Aus für nächstes TraditionshausBrauerei Wolters in Braunschweig macht dicht

Das Brauerei-Sterben geht weiter: Die Wolters-Brauerei in Braunschweig schließt die Tore. Für die Produktionsstätte mit 90 Mitarbeitern fand sich kein Interessent. Das Aus für die Marke Wolters muss dies aber nicht bedeuten.
Die nächste deutsche Traditionsbrauerei schließt für immer ihre Tore: Nur noch bis Ende des Jahres wird bei Wolters in Braunschweig Bier gebraut. Das bestätigte eine Sprecherin der mit dem Insolvenzverfahren beauftragten Kanzlei Eckert. Demnach wurden die rund 90 Beschäftigten am Montagnachmittag über die Schließung des Standortes informiert.
Im Sommer hatte die 1627 gegründete Brauerei einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt und das unter anderem mit Absatzrückgängen auf dem deutschen Biermarkt begründet. Zwischenzeitlich hatte Wolters auch nach neuem Kapital gesucht. "Ein entsprechender Investorenprozess für den Produktionsstandort blieb jedoch ohne Erfolg", teilte die Insolvenzkanzlei nun mit. Zuvor berichtete die "Braunschweiger Zeitung".
Der deutsche Biermarkt war im vergangenen Jahr so stark geschrumpft wie noch nie seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt Anfang Februar berichtet hatte. Im Sommer hatte das Unternehmen als Ziel ausgegeben, den Geschäftsbetrieb grundlegend zu sanieren und sich wirtschaftlich neu aufzustellen. Das Insolvenzverfahren über die Brauerei wurde zum 1. September eröffnet. Die Gewerkschaft NGG kritisierte die kurze Zeitspanne zwischen der Eröffnung des Insolvenzverfahrens und der Entscheidung. "Nach außen betrachtet wirkt dieser Vorgang weniger wie ein geordneter Sanierungsprozess als vielmehr wie eine Vollbremsung."
Das Aus der Brauerei bedeutet aber nicht zwangsläufig auch das Aus für das dort gebraute Bier. "Bemühungen, die Marke Wolters zu erhalten, laufen weiter", heißt es von der Kanzlei. Derzeit würden "konstruktive Gespräche mit verschiedenen Interessenten geführt".
OB Kornblum: "Extrem schmerzhaft"
Brauerei Geschäftsführer Nils Handke bedauerte den aus seiner Sicht "unausweichlichen" Schritt. "Mit der Schließung des Produktionsstandorts in Braunschweig geht eine Ära zu Ende", sagte er. Damit ist das Hofbrauhaus allerdings keineswegs allein. In den vergangenen Jahren und Monate wurden immer wieder Brauereistandorte in Deutschland wegen der Absatzkrise auf dem Biermarkt geschlossen. Zuletzt etwa auch in Herford in Nordrhein-Westfalen. Zum Jahresbeginn wurde zudem bereits der Braunschweiger Standort der Oettinger-Brauerei geschlossen.
Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum von der SPD nannte das Aus der Brauerei Wolters "extrem schmerzhaft". In einem Schreiben der Braunschweiger CDU-Ratsfraktion hieß es: "Die Brauerei gehört seit Generationen zur Identität der Stadt und ist ein wichtiger Teil der Braunschweiger Wirtschaftsgeschichte."
"Besonders bitter ist, dass es Investoren gab, die Interesse an der Marke Wolters hatten, aber die Brauerei wohl nicht als Produktionsstandort übernehmen wollten, weil die Anlagen veraltet sind und dringend hätten modernisiert werden müssen", sagte die Fraktionsvorsitzende der Braunschweiger Grünen, Leonore Köhler, ohne weitere Details zu nennen.
