ThüringenVon Hoff will FDP zurück in Landtag führen

Das Ziel der neuen Vorsitzenden der Thüringer FDP lautet Rückkehr ins Parlament. Doch die Liberalen stehen vor Hürden – auch wegen der Hinterlassenschaften des einstigen Vorsitzenden.
Bleicherode (dpa/th) - Wirtschaftliches Wachstum und Bildungspolitik hat die neue Vorsitzende der Thüringer FDP, Dorothee von Hoff, als wichtige Stellschrauben für ihre Politik benannt. Gerade die jüngsten Ergebnisse der Pisa-Bildungsstudie zeigten, dass Änderungen nötig seien. "Es geht darum, echte Fortschritte zu machen und sowohl in der Breite als auch an der Spitze besser zu werden", sagte Dorothee von Hoff.
Sie wurde am Samstag in Bleicherode (Landkreis Nordhausen) zur neuen Vorsitzenden der Liberalen gewählt. Die Erfurterin erhielt beim Landesparteitag der Liberalen im dritten Wahlgang 52 Prozent der 127 Delegiertenstimmen. Damit setzte sie sich in einer Stichwahl gegen den früheren FDP-Bundestagsabgeordneten Tim Wagner aus Jena durch.
Von Hoff war bislang Beisitzerin im Landesvorstand der Thüringer FDP und tritt die Nachfolge des bisherigen Landesvorsitzenden Torsten Klöppel aus dem Kreisverband Gotha an. Klöppel hatte vor einer Woche erklärt, aus persönlichen und zeitlichen Gründen nicht erneut für den Landesvorsitz zu kandidieren.
Kubicki: "nahezu volkswirtschaftliches Verbrechen"
Am Samstag war der Bundesvorsitzende der Liberalen, Wolfgang Kubicki, zu Gast auf dem zweitägigen Landesparteitag. In einer Rede warf er der Bundesregierung vor, das erwartete Wachstum von 1,3 Prozent sei "mit dem größten Schuldenprogramm der Bundesrepublik Deutschland erkauft, das es je gegeben hat".
Kubicki forderte, die Energiekosten "flächendeckend und verlässlich" zu senken. Deutschland importiere Flüssiggas über die Meere, während heimische Vorkommen ungenutzt blieben, kritisierte er. Das sei "nahezu ein volkswirtschaftliches Verbrechen".
Von Hoff: "Keine unrealistischen Ziele"
Vom schlechten Abschneiden ihrer Partei bei den jüngsten Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, wo es die Liberalen nicht in den Landtag schafften, will sich von Hoff nicht beirren lassen. Für Thüringen müsse das Ziel der Wiedereinzug in den Landtag sein. "Manchen mag das zu wenig sein, aber ich bin nicht für unrealistische Zielsetzungen zu haben", so von Hoff.
Bei der Landtagswahl 2024 erreichte die FDP nur 1,1 Prozent und flog aus dem Landtag in Erfurt. Damals war der ehemalige Kurzzeit-Ministerpräsident Thomas Kemmerich noch Vorsitzender und Spitzenkandidat. Inzwischen hat er die Liberalen verlassen und sich einer Gruppierung um die frühere AfD-Chefin Frauke Petry angeschlossen.
Kemmerich-Wahlkampf bescherte Schuldenberg
Über Kemmerich wolle sie gar nicht mehr reden, betonte von Hoff. Dabei hängt der Wahlkampf um ihn dem Landesverband noch nach: Etwa 140.000 Euro umfasse der Schuldenberg, auf dem die Thüringer Liberalen seitdem laut von Hoff sitzen. "Das hätte man damals nicht so machen dürfen, aber wir werden es nicht rückgängig machen können. Jetzt geht es um den Neuaufbau", sagte die neue Vorsitzende.
Etwa 930 Mitglieder zählt der Landesverband laut von Hoff aktuell.