Geringe Rendite?Welche Nachteile hat ein Tagesgeldkonto?

Tagesgeld gilt als einfache Möglichkeit, Geld verzinst und gleichzeitig flexibel anzulegen. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist die Anlageform allerdings weniger geeignet.
Wohin mit Geld, das aktuell nicht benötigt wird? Wer eine finanzielle Reserve flexibel parken möchte, kann dafür ein Tagesgeldkonto nutzen. Das Guthaben bleibt jederzeit verfügbar und ist innerhalb der EU über die gesetzliche Einlagensicherung grundsätzlich bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank geschützt. Stehen höhere Ertragschancen im Vordergrund, kommen renditestärkere Anlageformen infrage – bei denen jedoch das Risiko von Verlusten höher ist.
Tagesgeld: Sicher und flexibel, aber mit begrenzter Rendite
4,25 Prozent Zinsen pro Jahr sind beim Tagesgeld derzeit maximal drin – allerdings nur für wenige Monate und wenn eine Reihe von Bedingungen erfüllt sind. Wer sein Geld dagegen langfristig in breit gestreute Welt-ETFs investiert, konnte zumindest in der Vergangenheit deutlich höhere Renditen erzielen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale brachte eine Anlage in den MSCI World seit 1970 in Euro gerechnet im Durchschnitt etwa 7,5 Prozent pro Jahr.
Inflation lässt Erträge schrumpfen
Hinzu kommt die Inflation. Im August 2026 lagen die Verbraucherpreise in Deutschland 2,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Ein Tagesgeldkonto müsste demnach mehr als 2,9 Prozent Zinsen pro Jahr abwerfen, um die aktuelle Teuerungsrate zumindest vor Steuern rechnerisch auszugleichen.
Eine Möglichkeit ist deshalb, Tagesgeld nicht als alleinige Geldanlage zu betrachten. Kurzfristig benötigte Rücklagen können auf einem Tagesgeldkonto liegen, während langfristig verfügbares Kapital beispielsweise über Aktien oder ETFs investiert werden kann.
Wichtig: Bei Wertpapieranlagen bestehen Kurs- und Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust des investierten Kapitals.
Consorsbank: Tagesgeld mit 3,6 Prozent p. a. und Depot kombinieren
Eine solche Kombination bietet derzeit beispielsweise die Consorsbank. Zum Tagesgeldkonto gehört ein kostenloses Wertpapierdepot. Damit lassen sich liquide Rücklagen und langfristige Wertpapieranlagen bei einem Anbieter führen. Neukunden können sich derzeit einen Aktionszins auf das Tagesgeld in Höhe von 3,6 Prozent Zinsen pro Jahr für fünf Monate sichern.
Zinssatz: 3,6 Prozent p. a. für 5 Monate, danach variable (derzeit 1 Prozent p. a.)
Zinsgutschrift: vierteljährlich
Für Neukunden: in den letzten 6 Monaten keine Konten und/oder Depots bei der Consorsbank geführt
Aktionszins für Einlagen bis 1 Million Euro
Einlagensicherung: über Frankreich (A+-Bonität) für bis zu 100.000 Euro und den freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken
Hinweis: Die Konditionen von Finanzprodukten können sich schnell ändern. Sollten sich etwa die Zinsen von den hier angegebenen unterscheiden, hat der Anbieter sie nach Veröffentlichung des Artikels angepasst.
Neukundenzinsen gelten häufig nur für wenige Monate
Gewinne bei Anlagen am Kapitalmarkt sind nie garantiert. Doch auch Tagesgeldzinsen sind variabel: Hohe Aktionszinsen gelten häufig nur für Neukunden und für einen begrenzten Zeitraum. Anschließend wird das Guthaben in der Regel mit dem regulären variablen Zinssatz verzinst, der meist niedriger ausfällt und von der Bank angepasst werden kann.
Wer sein Geld länger auf einem Tagesgeldkonto halten möchte, kann daher auf Angebote mit einer längeren Zinsgarantie achten. So lässt sich ein solider Zinssatz länger sichern.
Alternative: Etwas weniger Zinsen, dafür längere Zinsgarantie
Eine Alternative bietet derzeit das Tagesgeldkonto der Bank of Scotland mit 3,0 Prozent Zinsen p. a. Damit liegt die Verzinsung nur knapp über der Inflationsrate von 2,9 Prozent im August 2026, der Aktionszins kann dafür unter den entsprechenden Bedingungen bis zu zwölf Monate gelten.
Zinssatz: 3,0 Prozent p. a.
Laufzeit: bis zu 12 Monate
Bedingung: Legitimation innerhalb von 5 Tagen, EZB-Einlagenzins bleibt über 1,25 Prozent
Aktionszins auf Einlagen bis 50.000 Euro, jährliche Zinszahlung
Einlagensicherung: bis 100.000 Euro über Deutschland
Damit zeigt sich auch eine grundsätzliche Herausforderung beim Tagesgeldvergleich: Der höchste Zinssatz allein sagt wenig darüber aus, wie lukrativ ein Angebot über mehrere Monate tatsächlich ist. Entscheidend sind unter anderem auch die Dauer der Zinsgarantie und der Zinssatz nach Ablauf des Aktionszeitraums.
Ist Tagesgeld für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet?
Für den Notgroschen oder Geld, das jederzeit verfügbar bleiben soll, ist Tagesgeld eine naheliegende Option. Wer hingegen über viele Jahre Geld anlegen möchte, findet am Kapitalmarkt grundsätzlich höhere Renditechancen. Diese gehen allerdings mit Kursschwankungen und dem Risiko von Verlusten einher.
Eine Kombination kann deshalb beide Zwecke voneinander trennen: Tagesgeld dient als liquide Reserve, während langfristig nicht benötigtes Kapital investiert werden kann. Wichtig bleibt dabei, die Verzinsung des Tagesgeldkontos regelmäßig zu prüfen. Nach dem Ende einer Zinsgarantie kann ein Wechsel zu einem besser verzinsten Angebot interessant werden.