Nach Gewalt-Demos in FrankreichPlünderer verkaufen gestohlene Kleidung bei Vinted

Französische Demos kippen und entwickeln sich zu Diebeszügen in Luxusgeschäften. Einige Plünderer scheinen jetzt daraus Profit schlagen zu wollen. Ein Onlinemarktplatz reagiert, auch die Politik fordert Konsequenzen.
Auf französischen Online-Handelsplattformen finden sich immer mehr Waren, die zuvor bei Plünderungen am Wochenende gestohlen worden sind. Am Samstag verwandelten sich die Demonstrationen für eine neue Bildungspolitik und geringere Lebenshaltungskosten in schwere Ausschreitungen. In Paris und anderen Städten Frankreichs wurde laut Polizeiangaben eine geringe vierstellige Anzahl an Geschäften geplündert.
Die Ware, die die Gewaltbereiten und Mitläufer aus Läden wie Louis Vuitton, Kenzo, Rolex oder auch Adidas und Sephora nach Einbrüchen gestohlen haben, verwenden die Akteure nicht nur für sich selbst. Viele kommen derzeit offenbar auf die Idee, die Luxusprodukte auf Second-Hand-Plattformen zu verkaufen.
So berichtet Vinted, ein Online-Marktplatz für gebrauchte Kleidung, Accessoires, Kosmetik und Elektronik, dass es seit dem Wochenende mehr verdächtige Angebote prüft und offline nimmt. Verdächtig sind beispielsweise zu günstige Schnäppchen oder auch wenn ein Nutzer plötzlich viel ungetragene Luxusmode verkaufen will. Das Unternehmen hat in seinen Nutzungsbedingungen geregelt, dass gestohlene Artikel nicht über die App und Website von Vinted verkauft werden dürfen. Wer es versucht, riskiert eine dauerhafte Kontosperrung. Konkrete Zahlen zu Prüfungen und Ausschlüssen teilt der Marktplatzbetreiber nicht mit.
Besonders problematisch für Plünderer: Für die Auszahlung von Geldbeträgen aus Verkäufen auf Vinted muss ein Bankkonto samt richtigem, vollständigem Namen vorliegen. So ist die Plattform in der Regel in der Lage, die Nutzer auch polizeilich anzeigen zu können.
Politik fordert Plattformen zum Handeln auf
Bei Ebay stellten die Verantwortlichen keinen Anstieg bei Inseraten mit Diebstahlbezug fest. Das Online-Auktionshaus verwende "proaktive technologische Werkzeuge", um solche Angebote von vornherein zu verhindern, heißt es in einer Stellungnahme.
"Gestohlene Gegenstände vom Wochenende werden auf bestimmten Plattformen zum Verkauf angeboten", stellten Digitalministerin Anne Le Henanff und Serge Papin, Minister für kleine und mittlere Unternehmen, Handel, Handwerk, Tourismus und Kaufkraft, fest. Beide erwarten, dass diese Angebote "unverzüglich" gelöscht werden. Die Plattformen "müssen zudem eng mit den staatlichen Behörden zusammenarbeiten, damit der Weiterverkauf von Diebesgut strafrechtlich verfolgt werden kann", schrieben die Minister jeweils auf X.
Laut Angaben ihres Ministeriums gab es ein Treffen zwischen Le Henanff und Vertretern von Vinted und Amazon, den Kleinanzeigenplattformen Ebay und Leboncoin sowie den sozialen Netzwerken von Meta und Tiktok. Außerdem waren Vertreter des französischen Onlinehandelsverbands Fevad geladen. Ergebnisse oder Gesprächsinhalte wurden bislang nicht bekannt.
