Kunstaktion am PoolBerliner Volksbühne wird geschrubbt

Mit einer spektakulären Kunstaktion hat die Berliner Volksbühne ihre Saison eröffnet und sich von ihrem temporären Schwimmbecken verabschiedet.
Die österreichische Künstlerin Florentina Holzinger seilte sich mit ihren Performerinnen nackt vom Theater ab und schrubbte die Fassade. Das Haus müsse saubergemacht werden, um Platz für neue Ideen zu schaffen, rief eine der Frauen auf dem Dach auf Englisch. Hohe Wasserfontänen schossen in den Himmel. Holzinger ist auch für Inszenierungen wie "Sancta" bekannt. Der neue Intendant Matthias Lilienthal hatte im Sommer ein 25-Meter-Becken aufbauen lassen, in dem Menschen kostenlos schwimmen gehen konnten.
Einem Bericht des Rundfunks Berlin-Brandenburgs (rbb) zufolge geht die Volksbühne von insgesamt rund 20.000 Besucherinnen und Besuchern aus. Die Kosten seien von rund 300.000 Euro auf etwa 410.000 Euro gestiegen. Lilienthal sah die Freibadaktion auch als Protest gegen den Verfall der Infrastruktur in der Stadt. Zum Programm des "Volksbads" gehörten etwa auch Kurse im Kraulen und Synchronschwimmen.
Mitte August war das Volksbad wegen einer geplanten Veranstaltung für Menschen der schwarzen Community in den Fokus geraten. Nach teils rassistischen Diskussionen und Drohungen sagte das Theater die geplante Veranstaltung des Vereins "Each One Teach One" (EOTO) ab. "Diese Geschichte mit EOTO war totaler Scheiß, ich verstehe es bis zum heutigen Tag nicht", sagte Lilienthal dem rbb. Der Shitstorm habe die Mitarbeiter und ihn zu Freiwild auf der Straße gemacht, "so dass ich mich nicht mehr vors Haus getraut habe". Die Debatte habe ihm gezeigt, welche politische Macht "rechte Streamer" in Berlin hätten. "Dafür schäme ich mich." Mit der Freibadaktion hatte die Volksbühne auch die Zeit überbrückt, bis die Obermaschinerie im Theater saniert war. Zum Auftakt von Lilienthals erster Spielzeit sollte am Abend auch "House of Hopes" des Performancekollektivs Rimini Protokoll gezeigt werden.