Streit um FlughafengebührenRyanair stellt Betrieb in Bremen ein und streicht in Wien Flüge

Ryanair macht Ernst und zieht sich aus Bremen zurück. Auch in Wien streicht die Airline zwölf Strecken und 80 Arbeitsplätze. Konzernchef O'Leary macht Österreichs Regierung schwere Vorwürfe und droht mit weiteren Streichungen.
Der irische Billigflieger Ryanair setzt seine angedrohten Kürzungen am Flughafen Wien um und zieht sich von einem weiteren Standort in Deutschland zurück. Die Fluggesellschaft stelle den Betrieb am Flughafen Bremen ein, erkläre die Landesregierung der Hansestadt. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt warf dem Unternehmen vor, in den Verhandlungen über die Flughafengebühren überzogene Forderungen gestellt zu haben.
"Ryanair wollte die Leistungen des Flughafens und die Nutzung seiner Infrastruktur nahezu kostenfrei erhalten", erklärte Vogts Büro. "Dadurch würde der Airport mit jedem Passagier von Ryanair Verluste erwirtschaften. Ein solches Geschäft sei nicht nur unverhältnismäßig, sondern auch nicht mehr seriös. "Das ist keine Preisverhandlung mehr, hier wird Marktmacht ausgespielt, und die Rechnung soll die öffentliche Hand zahlen", kritisierte Vogt. "Wir sind Ryanair weit entgegengekommen, aber irgendwann ist die Grenze erreicht."
Den Angaben nach fallen dem Flughafen dadurch rund 400.000 Fluggäste jährlich weg - das entspricht gut einem Fünftel des gesamten Passagieraufkommens. "Der Verlust tut weh", erklärte die Wirtschaftssenatorin. "Aber auf einen Preis, der den Flughafen dauerhaft belastet und gegen das Beihilferecht verstößt, lassen wir uns nicht ein."
Ryanair-Chef klagt über zu hohe Kosten
In Wien will Ryanair zum Winterflugplan 2026 vier stationierte Flugzeuge abziehen und zwölf Strecken einstellen, teilte das Unternehmen mit. Bereits für den Sommerflugplan hatte Ryanair das Angebot reduziert. Von den neuen Kürzungen seien 80 Arbeitsplätze betroffen.
Zur Begründung verwies Ryanair auf die aus ihrer Sicht zu hohen Kosten in Österreich. Die Regierung habe es versäumt, die Luftverkehrssteuer von zwölf Euro pro Ticket abzuschaffen. Zudem seien die Gebühren der Flugsicherung seit der Corona-Pandemie um 60 Prozent und die des Flughafens Wien um 30 Prozent gestiegen. Dies mache den Standort im Vergleich zu Nachbarländern wettbewerbsunfähig.
Ryanair-Chef Michael O'Leary warf dem österreichischen Bundeskanzler Christian Stocker in der Mitteilung Untätigkeit vor. Die nun angekündigten Kürzungen seien das direkte Ergebnis dieses Versäumnisses. Ein im Juni von der Regierung angekündigtes Hilfspaket über 30 Millionen Euro für die Luftfahrt sei unzureichend. O'Leary forderte den Kanzler auf, dieses Paket zu streichen und stattdessen die Luftverkehrssteuer abzuschaffen. Andernfalls werde Österreich weiter Flugzeuge, Strecken und Wachstum an günstigere EU-Nachbarländer verlieren.
In Deutschland hatte Ryanair bereits das Flugangebot nach Hamburg und Berlin deutlich reduziert und dies mit zu hohen Standortgebühren begründet. Stattdessen baute die Airline das Angebot an kleineren Flughäfen aus. Die Bremer Regierung wirft dem irischen Unternehmen vor, gezielt auf kleinere Flughäfen zu setzen, für die weniger strenge Beihilferegeln gelten. Zudem nutze das Unternehmen seine Marktmacht, um die Betreiber unter Druck zu setzen.
