RTL/ntv-TrendbarometerZuspruch zu Bundespräsidentin wächst - Merkel und Aigner besonders gewünscht

Bundeskanzler Friedrich Merz trifft mit seiner Festlegung auf eine Frau als Bundespräsidentin einen Nerv im Land: Laut RTL/ntv-Trendbarometer wünscht sich ein wachsender Bevölkerungsanteil ein weibliches Staatsoberhaupt - allen voran die Frauen. Und Favoritinnen haben die Befragten auch.
Am 9. November soll weißer Rauch aufsteigen aus dem Konrad-Adenauer-Haus. Dann nämlich will Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz in der Parteizentrale die Entscheidung in den Gremien finalisieren, wen die Union als Nachfolger von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nominiert. Genauer: Wer seine Nachfolgerin werden soll. Denn zumindest darauf, dass erstmals eine Frau in Bellevue einziehen soll, hat sich Merz festgelegt. Dem neuen RTL/ntv-Trendbarometer zufolge findet das ein wachsender Bevölkerungsanteil gut.
Die Wahl findet am 30. Januar im Rahmen der Bundesversammlung statt, zu welcher die Union entsprechend ihrer Mandate in Bund und Ländern die meisten Delegierten entsendet. Die Spitzen von CDU und CSU wollen eine gemeinsame Kandidatin festlegen. 28 Prozent der Befragten geben an, sie würden eine Frau als Bundespräsidentin begrüßen. Im August lag dieser Wert noch bei 19 Prozent und im Juli 2024 bei 18 Prozent.
Im August 2016, als sich die Bundesrepublik nach einem Nachfolger für den damaligen Amtsinhaber Joachim Gauck umschaute, hatten sich 24 Prozent der Befragten für eine Frau als Bundespräsidentin ausgesprochen. Parallel sinkt der Anteil derjenigen deutlich, die lieber einen Mann als Staatsoberhaupt haben wollen: Nur 2 Prozent der Befragten geben an, sie wünschten sich erneut einen Mann. Im August sagten dies noch 5 Prozent, im Juli 2024 waren es 4 Prozent, und im Oktober vor zehn Jahren sprachen sich noch 15 Prozent der Befragten für einen Mann aus.
Die vormaligen Männerfans wechselten offenbar überwiegend in das Lager derjenigen, die angeben, das Geschlecht sei egal. Das sagen inzwischen 70 Prozent der Befragten, vor zehn Jahren waren es noch 61 Prozent.
Auffällig sind die Unterschiede zwischen Ost und West sowie zwischen Männern und Frauen. Unter den Befragten im Osten wünschen sich 23 Prozent eine Frau, im Westen favorisieren 29 Prozent eine Bundespräsidentin. Unter den weiblichen Befragten ist die Sehnsucht nach der ersten weiblichen Staatschefin mit einem Anteil von 36 Prozent deutlich höher als unter den Männern, von denen nur 19 Prozent diesen Wunsch teilen.
Sortiert nach Partei-Orientierung ergibt sich ein überraschend eindeutiges Bild: Eine Bundespräsidentin wünschen sich mit einem Anteil von 44 und 43 Prozent vor allem Anhänger von Grünen und Linken. Bei den SPD-Anhängern sind es 33 Prozent, unter den Unionsanhängern 28 Prozent. Ganz anders bei den Wählern der AfD: Mit 19 Prozent, die sich für eine Staatschefin aussprechen, ist dieser Anteil deutlich niedriger. Derweil wünschen sich 10 Prozent der AfD-Anhänger einen männlichen Staatschef. Bei den Unionsanhängern sind es 4 Prozent, bei denen der SPD 2 Prozent und bei Grünen und Linken 0 Prozent.
Aigner stößt auf weniger Ablehnung als Merkel
Zusätzlich fragte das Institut Forsa für das RTL/ntv-Trendbarometer alle überhaupt in den Medien gehandelten potenziellen Kandidaten ab, einschließlich der Männer Thomas de Maizière, Markus Söder und Boris Rhein. Diese sind aber nach Merz' öffentlicher Festlegung aus dem Rennen. Gefragt nach der Eignung für das Amt der Bundespräsidentin nannten 50 Prozent der Befragten Angela Merkel. Die ehemalige Bundeskanzlerin stößt zugleich auf die größte Ablehnung: 46 Prozent halten die langjährige Kanzlerin für nicht geeignet.
