Rund 30 Prozent zu hoch eingestuftZEW-Studie: Deutsche überschätzen chinesische Investitionen in Bundesrepublik massiv

Die Menschen in Deutschland überschätzen den Anteil chinesischer Investitionen in der Bundesrepublik massiv und begegnen ihnen mit tiefem Misstrauen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) mit mehreren Forschungsinstituten, die der Nachrichtenagentur Reuters vorab vorlag. Demnach schätzt die Bevölkerung den Anteil chinesischer Direktinvestitionen auf 33 Prozent, obwohl er tatsächlich nur bei einem Prozent liegt. Die grundsätzliche Präferenz für europäische oder US-amerikanische Investoren ändert sich auch nicht, wenn die Befragten über die wahren Größenverhältnisse informiert werden.
Die Studie macht die Abneigung mit einem Experiment konkret: Bei der Übernahme eines insolventen deutschen Unternehmens musste ein chinesischer Käufer nach Einschätzung der Befragten durchschnittlich rund 350 von 500 Arbeitsplätzen retten, damit das Angebot als gleich attraktiv galt wie das eines europäischen oder US-amerikanischen Käufers, der nur 250 Stellen sichert. Dies entspricht einem Aufschlag von etwa 40 Prozent. Bei ansonsten identischen Merkmalen wurden Angebote chinesischer Unternehmen zudem rund 40 Prozentpunkte seltener gewählt als Angebote aus anderen EU-Staaten. Gegenüber US-Investoren betrug der Abstand etwa 20 Prozentpunkte.
Die ablehnende Haltung speist sich der Studie zufolge vor allem aus politischen Sorgen. So bewerteten 64,2 Prozent der Befragten chinesische Direktinvestitionen als nachteilig für die politische Unabhängigkeit Deutschlands. Fakten könnten zwar Fehleinschätzungen korrigieren und den Blick auf konkrete wirtschaftliche Vorteile verändern. "Die grundsätzlichen Präferenzen gegenüber Investoren unterschiedlicher Herkunft verändern sich durch solche Informationen jedoch kaum", erklärte Ko-Autor Li Yang vom ZEW. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Skepsis gegenüber chinesischen Investitionen nicht allein auf einer falschen Vorstellung über deren wirtschaftliche Bedeutung beruht." Auch Sorgen um politische Abhängigkeit und staatlichen Einfluss könnten für die Bewertung eine Rolle spielen.
An der Studie waren neben dem ZEW auch die Paris School of Economics, das Stone Center on Socio-Economic Inequality sowie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung beteiligt. Befragt wurden 2365 Erwachsene.