Niedrige SpeicherständeReiche vollzieht offenbar Kehrtwende - und lässt nun zusätzlich Gas einkaufen

Bislang wollte Katherina Reiche den Markt nicht durch staatliche Käufe verzerren. Angesichts niedriger Speicherstände rückt die Bundeswirtschaftsministerin laut einem Medienbericht von dieser Linie nun ab. Der bundeseigene Importeur Sefe soll mit Zukäufen bereits begonnen haben.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat staatliche Eingriffe zur Befüllung der Gasspeicher bislang abgelehnt. Nun ändert sie einem Medienbericht zufolge überraschend ihren Kurs: Die CDU-Politikerin hat demnach den bundeseigenen Gasimporteur Sefe dazu bewegt, zusätzliches Erdgas einzukaufen. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Regierungskreise. Ziel sei es, die derzeit vergleichsweise niedrigen Speicherstände vor dem Winter deutlich anzuheben.
Sefe hat dem Bericht zufolge bereits mit den Käufen begonnen. Das Unternehmen soll dabei behutsam vorgehen, um die Preise am Gasmarkt möglichst wenig zu beeinflussen. Die Einkäufe erfolgten deshalb "in kleinen Schritten". In Regierungskreisen rechne man damit, die zusätzliche Befüllung "minimalinvasiv und kosteneffizient" umsetzen zu können, schreibt das "Handelsblatt".
Damit rückt Reiche von ihrer bisherigen Linie ab, der Staat solle nicht in den Markt eingreifen. Offenbar fürchtete die Ministerin, zusätzliche Käufe des Staates könnten die Gaspreise weiter nach oben treiben. Für diese Haltung hatte sie zuletzt auch innerhalb der eigenen Reihen Kritik erhalten.
Uniper bleibt bei den Gaskäufen außen vor
Der Füllstand der deutschen Gasspeicher liegt derzeit bei knapp 56 Prozent und damit deutlich niedriger als zu dieser Jahreszeit üblich. Sefe soll dazu beitragen, ihn auf mehr als 70 Prozent zu erhöhen. Gesetzlich ist für den 1. November grundsätzlich ein Füllstand von 80 Prozent vorgesehen. Weil für einzelne Speicher Ausnahmen gelten, liegt der rechnerische Zielwert laut "Handelsblatt" allerdings bei 71 Prozent. Dieser Wert könne mit den zusätzlichen Käufen demnach noch erreicht werden - allerdings womöglich mit leichter Verspätung.
Nicht beteiligt ist dagegen der ebenfalls bundeseigene Energiekonzern Uniper. Nach Informationen der Zeitung gibt es im Bundesfinanzministerium Vorbehalte gegen zusätzliche Gaskäufe durch das Unternehmen. Dort werde befürchtet, dass ein solcher Schritt die geplante Privatisierung von Uniper beeinträchtigen könnte. Sefe und Uniper waren während der Energiekrise 2022 verstaatlicht worden und müssen nach Auflagen der EU-Kommission bis spätestens Ende 2028 wieder weitgehend privatisiert werden.
Für Sefe rechnet das Umfeld der Wirtschaftsministerin laut dem Bericht mit einer Belastung der Bilanz von etwa 40 bis 60 Millionen Euro. Im Wirtschaftsministerium gelten die möglichen Folgen für eine spätere Privatisierung demnach als überschaubar. Hintergrund der bislang schleppenden Speicherbefüllung sind unter anderem die Auswirkungen des Konflikts um die Straße von Hormus auf die Energiepreise. Für Händler ist es dadurch derzeit wenig attraktiv, Gas einzukaufen und für den Winter einzulagern.