vorgehen. Die passende Absicherung beginnt dabei nicht beim Tarifvergleich, sondern bei den eigenen Zahlen. Franke und Bornberg empfiehlt, vier Schritte der Reihe nach zu gehen.
Schritt 1: Ermitteln Sie Ihren monatlichen Bedarf
Machen Sie Kassensturz. Ein Blick in die Banking-App auf die Umsätze der vergangenen Monate genügt meist. Sortieren Sie Ihre Ausgaben in zwei Gruppen. Erstens: Was muss weiterlaufen, wenn das Arbeitseinkommen wegfällt? Dazu gehören Miete oder Kreditrate, Energie, Lebensmittel, Versicherungen und Telefon. Zweitens: Was soll möglichst weiterlaufen? Etwa das Streaming-Abo, das Hobby oder der Jahresurlaub. Die Summe beider Gruppen ist Ihr monatlicher Bedarf. Nach Einschätzung von Franke und Bornberg liegt er heute in den meisten Haushalten bei mindestens 2000 Euro im Monat. Dieser individuell ermittelte Bedarf ist die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
Schritt 2: Entscheiden Sie, wie viel Sicherheit Sie brauchen
Grob stehen zwei Szenarien zur Wahl.
Szenario 1: Sie sichern den Fall ab, dass Sie gar kein Erwerbseinkommen mehr erzielen können. Diesen Fall deckt die Erwerbsunfähigkeitsversicherung ab. Hier haben die meisten Erwerbstätigen einen Sockel: die gesetzliche Erwerbsminderungsrente von durchschnittlich rund 1000 Euro. Als private Rente genügt daher die Differenz zwischen Ihrem Bedarf und diesem Sockel. Das macht diese Variante vergleichsweise günstig. Nach Einschätzung von Franke und Bornberg ist sie die Mindestabsicherung, die alle Erwerbstätigen vornehmen sollten. Sie verhindert, dass auf die gesundheitliche Katastrophe die finanzielle folgt. Ohne diesen Schutz riskieren Betroffene, die Wohnung oder das Haus aufgeben zu müssen und mühsam Erspartes aufzubrauchen.
Szenario 2: Sie sichern den Fall ab, dass Sie Ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können. Das leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung. Dieser Schutz greift deutlich früher. Dafür gibt es hier keine gesetzliche Grundleistung. Die private Rente muss deshalb die volle Lücke schließen, also Ihren gesamten Bedarf abdecken.
Rechenbeispiel: Was kostet welches Szenario?
Ein 30-jähriger Bankkaufmann ermittelt in Schritt 1 einen Bedarf von 2.500 Euro im Monat.
Szenario 1 (Erwerbsunfähigkeit): Vom Bedarf geht der gesetzliche Sockel von rund 1000 Euro ab. Er versichert also eine private Rente von 1500 Euro. Im Testfeld kostet das netto zwischen rund 40 und 69 Euro im Monat.
Szenario 2 (Berufsunfähigkeit): Hier gibt es keinen Sockel. Die Rente muss die vollen 2500 Euro abdecken. Im Testfeld kostet das netto zwischen rund 84 und 155 Euro im Monat. Schon der günstigste Tarif liegt damit gut beim Doppelten von Szenario 1.
Für einen Tischler fällt der Abstand größer aus: Szenario 1 kostet netto zwischen rund 55 und 87 Euro im Monat, Szenario 2 zwischen rund 184 und 300 Euro (Laufzeit hier bis Endalter 65).
Berechnung: Franke und Bornberg, Spannbreite der Nettobeiträge im Testfeld
Holen Sie mehrere Angebote ein, stellen Sie beide Szenarien mit konkreten Beiträgen gegenüber und wägen Sie ab, was Sie sich leisten möchten. Keine Lösung ist es, aus Preisgründen nur eine kleine Berufsunfähigkeitsrente abzuschließen. Damit halten Sie im Ernstfall weder die Wohnung noch das Ersparte. Wer stattdessen auf die staatliche Grundsicherung spekuliert, sollte wissen: Das Grundsicherungsgeld, das seit Juli 2026 das Bürgergeld ersetzt, wird mit der privaten Rente verrechnet. Zudem prüft das Jobcenter, ob Wohnung und Vermögen angemessen sind. Die private Rente sollte deshalb spürbar über dem Niveau der Grundsicherung liegen.
