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Mystery-Horror Game im TestGelingt einer uralten Videospielserie das Comeback?

22.09.2026, 18:11 Uhr imageVon Tobias Hauser
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Simon muss viel aushalten in "Silent Hill: Townfall". (Foto: Konami/Screen Burn)

Nach jahrelanger Pause ist "Silent Hill" zurück: Konami schleudert seit kurzer Zeit Spiel nach Spiel der Horrorserie auf den Markt. Nun folgt als Teil der Comeback-Offensive der neueste Ableger "Townfall". Besonders eine Änderung weicht radikal von der typischen "Silent Hill"-Formel ab.

Vor fast 30 Jahren erschien "Silent Hill". Die ersten paar Teile wurden schnell Kritikerlieblinge und Verkaufsschlager. Dann flachte die Serie ab. Nach drei enttäuschenderen Ablegern wurde es still um die Mystery-Horror-Spielereihe. Über zehn Jahre erschien kein neuer Ableger. Bis Publisher "Konami" den Kultklassiker dann vor Kurzem wiederbelebte. Nach dem Remake des zweiten Teils und "Silent Hill f" folgt nun "Townfall".

Beauftragt mit der Entwicklung wurde das Studio Screen Burn, das zuvor noch keinen Titel der Reihe entwickeln durfte. Dementsprechend groß waren auch die Zweifel daran, ob "Townfall" die hohen Erwartungen erfüllen kann. Dazu kam eine Ankündigung, die vielen Fans sauer aufstieß: Anders als üblich für "Silent Hill" ist der neue Ableger in der Ego-Perspektive entwickelt. Es war also angerichtet fürs auf die Schnauze fallen. Würde "Townfall" der erste Dämpfer beim großen "Silent Hill"-Comeback werden?

Die Antwort ist nein, so viel sei schon mal verraten. Denn - und das wurde schon nach den Previews klar - dafür ist der neue Teil der Reihe viel zu gut geworden.

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Was ist in St. Amelia geschehen? (Foto: Konami/Screen Burn)

Die Story startet mit einem Klassiker

Eigentlich sollte man mal eine Liste machen, wie viele Spiele mit einem Protagonisten beginnen, der ohne Gedächtnis am Strand aufwacht. Im Falle von "Townfall" ist es kein herkömmlicher Strand, sondern der Pier der kleinen schottischen Stadt St. Amelia, die relativ einsam auf einer kleinen Insel liegt. Der Mann ohne Gedächtnis heißt dieses Mal Simon. Eine unbekannte Stimme fordert ihn auf, eine Frau zu suchen, die er genauso wenig kennt wie seine eigene Vergangenheit. Von da aus dreht die Handlung schnell ab. In weniger als 30 Minuten stößt uns Entwickler Screen Burn vom Beckenrand in einen Strudel aus Mysterien und Grusel. Mit bildgewaltigen Fantasmen erzählt das Studio eine skurrile, gruselige und im Kern dennoch zutiefst menschliche Geschichte.

Dabei füttert uns "Townfall" nur in kleinen Bissen mit den Mysterien, die in der ausgestorbenen Geisterstadt verstreut sind. Was ist in St. Amelia passiert? Warum bevölkern nur gruselige Wesen die Straßen und was ist mit der Bevölkerung geschehen? Dokument für Dokument schälen wir die einzelnen Schalen der vielschichtigen Zwiebel weg, bis sich am Ende ein befriedigendes Puzzle zusammensetzt, das dennoch genug Fragen für einen zweiten Durchgang offenlässt. Der lohnt sich auch wegen der verschiedenen Enden. Insgesamt fünf gibt es davon, drei lassen sich beim ersten Durchlauf erreichen, die anderen beiden nur im New Game+.

