Blackbox ausgewertetErmittler finden wahrscheinliche Ursache für tödlichen Amazon-Flugunfall

In Miami kommt es am Sonntag zu einem verheerenden Unfall mit einer Boeing 767. Fünf Menschen sterben bei dem Unglück. Jetzt kommt heraus, dass nicht richtig gebremst wurde. Die Piloten rücken in den Fokus der Ermittler.
Zwei Systeme, die ein am Wochenende in Miami verunglücktes Amazon-Frachtflugzeug hätten abbremsen können, sind nicht aktiviert worden, bevor die Maschine von der Landebahn abkam und in nahegelegene Fahrzeuge prallte. Dies teilten Ermittler mit. Die US-Unfalluntersuchungsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB) habe auf dem der Flugschreiber der Boeing 767 keine Beweise dafür gefunden, dass die Luftbremsen - Klappen, die aerodynamischen Widerstand erzeugen - oder die Schubumkehr, die Luft umleitet, um die Geschwindigkeit des Flugzeugs bei der Landung zu verringern, aktiviert worden seien. Das sagte der leitende Ermittler Chihoon Shin bei einer Pressekonferenz.
Die Radbremsen des Flugzeugs seien 23 Sekunden vor dem Ende der Aufzeichnung des Flugschreibers betätigt worden, so Shin weiter. Diese Bremsen seien jedoch wenige Sekunden später wieder gelöst und die Schubhebel auf Werte erhöht worden, die mit dem Durchstartschub übereinstimmen. Durchstartmanöver (sogenannte Go-arounds) sind Routineverfahren, die Piloten durchführen, um einen Landeversuch zu wiederholen. Danach, so Shin, wurden die Schubhebel auf Leerlauf zurückgenommen und die Bremsen bis zum Ende der Datenaufzeichnung erneut betätigt. Die NTSB-Vorsitzende Jennifer Homendy lehnte Spekulationen darüber ab, warum die Systeme nicht ausgelöst wurden.
Die Boeing 767 war am Sonntag auf dem Miami International Airport über eine Landebahn hinausgeschossen und in nahegelegene Fahrzeuge gekracht. Dabei wurden fünf Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Die Ermittler prüfen Faktoren, die zu dem Unfall beigetragen haben könnten, darunter die Geschwindigkeit des Flugzeugs, das Wetter und Sicherheitsvorkehrungen an der Start- und Landebahn.
Das Flugzeug setzte mit einer Geschwindigkeit von 158 Knoten auf, was etwa 290 Kilometern pro Stunde entspricht, sagte Shin. Innerhalb von 30 Sekunden erreichte die Maschine ihre endgültige Bodengeschwindigkeit von 65 Knoten, umgerechnet rund 120 Kilometer pro Stunde.
Piloten sollen befragt werden
Homendy sagte, der 55-jährige Kapitän des Fluges habe im Mai die Lizenz für diesen Jet erhalten und bis März rund 7100 Flugstunden absolviert. Der 37-jährige Erste Offizier habe die Lizenz für den Jet im vergangenen Jahr erworben und bis zum vergangenen Monat mehr als 2600 Flugstunden vorgewiesen. Die Ermittler wollen die Piloten am heutigen Mittwoch zu dem Absturz befragen, so Homendy.
Die beiden Piloten an Bord des Flugzeugs gehören zu den Verletzten und wurden bereits aus dem Krankenhaus entlassen, wie Rosie Cordero-Stutz, Sheriff von Miami-Dade, sagte. Zwei weitere Personen befänden sich weiterhin in kritischem Zustand, während eine Person in stabilem Zustand sei. Laut Cordero-Stutz waren die Todesopfer zwischen 47 und 75 Jahre alt.
Homendy sagte, der Großteil der Fracht an Bord des Flugzeugs habe aus Kontaktlinsen bestanden. Die Frachtfluggesellschaft 21 Air betrieb den Flug. Homendy hatte diese Woche bereits mitgeteilt, dass das Flugzeug etwa 400 Meter hinter der asphaltierten Landebahn zum Stehen kam und in einen Ford Econoline Transporter prallte, in dem sich sieben Mitarbeiter eines Reinigungsdienstes befanden. Zudem erfasste das Flugzeug einen Toyota SUV außerhalb des Flughafengeländes.
Das Flugzeug könnte sich dem Flughafen von Miami zu schnell genähert haben, hatte das Wall Street Journal zuvor unter Berufung auf Regierungs- und Branchenvertreter berichtet, die die Unfalluntersuchung verfolgen. Amazon erklärte, eng mit den örtlichen Behörden und Vertretern zusammenzuarbeiten und bei jeder Untersuchung zu kooperieren. 21 Air erklärte, man sei über den Unfall zutiefst erschüttert.