Schritt 3: Wählen Sie das Produkt und einen leistungsstarken Tarif
Erst jetzt geht es um Produkte und Tarife. Wichtig zu wissen: Alle drei Produktarten setzen eine Gesundheitsprüfung voraus. Je früher Sie abschließen, desto größer die Chance auf einen Vertrag ohne Ausschlüsse oder Zuschläge. Wer wegen Vorerkrankungen keine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung erhält, muss nicht ungeschützt bleiben. Zu den häufigsten Ablehnungsgründen gehören bereits behandelte psychische Beschwerden. Für diese Fälle kommt die Grundfähigkeitsversicherung als Alternative infrage.
Achten Sie außerdem auf zwei Vertragsbausteine. Eine Beitrags- und Leistungsdynamik erhöht Rente und Beitrag jährlich und gleicht so die Inflation aus. Eine Nachversicherungsgarantie erlaubt es, die Rente bei Ereignissen wie Heirat, Geburt eines Kindes oder Hausbau ohne neue Gesundheitsprüfung zu erhöhen.
Schritt 4: Füllen Sie den Antrag sorgfältig aus
Mit dem Versicherungsantrag entscheidet sich, ob der Schutz im Ernstfall trägt. Beantworten Sie alle Fragen im Antrag vollständig und wahrheitsgemäß, auch die zu Beruf, Hobbys und Einkommen. Besonders sensibel sind die Gesundheitsfragen. Falsche oder lückenhafte Angaben können den Versicherungsschutz kosten, und zwar genau dann, wenn Sie ihn brauchen. Franke und Bornberg rät deshalb: Fordern Sie vor dem Antrag bei Ihren bisherigen Ärzten eine Kopie Ihrer Patientenakte an. Im Leistungsfall zieht der Versicherer genau diese Unterlagen heran. Sie sollten also wissen, was dort steht, und diese Informationen bei den Gesundheitsfragen berücksichtigen.
Wie hat Franke und Bornberg die Tarife getestet?
Franke und Bornberg hat für ntv Tarife aller drei Produktarten untersucht. Bewertet wurden jeweils die Qualität der Versicherungsbedingungen im Produktrating und der Preis. In der Berufsunfähigkeitsversicherung floss zusätzlich die finanzielle Stabilität der Versicherer ein, ermittelt von der Redaktion des map-report von Franke und Bornberg. Details zu Rating- und Testverfahren von Franke und Bornberg können hier nachgelesen werden. Die im Test berücksichtigten Prämien beruhen auf Musterfällen: in der Berufsunfähigkeitsversicherung ein Bankkaufmann, ein Maschinenbauingenieur als Akademiker und ein Tischler als Handwerker. In der Erwerbsunfähigkeits- und der Grundfähigkeitsversicherung sind es ein Bankkaufmann und ein Tischler. Alle Musterkunden sind 30 Jahre alt und versichern eine Monatsrente von 1500 Euro bis zum Alter von 67 Jahren, der Tischler bis 65. Die einheitliche Musterrente dient der Vergleichbarkeit der Tarife. Der tatsächliche Bedarf liegt meist höher; die Beiträge steigen weitgehend im Verhältnis zur versicherten Rente.
In den Tabellen wurden die Bewertungen für die einzelnen Musterfälle zu einer Gesamtwertung je Produktart zusammengeführt.
Berufsunfähigkeitsversicherung: Wann lohnt der umfassendste Schutz?
Als berufsunfähig gilt, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich sechs Monate lang mindestens zur Hälfte nicht mehr ausüben kann. Ob eine andere Tätigkeit möglich wäre, spielt keine Rolle. Das macht die Berufsunfähigkeitsversicherung zum umfassendsten Schutz der Arbeitskraft.
Die Kosten hängen stark vom Beruf ab: Der Maschinenbauingenieur zahlt im Musterfall netto ab rund 34 Euro im Monat, der Tischler ab rund 110 Euro. Für viele körperlich Tätige ist dieser Schutz damit aus finanziellen Gründen schwer zu stemmen. Bezahlbare Alternativen zeigen die folgenden Abschnitte.