Auf Platz zwei folgt die CSU-Politikerin und Präsidentin des bayerischen Landtags, Ilse Aigner. 36 Prozent der Befragten halten sie für geeignet, 26 Prozent tun das nicht und weitere 38 Prozent haben keine Meinung zu Aigner oder geben an, sie nicht zu kennen. Zwei weitere Frauen stoßen auf bemerkenswert starke Ablehnung: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner halten zwar 28 Prozent der Befragten für geeignet, aber 51 Prozent tun das nicht. Die frühere CDU-Vorsitzende und Ministerpräsidentin des Saarlands, Annegret Kramp-Karrenbauer, halten sogar 60 Prozent der Befragten für ungeeignet und nur 22 Prozent für geeignet.
Für eine amtierende Bundesministerin kommt die für Familie, Frauen, Jugend und Kinder zuständige Karin Prien auf einen erstaunlichen Wert von 57 Prozent der Befragten, die sie nicht kennen oder keine Meinung zu der CDU-Politikerin haben. Nur 13 Prozent halten Prien für geeignet, 30 Prozent für nicht geeignet. Die hessische CDU-Fraktionsvorsitzende und stellvertretende CDU-Vorsitzende Ines Claus wird seit Wochen als mögliche Überraschungskandidatin genannt. 83 Prozent der Befragten geben an, sie nicht zu kennen oder keine Meinung zu Claus zu haben. 13 Prozent halten sie für ungeeignet, vielleicht auch wegen Claus' Unbekanntheit. 4 Prozent halten Claus für geeignet.
Aigner ist unter Unionsanhängern vorne
Würde sich Merz in seiner Meinungsfindung an den Präferenzen der Unionsanhänger orientieren, wäre die Sache eindeutig: 64 Prozent der Unionsanhänger halten Aigner für geeignet, gefolgt von Klöckner mit 55 Prozent und Merkel mit 46 Prozent. Beim Koalitionspartner SPD, der die Entscheidung der Union möglichst mittragen will, halten 57 Prozent der Anhänger Merkel für geeignet, gefolgt von Aigner mit 44 Prozent und Klöckner mit 38 Prozent.
Bei den Grünen-Anhängern kommt Merkel auf 64 Prozent, die die Altkanzlerin für geeignet halten, Aigner kommt auf 46 und Klöckner auf 38 Prozent. Bei den Anhängern der Linken halten sogar 83 Prozent der Befragten Merkel für geeignet, Klöckner folgt mit 10 Prozent auf Platz zwei und knapp dahinter Aigner mit 7 Prozent. Bei den AfD-Anhängern haben es alle gehandelten Frauen schwer. Merkel erachten 24 Prozent als geeignet, Aigner 20 Prozent und Klöckner 12 Prozent.
Aigner fällt in keinem Partei-Lager richtig durch, auch wenn Merkel außerhalb der Unions-Anhänger teils deutlich populärer ist als die Oberbayerin. Die regionale Betrachtung zeigt, dass Merkel in Ost und West, einschließlich Bayern, gleichermaßen Zuspruch genießt. Aigner kommt im Westen besser an als im Osten, was vor allem den Bayern geschuldet ist, die sie ja deutlich öfter kennen als die übrigen Befragten. 52 Prozent der befragten Bayern halten die CSU-Frau für geeignet, was den Anteil der Aigner-Sympathisanten auf 37 Prozent treiben dürfte. Im Osten geben 25 Prozent der Befragten an, Aigner für geeignet zu halten.
Repräsentative Umfrage | Die Daten zum RTL/ntv-Trendbarometer wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland zwischen dem 30. Oktober und dem 2. November 2026 erhoben. Datenbasis: 1001 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 3 Prozentpunkte.
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