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Inflation und Ölpreis drücktWall Street bleibt vor Bilanzsaison auf der Hut

12.10.2026, 23:14 Uhr
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Analysten sind gespannt, wie es mit den Anleiherenditen weitergeht. (Foto: AP Photo/Yuki Iwamura)

Bevor morgen die Banken ihre Quartalszahlen vorlegen, blicken die US-Anleger sorgenvoll auf die Geopolitik. Trumps lautstark vorgestellter Diesel-Deal mit Russland verpufft. Ölpreise, Inflation und Zinssorgen wiegen schwerer.

Vor dem Start in die US-Bilanzsaison haben sich US-Anleger vorsichtig gezeigt. Der US-Standardwerteindex Dow Jones gewann 0,4 Prozent auf 51.851 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab 0,4 Prozent auf 27.246 Zähler nach und der breit gefasste S&P 500 schloss kaum verändert bei 7807 Stellen. Auf die Stimmung drückten erneut anziehende Ölpreise und die unsichere Lage im Nahen Osten. Zudem hielten sich Investoren wegen fehlender Impulse vom Anleihemarkt zurück, da der US-Rentenmarkt wegen des Feiertags Columbus Day geschlossen blieb. Die Aktienhändler blickten zudem mit Sorge auf die jüngst auf ein 24-Jahres-Hoch gestiegenen Renditen, da hohe Energiepreise die Inflationssorgen schürten. Die Aussicht auf steigende Unternehmensgewinne und die Hoffnung, dass die Fed kurzfristige Zinserhöhungen vermeiden könnte, hatten vergangene Woche die drei wichtigsten Börsenindizes ins Plus gehievt.

"Die großen Themen, die es in der Berichtssaison zu beobachten gilt, sind, wie Unternehmen KI einsetzen und davon profitieren", sagte Clark Bellin von Bellwether Wealth. Zudem sei wichtig, ob sie ihre Preissetzungsmacht beibehalten oder erhöhen und wie sie mit den gestiegenen Kreditkosten umgehen könnten. Die Berichtssaison beginnt am Dienstag. Traditionell starten die großen US-Banken, darunter Wells Fargo, Goldman Sachs, Citigroup und JPMorgan. Daten von LSEG IBES zufolge wird für den S&P 500 im dritten Quartal ein Gewinnsprung von 30,6 Prozent erwartet. "Es gibt eine Menge, worauf man achten muss", sagte Robert Pavlik, Portfoliomanager bei Dakota Wealth, mit Blick auf die anstehenden Daten und Bilanzen. "Man läuft im Dunkeln auf einem Gleis und weiß nicht, ob ein Zug kommt. Deshalb ist man einfach sehr vorsichtig." Im Laufe der Woche stehen zudem die US-Verbraucher- und Erzeugerpreise sowie die Einzelhandelsumsätze für September an.

"Diese Gewinnresilienz erklärt zum Teil, warum sich die Aktien so stark gehalten haben", sagte Bret Kenwell, US-Investmentanalyst bei eToro. Das starke Wachstum habe es Anlegern ermöglicht, über höhere Renditen, Zinssätze und Inflation hinwegzusehen. "Ein weiteres starkes Quartal könnte die optimistische Stimmung bis zum Jahresende aufrechterhalten, während eine Enttäuschung einen breiteren Rückgang auslösen könnte." Für Verunsicherung sorgten zudem Äußerungen der Chefin der US-Notenbank von Cleveland, Beth Hammack. Die Fed sollte sich relativ rasch in Richtung einer restriktiveren Geldpolitik bewegen, um die Inflation zu bekämpfen, sagte sie. Händler sahen am Montag eine Wahrscheinlichkeit von knapp 22 Prozent für eine Zinserhöhung in diesem Monat, nach 17,7 Prozent am Freitag.

