Folge schwacher AutoindustrieBosch streicht Hälfte der Stellen in Nürnberg

Die deutsche Autobranche kommt aktuell auf keinen grünen Zweig. Das trifft auch zahlreiche Zulieferer. Bosch entschließt sich nun, die Hälfte seiner Stelle in Nürnberg zu streichen. Das liegt auch an enttäuschten Erwartungen an einen alternativen Treibstoff.
Der Automobilzulieferer Bosch will an seinem Standort in Nürnberg die Hälfte der Stellen abbauen. Es sei geplant, "900 Stellen im Werk bis Ende 2029 abzubauen", erklärte das Unternehmen. "Die Umsetzung soll möglichst sozialverträglich gestaltet werden." Die Arbeitnehmervertretung und die Mitarbeitenden in Nürnberg seien bereits informiert worden, die Gespräche mit den Mitarbeitervertretern würden nun aufgenommen.
Der Konzern begründete dies mit einer grundlegenden Veränderung der Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie. "Der rückläufige Verbrenneranteil und die wachsende Konkurrenz durch chinesische Anbieter reduzieren die Nachfrage erheblich, während die Herstellkosten deutlich über den wettbewerbsfähigen Marktpreisen liegen", erklärte das Unternehmen. "Da zudem der Hochlauf des Wasserstoffmarktes in Europa hinter den Erwartungen zurückbleibt, sinken Produktionsvolumen und Auslastung des Werks weiter." Dies führe am Standort in Nürnberg zu einem Personalüberhang, der langfristig wirtschaftlich nicht tragfähig ist.
Am Bosch-Standort in Nürnberg arbeiten derzeit nach Unternehmensangaben 1800 Menschen. In dem dortigen Werk werden demnach überwiegend Komponenten für den Verbrennungsmotor sowie Brennstoffzellen-Technik gefertigt.
Die deutsche Autoindustrie steckt wegen der Konkurrenz in und aus China, US-Zöllen und niedriger Gewinnmargen bei E-Autos in der Krise. Bosch hatte in den letzten Jahren bereits tausende Stellen gestrichen und den Abbau weiterer tausender Jobs angekündigt.
Angesichts der deutschen Automobil-Krise forderte der Betriebsrat von Bosch bereits im Sommer einen runden Tisch von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Politik. "Wir können nicht so weitermachen wie bisher", sagte Frank Sell, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Bosch Mobility, dem "Spiegel" Anfang Juli.
Alle großen deutschen Autobauer haben Stellenstreichungen im großen Stil angekündigt. Volkswagen allein will weltweit bis zu 100.000 Stellen abbauen. Bei Audi, BMW, Mercedes und Porsche ist jeweils von einigen Tausend Stellen die Rede.