Gewerkschaft geht in StellungEvonik lässt BASF mit erster Offerte offenbar abblitzen

Fast 30 Prozent Aufschlag auf den Aktienkurs und eine Gesamtbewertung von 14 Milliarden Euro ist dem Chemiekonzern Evonik Insidern zufolge zu nicht genug. Und so weist das Unternehmen die erste Übernahme-Offerte des Branchenriesen BASF ab. Unklar ob der nachbessert
Der Spezialchemiekonzern Evonik hat Insidern zufolge ein Übernahmeangebot des größeren Rivalen BASF abgewiesen. Die Offerte sei als zu niedrig angesehen worden, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. BASF habe rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie geboten. Das Angebot entspricht einem Aufschlag von gut 28 Prozent auf den Evonik-Aktienkurs vor dem Bekanntwerden erster Übernahmespekulationen in der vergangenen Woche. Das Essener Unternehmen wird damit inklusive Schulden mit rund 14 Milliarden Euro bewertet. Evonik lehnte eine Stellungnahme ab.
BASF wollte sich zu dem genannten Preis nicht äußern. Der Konzern teilte jedoch mit, eine mögliche Übernahme würde die eigenen Kerngeschäfte stärken und ergänzen. Dabei verfolge das Unternehmen einen disziplinierten Ansatz: "Unsere Bewertung basiert auf einem Synergiepotenzial, das nur unter Einbindung von Evonik verifiziert werden kann." Evonik-Aktien stiegen um bis zu 2,5 Prozent auf 19,85 Euro.
Beide Unternehmen hatten Ende vergangener Woche Sondierungsgespräche bestätigt. Für BASF wäre eine Übernahme von Evonik einer der größten Zukäufe in der gut 160-jährigen Firmengeschichte. Die bislang größten Übernahmen der Ludwigshafener waren der Erwerb der Saatgut- und Herbizidgeschäfte von Bayer im Jahr 2018 für 7,6 Milliarden Euro sowie der Kauf des US-Katalysatorherstellers Engelhard 2006 für 4,8 Milliarden Dollar.
Eine Schlüsselrolle bei einem möglichen Zusammenschluss fällt der RAG-Stiftung zu, die 43 Prozent an Evonik hält. Im Kuratorium der Stiftung ist das Land Nordrhein-Westfalen durch Ministerpräsident Hendrik Wüst vertreten. Das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium verfolge das Übernahmeinteresse sehr aufmerksam, erklärte Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. "Jede Lösung muss sich daran messen lassen, ob sie den Investitionen an den Standorten in Nordrhein-Westfalen und den Menschen, die dort arbeiten, eine Zukunft gäbe", sagte sie. Die Stiftung selbst wollte sich zu der Offerte nicht äußern.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, der sowohl im Kuratorium der RAG-Stiftung als auch im Aufsichtsrat von BASF sitzt, sieht bei einer möglichen Übernahme viele offene Fragen. Ein Kauf eines erfolgreichen Unternehmens durch ein anderes werde für Standorte und Beschäftigte nicht allein dadurch zu einer Zukunftsgeschichte, dass das neue Gebilde größer werde, sagte er am Montag. Für die Beschäftigten beider Konzerne müsse es Zukunftsperspektiven und Investitionszusagen geben.
