Wirtschaft

Was plant Musk wirklich?Raketen-Auto heizt Fusionsgerüchte zwischen Tesla und SpaceX an

16.10.2026, 17:48 Uhr IMG_4708Von Juliane Kipper
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Der Roadster der nächsten Generation soll 2028 in Serie gehen. (Foto: via REUTERS)

Spektakuläre Sprünge und Kaltgas-Düsen: Mit fast zehn Jahren Verzögerung stellt Tesla seinen Roadster-Sportwagen vor. Analysten sehen darin weit mehr als nur die Enthüllung eines neuen Fahrzeugs.

Die Ankündigung des neuen Tesla Roadster klang vollmundig: "Ihr werdet sehen, was dabei herauskommt, wenn man mit dem besten Automobilhersteller und dem besten Raketenhersteller der Welt zusammenarbeitet", sagte Tesla-Chef Elon Musk kurz vor der Präsentation des Sportwagens, der mit Triebwerken seines Raumfahrtunternehmens SpaceX ausgestattet ist.

Kurz darauf kletterte der kantige Sportwagen eine geschwungene Rampe hinauf und katapultierte sich zu einer kontrollierten Landung. Später sprang er über fünf andere Tesla-Fahrzeuge und drehte sich dabei in der Luft. Möglich macht das ein Kaltgas-Triebwerk. Bei der Demonstration beschleunigte der Roadster aus dem Stand auf 60 Meilen pro Stunde (knapp 96,6 km/h) in 0,81 Sekunden. Das spätere Produktionsmodell werde noch schneller sein, kündigte Musk an.

Der Roadster der nächsten Generation soll 2028 in Serie gehen. Einen endgültigen Verkaufspreis nannte Tesla nicht. Wer sich allerdings die fliegende "Rocket"-Version mit Düsen reservieren möchte, muss bereits 250.000 Euro anzahlen. Diese Variante ist ausdrücklich nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen und nur auf Einladung erhältlich. Für die Reservierung der straßenzugelassenen Basisversion "Performance" ohne Düsen werden insgesamt 50.000 Euro fällig. Sie setzt stattdessen auf Saugventilatoren und aktive Aerodynamik. Diese sorgen auch auf normalen Straßen für mehr Grip beim Beschleunigen, Bremsen und in Kurven. Auf die Enthüllung des Roadster-Sportwagens mussten Kunden fast zehn Jahre warten. Der Elektroautobauer hatte ursprünglich bereits 2017 einen Prototyp gezeigt und damals den Produktionsstart für 2020 in Aussicht gestellt.

Analysten zufolge kann Tesla mit seinem Sportwagen zwar Begeisterung für den E-Autobauer wecken, finanziell bleibt die Auswirkung aber überschaubar. Laut Aktienstratege Andrew Rocco dürften der hohe Preis und der kleine potenzielle Markt dazu führen, dass der Roadster wahrscheinlich kaum Auswirkungen auf die Umsatz- oder Gewinnaussichten von Tesla hat. "Es wird ein aufregendes Produkt sein, das wahrscheinlich für viel Hype sorgt. Aber ich glaube nicht, dass es die Zahlen wesentlich beeinflussen wird", sagte Rocco gegenüber "Bloomberg".

Branchenexperten werten die spektakuläre Show vielmehr als Beleg für Musks Bestreben, Tesla als grenzüberschreitendes, technologisch fortschrittliches Unternehmen zu positionieren. Schon länger wird spekuliert, dass der Tech-Milliardär Tesla und SpaceX unter einem Dach vereinen könnte. "Wir haben beobachtet, wie sich die Unternehmen immer nähergekommen sind", zitiert "Bloomberg" Garrett Nelson, Senior Equity Research Analyst bei dem Analysehaus CFRA. "Es nähert sich dem Punkt, an dem Musk argumentieren kann, dass die Unternehmen so eng zusammenarbeiten, dass eine Fusion einfach Sinn ergibt."

Ankündigung noch dieses Jahr?

Tesla hat zuletzt seine angebotenen Modelle reduziert. Gleichzeitig stellt das Unternehmen seine Produktionslinien in Kalifornien und Texas auf dieFertigung von Robotern und autonome Taxis um. So stellte der Konzern im Januar die Premium-Modelle S und X ein, sodass er sich voll auf die Entwicklung des selbstfahrenden Taxis "Cybercab" und des humanoiden Roboters namens "Optimus" konzentrieren kann.

Eine Ankündigung über eine mögliche Fusion könnte laut Analysten der Investmentbank Barclays noch vor der diesjährigen Hauptversammlung erfolgen, berichtet das Portal "Axios". Die Hauptversammlung muss spätestens Anfang Dezember stattfinden. Wird eine Einigung Ende Oktober oder Anfang November bekannt gegeben, könnte die Aktionärsversammlung das Geschäft direkt absegnen. Andernfalls rechnet Barclays mit einem Vollzug innerhalb von sechs bis zwölf Monaten.

Im Kern geht es Musk bei einem Zusammenschluss den Analysten zufolge um Macht und Einfluss. An SpaceX hält der Tech-Milliardär rund 48 Prozent der Anteile und 82 Prozent der Stimmrechte, an Tesla etwa 20 Prozent. Nach einer Fusion läge sein Anteil laut Barclays bei rund 37 Prozent der Aktien und 56 Prozent der Stimmrechte. Musk hatte in der Vergangenheit wiederholt betont, dass er einen 25-Prozent-Anteil an Tesla anstrebe, um die KI- und Robotikstrategie des Konzerns ungestört zu steuern.

Zustimmung von Aktionären nötig

Eine Fusion würde Analysten zufolge zwei Konzerne vereinen, die zwar beide massiv in Künstliche Intelligenz investieren, aktuell aber noch unterschiedliche Geschäftsfelder bedienen. Nach einem Zusammenschluss könnten Teslas Robotertaxis und der Roboter "Optimus" mit dem KI-Modell "Grok" von SpaceX verknüpft werden, ebenso wie "Starlink" und Teslas Energiespeicher für Rechenzentren im Weltraum.

Zudem würde ein fusioniertes Unternehmen die Steuerung von Musks groß angelegtem Chip-Fertigungsprojekt "Terafab" vereinfachen. Der Milliardär sieht die eigene Halbleiterproduktion als zentral an, um den enormen Rechenbedarf seiner Unternehmen in den kommenden Jahren zu decken. Das Projekt zielt darauf ab, Chips für Teslas Elektrofahrzeuge, autonome Robotaxis und die humanoiden Optimus-Roboter herzustellen.

Noch haben weder Tesla noch SpaceX die Pläne für eine Fusion offiziell bestätigt. Ein Deal dieser Größenordnung würde ohnehin die Zustimmung der Aktionäre, der Aufsichtsräte beider Konzerne sowie der zuständigen Kartellbehörden erfordern.

Quelle: ntv.de

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