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Ohoh, Zeit zu Rennen. (Foto: Konami/Screen Burn)

Das Gameplay ist ein wackeliger Drahtseilakt

Die besonders große Stärke des Spiels wurde schon in den neunzig Minuten Anspielsession vor Release deutlich: Atmosphäre pur. Das neblige Küstendorf St. Amelia ist so liebevoll eingerichtet, man kann die Spielzeit von 12 auf 18 Stunden strecken, wenn man sich alle kleinen Aushänge durchliest und jedes Schaufenster erkundet. Über weite Strecken bleibt das Setting auch die Stärke des Spiels, doch hin und wieder schlägt das Ganze um. Vor allem die Anderswelt, die surrealer und mystischer wirkt als die normale Welt, ist manchmal vor allem eins: dunkel. Wenn man vor blutrünstigen Angreifern fliehen muss und dabei kaum die eigene Hand vor den Augen sieht, geschweige denn, wohin man eigentlich flüchten wollte, macht das wirklich keinen Spaß.

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Wegrennen ist allerdings sowieso nur eine Notlösung. Das beschauliche und neblige St. Amelia erlebt Simon hauptsächlich schleichend, denn es ist bevölkert von entstellten Wesen, die Jagd auf uns machen. Entdecken sie uns, heißt es, verstecken oder kämpfen. Simon kann die Angreifer mit Holzknüppeln, Rohren und später auch mit Schusswaffen ausschalten. Oft ist es jedoch sinnvoller, Reißaus zu nehmen, die Feinde abzuhängen und es nochmal schleichend zu probieren. Mit seinem Taschencomputer hat Simon nämlich ein effektives Werkzeug. Damit sehen wir, wo sich die Gegner aufhalten, ohne dass wir die sichere Deckung verlassen müssen. Ein spannendes Gameplay-Element, das die Jumpscare-Rate angenehm niedrig hält und dem Spieler Kontrolle gibt.

Das Gameplay von "Townfall" balanciert immer einen schmalen Grat. Meistens macht das Schleichen und Kämpfen Laune. Auch die Rätsel sind häufig gut durchdacht. Nicht zu einfach und nicht zu schwer. Genau richtig, für einen "Aha-Moment" ohne den ganz großen Frust. Aber in beiden Disziplinen tappt Entwickler Screen Burn beim Drahtseilakt doch leider immer wieder ein wenig zu weit nach links oder rechts und rutscht ab. Zwei größere Schleichpassagen sind beispielsweise unfassbar frustrierend, da ein unverwundbarer Gegner uns jagt, der wie auf magische Weise immer genau weiß, wo wir zu finden sind. Und hier und da sind vor allem gegen Ende Rätsel eingestreut, die so weit hergeholt oder klobig designt sind, dass man sich schier die Haare ausreißen will.

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Jumpscares vermeiden? Dafür hilft der Blick auf den Taschenfernseher. (Foto: Konami/Screen Burn)

Die coolen Ideen triumphieren

Insgesamt setzt "Townfall" mehr auf Stimmung als auf direkten Grusel. Erfrischend ist, dass Screen Burn Horror erzeugen will, ohne sich dabei auf billige Jumpscares zu verlassen. Dabei bringt der Entwickler immer wieder frische Ideen, was über weite Teile des Spiels trägt. Doch beim fünfzehnten Safe-Code, den wir zusammenknobeln müssen, stellt sich doch ein wenig Ermüdung ein. Warum sperren die Leute eigentlich immer alles ein? Haben wirklich alle Menschen in St. Amelia so einen klobigen Safe zu Hause stehen?

Am Ende sind es diese Gegensätze, die "Townfall" ausmachen. Es sind viele coole Ideen und frische Ansätze, die manchmal im See der Frustration untergehen. Dennoch ist der neue "Silent Hill"-Ableger ein lohnenswerter Teil der Reihe. Am Ende stehen auf der Habenseite eine spannende Story, eine Welt, die auch fast ohne menschliche Interaktion unglaublich lebendig wirkt, und eine Menge Wow-Momente. Um die zu erleben, müssen Spieler über die teils klobige Umsetzung hinwegsehen. Gelingt das, ist "Townfall" definitiv zu empfehlen.

Quelle: ntv.de

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