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Unsichtbare Wolke über dem WCToiletten schleudern beim Spülen Keime bis in Atemhöhe

14.09.2026, 16:08 Uhr
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Eine saubere Toilette mindert die Gefahr beim Spülen. (Foto: picture alliance / ZB)

Winzige Tröpfchen können beim Toilettenspülen Bakterien und Viren aus der Schüssel mitreißen. Eine neue Studie zeigt, wann besonders viele solcher Aerosole entstehen - und warum der Toilettendeckel das Problem nicht vollständig löst.

Nach dem Toilettengang Hände waschen - das gehört zu den einfachsten Regeln der Hygiene. Doch möglicherweise reicht das nicht aus, um Keime von sich fernzuhalten. Denn sobald die Spülung betätigt wird, wirbelt das Wasser winzige Tröpfchen auf, die aus der Toilettenschüssel in die Raumluft gelangen können. Forschende aus Australien wollten nun herausfinden, wie sich das Spülen auf die Bildung dieser sogenannten Aerosole auswirkt und ob dadurch sogar krankmachende Mikroorganismen in unsere Atemwege gelangen könnten.

Dass beim Spülen überhaupt eine solche Wolke entsteht, ist demnach gut belegt. Das einströmende Wasser erzeugt starke Verwirbelungen und reißt kleinste Tröpfchen mit in die Luft. Das Team um Lira Adiyani von der Flinders University wertete für ihre Untersuchung 22 Studien aus, in denen die Entstehung von Aerosolen beim Spülen von Toiletten untersucht wurde. In einzelnen Studien wurden Partikel noch in bis zu 1,63 Metern Höhe nachgewiesen - also ungefähr auf Atemhöhe eines Erwachsenen. Horizontal ließen sie sich bis zu 1,50 Meter von der Toilette entfernt messen. Manche Aerosole schwebten mindestens 20 Sekunden nach dem Spülen noch in der Luft. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Science of The Total Environment" veröffentlicht.

Bakterien und Viren in Aerosolen

"Toilettenspülungen erzeugen Turbulenzen, durch die Aerosole in die Umgebungsluft gelangen können", erklärt Studienautorin Lira Adiyani laut Mitteilung der Uni. Werden Mikroorganismen mitgerissen, spricht man von Bioaerosolen. Sie können aus Verunreinigungen in der Toilettenschüssel stammen, aber auch aus dem verwendeten Spülwasser. Einige untersuchte Aerosole enthielten tatsächlich Bakterien oder Viren. Das bedeutet dem Forschungsteam zufolge allerdings nicht automatisch, dass beim Spülen eine Ansteckungsgefahr besteht. Ob ein Erreger infektiös ist und ob eine eingeatmete Menge überhaupt für eine Infektion ausreicht, hängt demnach vom jeweiligen Mikroorganismus und vielen weiteren Faktoren ab.

Fest steht laut Studie jedoch: Je stärker das Toilettenwasser mit Mikroorganismen belastet war, desto mehr davon fanden sich anschließend in der Luft. In Experimenten, bei denen die Forschenden dem Wasser gezielt Mikroben zusetzten, ging eine zehnfache Erhöhung der Ausgangskonzentration rechnerisch mit einer etwa 2,6-fach höheren Aerosolkonzentration einher. Besonders hohe Werte wurden häufig direkt in der Nähe der Toilettenschüssel und auf Höhe des Sitzes gemessen.

Auch die Menge des Spülwassers spielte eine Rolle. Über die ausgewerteten Untersuchungen hinweg war jeder zusätzliche Liter Wasser pro Spülgang mit einer etwa 1,3-fach höheren Aerosolkonzentration verbunden. Vereinfacht gesagt: Je mehr Wasser durch die Schüssel rauscht, desto mehr Tröpfchen können dabei entstehen. Die Forschenden sehen daher einen möglichen Vorteil von Toiletten mit geringerem Spülvolumen - sofern dabei die notwendige Reinigungsleistung erhalten bleibt.

Deckel zu - Problem gelöst?

Nun könnte man meinen, es gebe eine simple Lösung: Deckel zu. Ganz so einfach ist es aber offenbar nicht. Den Forschenden zufolge ließ sich kein eindeutiger Effekt eines geschlossenen Toilettendeckels auf die Menge der freigesetzten Aerosole nachweisen. Allerdings gab es nur wenige Versuche mit geschlossenem Deckel. Einzelne Studien deuten darauf hin, dass er zumindest die Flugrichtung verändert: Statt weitgehend nach oben zu steigen, können die Partikel dann seitlich durch die Spalten zwischen Schüssel, Sitz und Deckel entweichen. Wie viel davon nach außen gelangt, hängt offenbar auch von der Bauart der Toilette ab.

Adiyani empfiehlt deshalb trotzdem, den Deckel - sofern vorhanden - vor dem Spülen zu schließen. Das sei eine einfache Vorsichtsmaßnahme, um eine mögliche Belastung beim Einatmen zu verringern, auch wenn dadurch nicht alle Aerosole zurückgehalten würden. Schließlich schieße die Wolke zumindest nicht einfach senkrecht in die Luft - direkt auf Gesichtshöhe. Gute Belüftung dürfte zudem helfen, Schwebeteilchen schneller aus der Raumluft zu entfernen oder zu verdünnen.

Machen die Aerosole auch krank?

Mindestens ebenso wichtig ist laut Studie eine weitere Maßnahme, die vor allem Putzmuffel betrifft: die Toilette stets sauber halten. Weniger Mikroorganismen in Schüssel und Umgebung bedeuten auch weniger potenziell problematische Mikroben, die beim Spülen in die Luft gelangen können.

Wie groß das gesundheitliche Risiko im Alltag tatsächlich ist, beantwortet die Studie allerdings nicht. Die Forschenden haben untersucht, wie Aerosole entstehen und welche Faktoren ihre Menge beeinflussen - nicht, wie häufig sich Menschen dadurch tatsächlich mit Krankheiten anstecken. Im eigenen Badezimmer dürfte gerade bei gesunden Menschen demnach das Risiko anders aussehen als etwa in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder stark frequentierten öffentlichen Toiletten, wo mehr Menschen und möglicherweise auch mehr Krankheitserreger zusammenkommen.

Für solche Orte könnte die Forschung besonders wichtig werden, so Studienautorin Harriet Whiley. "Weitere Untersuchungen sind nötig, um bauliche und technische Lösungen zu entwickeln, die Bioaerosole aus Toiletten reduzieren."

Quelle: ntv.de, hny

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