Ein hartnäckiges Vorurteil lässt sich anhand der Studien von Franke und Bornberg widerlegen: dass Versicherer bei Berufsunfähigkeit regelmäßig nicht zahlen. Liegen aussagekräftige Arztberichte und eine genaue Beschreibung der beruflichen Tätigkeit vor, erkennen die Versicherer die Leistung in den allermeisten Fällen an.
Erwerbsunfähigkeitsversicherung: die bezahlbare Basisabsicherung
Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn Sie voraussichtlich sechs Monate lang keiner Tätigkeit mehr als drei Stunden täglich nachgehen können. Auf den konkreten Beruf kommt es nicht an. Dafür ist der Schutz bei gleicher Rentenhöhe oft deutlich günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Die private Rente fließt zusätzlich zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente, beide Leistungen sind unabhängig voneinander. Eine besondere Stärke: Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung leistet auch bei psychischen Erkrankungen, der inzwischen häufigsten Ursache für den Verlust der Arbeitskraft.
Grundfähigkeitsversicherung: die Alternative bei Vorerkrankungen
Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt eine Rente, wenn eine versicherte Grundfähigkeit dauerhaft verloren geht. Dazu zählen etwa Gehen, Knien, Heben und Tragen oder der Gebrauch der Arme, aber auch Sehen oder Autofahren. Ob Sie weiterarbeiten können, spielt keine Rolle. Zu beachten ist: Die gesundheitlichen Hürden für eine Leistung liegen in der Regel deutlich höher als in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Interessant ist der Schutz vor allem für körperlich Tätige und für Menschen, die wegen Vorerkrankungen keine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung mehr erhalten. Im Musterfall beginnen die Nettobeiträge für den Tischler bei rund 47 Euro im Monat.
Transparenzhinweis: Die Tarifbewertung stammt von Franke und Bornberg, einer unabhängigen Ratingagentur aus Hannover. Die Auswahl der Tarife folgt ausschließlich den Ratingergebnissen.
Welcher Tarif im Einzelfall die beste Wahl ist, hängt von vielen weiteren Leistungsmerkmalen sowie von Beruf, Gesundheitszustand und gewünschter Rentenhöhe ab. Verbraucher sollten deshalb mehrere Angebote vergleichen und sich individuelle Beiträge berechnen lassen.
Checkliste: So sichern Sie Ihre Arbeitskraft richtig ab
Ermitteln Sie Ihren Bedarf: Umsätze in der Banking-App prüfen, Muss- und Soll-Ausgaben addieren.
Wählen Sie das Szenario: Erwerbsunfähigkeit (Lücke zum gesetzlichen Sockel schließen) oder Berufsunfähigkeit (vollen Bedarf absichern).
Setzen Sie die Rente realistisch an: spürbar über dem Grundsicherungsniveau, Laufzeit bis zum Rentenalter.
Schließen Sie früh ab, fordern Sie vorab eine Kopie Ihrer Patientenakte an und beantworten Sie alle Antragsfragen vollständig und wahrheitsgemäß.
Achten Sie auf Beitrags- und Leistungsdynamik sowie Nachversicherungsgarantien.
Bei Vorerkrankungen: Prüfen Sie die Grundfähigkeitsversicherung als Alternative.
Fazit: Erst der Bedarf, dann das Produkt
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente sichert den gewohnten Lebensstandard nicht. Wer seine Arbeitskraft absichern will, sollte zuerst den eigenen Bedarf ermitteln und dann entscheiden, welches Risiko er absichert. Für jede der drei Produktarten zeigt der Test von Franke und Bornberg leistungsstarke Versicherer und Tarife.
Prüfen Sie deshalb zunächst, ob Sie bereits einen Vertrag zur Absicherung Ihrer Arbeitskraft haben und was er im Ernstfall tatsächlich leistet. Fällt die Prüfung negativ aus, kann sich ein Wechsel lohnen; die Tabellen zeigen geeignete Angebote. Bei Produkten mit Gesundheitsprüfung gilt jedoch besondere Vorsicht: Kündigen Sie den alten Vertrag nie, bevor der neue Schutz verbindlich bestätigt ist. Franke und Bornberg empfiehlt, sich vor der Entscheidung unabhängig beraten zu lassen.