Sinkende Ölpreise belebendWall Street legt zum Ende der Woche zu

Die Hoffnung auf ein schrittweises Ende des Iran-Kriegs verschafft den US-Börsen Rückenwind. Doch vor allem die KI-Fantasien der Anleger schicken die Chipwerte auf neue Höhenflüge. Eine Zinserhöhung noch im Oktober gilt inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von 64 Prozent als ausgemacht.
Gestützt auf Kursgewinne bei Chipaktien haben die US-Börsen zum Wochenschluss zugelegt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,9 Prozent fester bei 51.828 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,5 Prozent auf 7743 Zähler und auch der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 0,5 Prozent auf 27.068 Stellen zu.
Anleger griffen bei Halbleiterwerten wie Marvell, Qualcomm und Dell zu, da sie auf gute Geschäfte durch den Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI) setzten. Ein milliardenschwerer Vertrag mit dem KI-Spezialisten Anthropic beflügelte die Aktien des IT-Dienstleisters Akamai, die mehr als fünf Prozent gewannen. Das vor einem Börsengang stehende Unternehmen Anthropic baut seine Rechnerkapazitäten massiv aus, um seine immer leistungsfähigeren KI-Modelle zu trainieren. Der Vertrag beinhaltet eine Option, die Anthropic einen Anteil von bis zu fünf Prozent an Akamai sichern könnte.
Die Ankündigung neuer Funktionen für den KI-Assistenten Copilot gab Microsoft Rückenwind. Die Papiere des Softwarekonzerns legten um vier Prozent zu, während die Aktien von Meta Platforms nachgaben. Die Papiere des Social-Media-Konzerns waren im Wochenverlauf im Zuge der Vorstellung des KI-Agenten Muse um rund 13 Prozent gestiegen.
Lage am Anleihenmarkt bleibt angespannt
"Die Geldsummen, die durch KI-Investitionen in die Wirtschaft fließen, sind einfach enorm, und wir haben die daraus resultierenden Produktivitätseffekte noch gar nicht gesehen", sagte Jamie Cox, geschäftsführender Gesellschafter bei der Harris Financial Group. "Der Markt berücksichtigt dies teilweise bereits in der Bewertung, und das ist einer der Gründe, warum es wirklich kaum zu einem nennenswerten Ausverkauf kommen kann." Der S&P 500 wird dem Datendienstleister LSEG zufolge derzeit mit dem 19-fachen der erwarteten Gewinne bewertet und ist damit so niedrig wie seit 2023 nicht mehr.
Sinkende Ölpreise im Zuge neuer Friedenshoffnungen im Nahost-Konflikt hellten die Stimmung an den Börsen insgesamt auf. Nach Reuters-Informationen suchen Unterhändler der USA und des Iran in New York derzeit nach einem schrittweisen Ausstieg aus dem Iran-Krieg, was zu einer Öffnung der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormus führen könnte. Die Ölpreise gaben um rund 2,5 Prozent nach, die Nordseesorte Brent notierte aber weiter über 100 Dollar je Barrel. Aktien der Ölkonzerne Chevron und Exxon Mobil verloren 0,6 beziehungsweise 1,1 Prozent.
Steigende Inflationsrisiken heizen die Wetten auf Zinserhöhungen an. Händler sehen nun eine Wahrscheinlichkeit von 64 Prozent, dass die Federal Reserve die Zinsen im Oktober um mindestens 25 Basispunkte anheben wird. Die Verzinsung zehnjähriger US-Anleihen markierte mit 5,196 Prozent ein 19-Jahres-Hoch. Damit stand sie vor dem größten Wochenanstieg seit Mai.
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