Ölpreise klettern trotz des Diesel-Deals

Am Rohölmarkt kletterten die Ölpreise nach den Angriffen auf den Flughafen der saudiarabischen Hauptstadt Riad in der Spitze auf ein Zwei-Wochen-Hoch. Nordsee-Rohöl Brent und US-Leichtöl WTI verteuerten sich zwischen 1,3 und 1,5 Prozent auf rund 106 und 93 Dollar je Fass. Die jemenitischen Huthi-Rebellen haben ihre Angriffe auf Saudi-Arabien ausgeweitet. Analysten von Goldman Sachs hoben daher ihre Prognose für den Brent-Preis für Dezember von 85 auf 90 Dollar pro Fass an. Der Energiesektor gehörte wegen der anziehenden Ölpreise zu den stärksten Branchen im S&P 500.

Die Angriffe auf Saudi-Arabien überschatteten auch die Aussicht auf russische Diesellieferungen in die USA. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag erklärt, mit Moskau ein Abkommen über die Lieferung von Dieselkraftstoff geschlossen zu haben. Details dazu waren jedoch noch unklar. Die Ölpreis-Rally wurde zudem dadurch begrenzt, dass Trump erklärt hatte, die Ukraine und Russland hätten sich darauf geeinigt, die Angriffe auf die Energieanlagen des jeweils anderen einzustellen.

Microsoft und Salesforce gefragt

Bei den Einzelwerten trieb der geplante groß angelegte Einsatz eigener KI-Chips den Marktwert von Microsoft erstmals seit rund einem Jahr wieder über die Marke von vier Billionen Dollar. Zuvor hatte der US-Softwarekonzern die nächste Generation seines eigenen KI-Chips mit dem Namen Maia 300 angekündigt. Dieser soll bei KI-Anwendungen rund 40 Prozent effizienter sein als führende Konkurrenzsysteme, teilte der Konzern mit, ohne die zum Vergleich herangezogenen Systeme zu nennen. Im nächsten Jahr plane Microsoft möglicherweise mehr als eine Million davon einzusetzen, um interne KI-Dienste zu unterstützen und Kosten zu sparen. Die Aktie schloss 1,4 Prozent fester.

Die Titel von Salesforce stiegen zeitweise um fünf Prozent und gingen mit einem Plus von zwei Prozent aus dem Handel, nachdem die Analysten von BofA Global Research ihre Einstufung auf "Buy" von zuvor "Underperform" gleich um zwei Stufen angehoben hatten.

Gefragt waren zudem Ebay-Aktien mit Zuwächsen von 2,2 Prozent, nachdem Morgan Stanley das Papier auf seine Favoritenliste gesetzt hatte. Zu den Verlierern gehörte dagegen die Technologiebranche. Insbesondere Halbleiterwerte gaben nach: Der Philadelphia-Halbleiterindex rutschte auf ein Drei-Wochen-Tief.

Dagegen gaben die Aktien von IonQ um neun Prozent nach, nachdem der Quantencomputer-Spezialist im Rahmen einer Aktientransaktion eine bis zu 1,3 Milliarden Dollar schwere Übernahme der Cybersicherheitsfirma Elisity angekündigt hatte.

Lange Gesichter gab es zudem bei Anlegern von Chipotle, nachdem Starbucks erklärt hatte, die Restaurantkette nicht kaufen zu wollen. "Wir wollen Klarheit schaffen: Wir kaufen Chipotle nicht", sagte ein Starbucks-Sprecher und reagierte damit auf einen Bericht der "Financial Times" von vergangener Woche, wonach Starbucks seit Monaten mit Beratern an Plänen für eine Übernahme der für ihre "Burrito"-Teigfladen bekannten Kette arbeite. Es wäre die größte Gastronomie-Fusion der Wirtschaftsgeschichte geworden. Zusammen kämen Starbucks und Chipotle auf Umsätze von rund 50 Milliarden Dollar im Jahr. Chipotle-Aktien verloren 3,8 Prozent, dagegen zogen die Anteilsscheine von Starbucks um 1,7 Prozent an.

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Quelle: ntv.de, mau/rts

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