Politik

Linken-Welle in der Hauptstadt?Wie das Wahlergebnis Berlin verändert

21.09.2026, 14:19 Uhr imageVon Martin Morcinek
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Am Tag nach der Wahl erwacht Berlin in veränderten Verhältnissen: Die Abgeordnetenhauswahl offenbart größere Verschiebungen im Inneren der deutschen Hauptstadt. Wo haben CDU und SPD am stärksten verloren? Ein Blick auf die politische Landkarte vor und nach dem Wahlsieg der Linken.

Das amtliche Ergebnis lässt keinen Raum für Zweifel: Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hat die Linkspartei die CDU überholt und mit deutlichem Abstand zu den übrigen Parteien die meisten Stimmen gewonnen. Damit ist die Linke im Land Berlin erstmals stärkste Kraft. Wahlgewinnerin Elif Eralp will Regierende Bürgermeisterin werden, braucht dazu aber Unterstützung weiterer Koalitionäre.

Wie haben die Parteien in den Berliner Wahlkreisen abgeschnitten? In welchen Stadtbezirken haben die Linken die meisten Anhänger gewonnen, wo in Berlin haben CDU und SPD am stärksten verloren? Die politische Landkarte im Vorher-nachher-Vergleich zum Anklicken:

Gleich auf den ersten Blick fällt auf, wie stark sich der regionale Wahlausgang im innerstädtischen Bereich vom Stadtrand unterscheidet. Eingefärbt sind beide Landkarten nach dem jeweils stärksten Zweitstimmenergebnis im Wahlkreis.

Gut zu erkennen ist, dass die Linke bei der Abgeordnetenhauswahl vor allem im Osten und im innerstädtischen Bereich zulegen konnte. Das Wahlprogramm der Linken, das sich im Kern auf die Wohnimmobilien, gestiegene Lebenshaltungskosten und die Enteignung privater Wohnungskonzerne stützte, konnte dort offenbar viele Wähler überzeugen.

Einwohner im Stadtzentrum sind anteilig stärker von Wohnungsnot, Mietsteigerungen und dem Zuzug kaufkräftigerer Einkommenschichten betroffen als Eigenheimbesitzer in den städtischen Randlagen. Der Blick auf die Zweitstimmenergebnisse nach Wahlkreisen bestätigt diese Annahme: In den Wahlbezirken am Stadtrand und im Westen konnte sich die CDU tatsächlich überwiegend als stärkste Kraft halten.

Eine Stadt, unterschiedliche Lebenswelten

Nicht nur die Hoffnung auf bezahlbare Mieten entwickelt in den Wahlkreisen unterschiedliche Zugkraft. Auch die übrigen Themen aus dem Berliner Wahlkampf fallen in den Bezirken auf vollkommen unterschiedlichen Boden. Besonders bemerkenswert ist hier das Zweitstimmenergebnis der Grünen. Mit ihren Themen wie Klimaschutz, "grüne Stadt für alle", starke Bildung und ein "buntes Berlin" konnte sich die Partei in der Wählergunst nicht gegen die auf den Wohnungsmarkt konzentrierte Linkspartei durchsetzen: Die Grünen haben bei der Abgeordnetenhauswahl eine ganze Reihe ihrer bisherigen Hochburgen an die Linke verloren - darunter auch Friedrichshain-Kreuzberg. Lediglich in Wahlkreis 3 in Tempelhof-Schöneberg erhielten die Grünen die meisten Zweitstimmen.

Berlin setzt sich aus sehr unterschiedlichen Stadtbezirken zusammen: Die Eigentumsquote und auch die Einkommen fallen etwa im Berliner Westen aus verschiedenen Gründen höher aus als im Stadtzentrum oder im Osten. Gewachsene Strukturen, teils geringere Bebauungsdichte, höherwertige Bebauung und andere soziodemografische Faktoren sorgen dafür, dass Einwohner in Bezirken wie Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau oder Steglitz-Zehlendorf die Folgen höherer Mietpreise in geringerem Ausmaß spüren als ihre Mitbürger in Teilen Lichtenbergs.

Die großen politischen Schlagworte werden vor Ort offenbar sehr unterschiedlich wahrgenommen. Entscheidend sind die Lebensbedingungen vor Ort. Ähnlich verhält es sich bei Themen wie Sicherheit, Rad- und Autoverkehr, der Angst vor dem sozialen Abstieg oder einer allgemeinen Unzufriedenheit mit dem bestehenden System. Rechtspopulistische Ansätze zum Beispiel entfalteten in Berlin offenbar weniger Wirkung als etwa in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt. Die AfD gewann jedoch auch in der deutschen Hauptstadt erkennbar hinzu.

Beim Zweitstimmenergebnis lag die AfD mit ihrer Berliner Spitzenkandidatin Kristin Brinker in insgesamt 16 Wahlkreisen vorn. Zum Vergleich: Die Linke gewann in 37 Wahlkreisen, die CDU in 24, die SPD dagegen in keinem einzigen Wahlkreis. Insgesamt setzt sich das Wahlgebiet im Land Berlin zur Abgeordnetenhauswahl aus 78 Wahlkreise zusammen. Der Kartenvergleich konzentriert sich hier zunächst nur auf die Zweitstimmen-Ergebnisse. Die Wahlgewinner bei den Erststimmen mit den errungenen Direktmandaten werden für das aktuelle Votum in einer separaten Karte aufgeführt.

Die Wahlbezirke umfassen jeweils eine ähnliche Größe, unterscheiden sich aber in ihrer Zusammensetzung und ihrem Charakter teils erheblich. Der Wahlkreis mit der Nummer 0101 zum Beispiel liegt in Mitte und ist Heimat für knapp 59.000 Menschen, davon stammen 10,6 Prozent aus dem EU-Ausland.

Der Wahlkreis mit den berlinweit meisten Einwohnern trägt die Nummer 0803 und erstreckt sich in Neukölln in den Straßen rund um den S-Bahnhof Hermannstraße bis Plänterwald und Baumschulenweg, mit Teilen der Sonnenallee, Ringbahn, A100-Neubaustrecke und dem beschaulicheren Rixdorf. Hier leben mehr als 65.000 Menschen, der Ausländeranteil liegt bei vergleichsweise niedrigen 8,2 Prozent.

Quelle: ntv.de

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