Panorama

"Big G" nicht überall willkommenLondoner Torwart plötzlich als Thronfolger in Uganda im Gespräch

10.09.2026, 09:54 Uhr
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Nach der Beisetzung von König Oyo wird der Nachfolger gekrönt. (Foto: REUTERS)

Ein Londoner Amateur-Torwart als König von Uganda? Nach dem Tod von König Oyo könnte "Big G" den Thron von Tooro erben – doch Tradition, Widerstand und eine düstere Fluch-Legende machen die Nachfolge brisant.

Der jüngste König der Welt ist tot - folgt ihm in Uganda nun ein Amateur-Fußballer aus London mit dem Spitznamen "Big G" auf den Thron? George Desmond Kamurasi steht im Tor der South East Dons, einem der bekanntesten Amateur-Fußballteams in Großbritannien. Der Sportler, besser bekannt als "Big G", könnte laut der britischen BBC überraschend Thronfolger des mit 34 Jahre gestorbenen Königs Oyo werden.

Die Entscheidung darüber solle noch vor der Beisetzung des verstorbenen Königs am Wochenende verkündet werden, hieß es in dem Bericht. Der 36 Jahre alte Torhüter, der auch an einer Schule im Londoner Stadtteil Abbey Wood als Fußballtrainer arbeitete, rief seine Landsleute auf X zur Geduld auf. 

Kamurasis Mannschaft überraschte zuletzt noch mit dem Einzug in die zweite Runde der Qualifikation zum englischen Ligapokal FA Cup. Doch "Big G" dürfte womöglich Wichtigeres zu tun haben, als am 19. September gegen Chichester City aufzulaufen.

"Ein richtiges Vorbild"

Ein ehemaliger Kollege aus dem Kollegium der Alexander McLeod Primary School bezeichnete "Big G" als "klasse Typ", der sehr gut mit Kindern umzugehen wusste. "Er war ein richtiges Vorbild für sie", sagte der Lehrer. Sein Cousin, König Oyo Nyimba Kabamba Iguru Rukidi IV., war Ende August an einer aggressiven Form von Krebs gestorben. Er war einst im Alter von nur drei Jahren gekrönt worden und wurde im vergangenen Jahr vom Guinness-Buch der Rekorde als jüngster König der Welt anerkannt.

Im TooroIm Tooro-Königreich mit seinen rund 800.000 Einwohnern nahe der Rwenzori-Berge herrscht derzeit eine neuntägige Trauerphase: In dieser Zeit sind nicht nur die Flaggen des Königreiches auf halbmast gesetzt, auch die königliche Trommel ist auf den Kopf gestellt und Löwenstatuen im ganzen Königreich, die die Macht des Königs symbolisieren sollen, wurden verhüllt. 

Die Batoori, wie das Volk von Tooro heißt, dürfen in der Zeit der Trauer keine laute Musik hören und schwere körperliche Arbeit verrichten und sollen sexuelle Enthaltsamkeit üben. Ein Rat aus Vertretern des königlichen Clans soll in dieser Zeit die Nachfolgefrage klären.

König Oyo war unverheiratet - doch sein Premierminister Calvin Armstrong Rwomiire deutete schon kurz nach der Todesnachricht an, dass der 34 Jahre alte Monarch einen Sohn habe. In ugandischen Medien wurde berichtet, dass der Junge mittlerweile zehn Jahre alt und seine Mutter eine Lehrerin sei.

Verheiratet mit einer "Muzungu"-Frau - einer Weißen

Dass Kamurasi nun als künftiger König von Tooro im Gespräch ist, ist der Indiskretion eines ugandischen Journalisten zu verdanken. Er habe den ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni bereits über die Entscheidung des königlichen Nachfolgekomitees informiert, schrieb Andrew Mwenda auf X. Mit seinem Beitrag habe er Spekulationen in sozialen Medien ein Ende setzen wollen.

Die Reaktionen waren überwiegend ablehnend. Denn traditionell müssen die Vertreter des Komitees nach der für Samstag geplanten Beisetzung des verstorbenen Königs die Bevölkerung über den neuen König informieren. In sozialen Medien kommentierten viele, wenn König Oyo einen Erben hinterlassen habe, solle dieser die Nachfolge antreten. 

Andere lehnten einen König ab, der nicht in Uganda lebe. Ein König in einem anderen Königreich? Nein danke, meinten sie. Umso mehr, als Kamurasi nicht etwa mit einer Frau aus dem königlichen Clan der Babiito oder wenigstens einer Uganderin verheiratet sei, sondern mit einer "Muzungu"-Frau, einer Weißen. Für manche Traditionalisten ein Grund der Ablehnung.

Ein Fluch über dem Königshaus?

Doch womöglich sind die royalen Aussichten für "Big G" ohnehin kein Grund zur Freude: In Tooro gibt es gleich zwei Legenden über einen Fluch, der über den Königen liege. 

So soll die von ihrem Vater verstümmelte und in einer Höhle eingesperrte Königstochter Nyinamwiru ihren Vater und seine Nachfolger verflucht haben - die Könige von Tooro würden jung sterben und Kinder müssten das Gewicht ihrer Krone tragen. Einer anderen Legende zufolge verurteilte ein Tooro-König seinen Sohn wegen Viehdiebstahls zum Tode und wurde daraufhin von dessen Mutter verflucht.

Der Tradition zufolge soll ein Ritual am Vorabend der Krönung eines neuen Königs diesen Fluch brechen: Am Tor des Palastes wird eine weiße Kuh geschlachtet und der künftige König muss barfuß durch das Blut laufen und versprechen, nicht das Blut seiner Angehörigen zu vergießen.

Der ugandische Präsident Museveni hatte die traditionellen Königreiche des ostafrikanischen Landes wieder eingesetzt, nachdem der damalige Präsident Milton Obote die Monarchien im Land in den 1960er Jahren abgeschafft hatte.

Quelle: ntv.de, Eva Krafczyk und Christoph Meyer, dpa

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