ThüringenSanierter Ostflügel: Neues Leben im Unesco-Welterbe Weimar

Besucher erwarten zur Eröffnung ein buntes Programm und neue Einblicke in das Stadtschloss in Weimar. Wieso es dabei nicht nur um Fürsten und Goethe, sondern auch um einen Nazi-Bunker geht.
Weimar (dpa/th) - Nach langer Schließzeit steht der Ostflügel des Stadtschlosses in Weimar nun wieder Besuchern offen. Acht Jahre lang war der Bereich des früheren Residenzschlosses für eine umfangreiche Sanierung öffentlich nicht zugänglich. Die Eröffnung werde ab Freitag das Wochenende über unter anderem mit Konzerten gefeiert, teilte die Klassik Stiftung Weimar mit. Das Stadtschloss ist Stiftungssitz und ehemalige Residenz der Herzöge und Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach. Es ist Teil des zum Unesco-Welterbe gehörenden Ensembles Klassisches Weimar.
"Wir alle tragen eine besondere Verantwortung für diesen Ort", sagte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer laut Mitteilung über das Stadtschloss. Seit 500 Jahren stehe es für die Kraft und Widerstandsfähigkeit von Kultur. "Es wurde zerstört und immer wieder neu aufgebaut – getragen von der Überzeugung, dass dieser Ort bewahrt und mit neuem Leben erfüllt werden muss."
Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) wertete die Wiedereröffnung als ein "starkes Zeichen dafür, dass wir in Thüringen Verantwortung für unser kulturelles Erbe übernehmen." Für die Ertüchtigung des Schlosses stehen inklusive der Arbeiten am fertiggestellten Ostflügel rund 140 Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel stammen von Bund und Land. Bis 2032 sollen die Arbeiten am Schloss in Bauabschnitten weitergehen.
"Welterbe-Herz beginnt wieder zu schlagen"
Mit der Wiedereröffnung solle das Stadtschloss auch stärker als Ort für Begegnung, Veranstaltungen und Austausch dienen, so die Stiftung. Das Schlossforum soll kostenlos zugänglich sein. Konzerte, Lesungen und andere Formate sollen im neuen Veranstaltungssaal möglich sein.
"Mit der ersten Eröffnung des Stadtschlosses Weimar beginnt das Herz im Unesco-Welterbe wieder zu schlagen", sagte Stiftungspräsidentin Ulrike Lorenz. Sie verwies auch auf die neue Dauerausstellung zur "Weimarer Klassik" in den nun sanierten fürstlichen Schauräumen der Beletage.
Über viele Jahrhunderte wurde das Stadtschloss immer wieder verändert. Brände ließen nur noch Grundmauern übrig. Das Wasser der benachbarten Ilm hinterließ bei einer Jahrhundertflut erhebliche Schäden. Sogar Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) war als Leiter einer Schlossbaukommission mit dem Wiederaufbau beschäftigt.
Auch spätere Geschichte hinterließ deutliche Spuren: Die Nazis zwangen Häftlinge des KZ-Buchenwalds unter schwierigsten Bedingungen, einen Bunker in das Untergeschoss des Ostflügels zu bauen. Nun wurden erstmals Teile dieser Anlage öffentlich zugänglich gemacht.