ThüringenNeue Technik löst automatisch Video bei Waffen-Einsatz aus

Deutsche Polizisten ziehen ihre Waffen nur selten. Wenn sie das tun, ist die Lage meist unübersichtlich. Eine neue Technik hilft Thüringer Beamten, in solchen Situationen Beweise zu sichern.
Erfurt (dpa/th) - Für besonders schwierige Einsatzlagen werden die Thüringer Polizisten mit einer bislang bundesweit einmaligen Technik ausgestattet. Die Pistolenholster der Beamten werden so aufgerüstet, dass bei Polizisten mit Körperkameras automatisch eine Videoaufzeichnung startet, wenn sie ihre Dienstwaffe aus diesem Holster ziehen. "Wir leisten Pionierarbeit, um polizeiliche Arbeit noch professioneller zu machen", sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) in Erfurt bei der Präsentation der neuen Technik.
Zwar würden Polizisten ihre Dienstwaffen nur selten ziehen und noch seltener damit schießen. Doch gerade in Fällen, in denen das geschehe, sei es wichtig, dass das Geschehen möglichst gut dokumentiert werde. "Wir müssen für den Fall der Fälle vorbereitet sein", sagte Maier.
Kosten in sechsstelliger Höhe
Die Technik wurde in jahrelanger Arbeit entwickelt. In den nächsten Wochen soll sie in einem größeren Rahmen getestet werden. Ab dem zweiten Quartal 2027 sollen die Holster aller Thüringer Polizisten im Einsatz- und Streifendienst damit ausgestattet werden.
Nach Angaben der Landespolizei haben die Entwicklung und Erstausstattung der Beamten mit dieser Technik etwa 200.000 Euro gekostet. Zusätzlich fallen Kosten in Höhe von 160.000 Euro pro Jahr an, da ein Teil der Komponenten geleast wird. Insgesamt sollen die Holster von etwa 3.300 Polizisten mit dieser Technik ausgestattet werden. Sie ist demnach nicht für Beamte zum Beispiel in geschlossenen Einheiten der Landespolizei vorgesehen.
Die Einführung dieser Technik ist die Folge einer Änderung des Thüringer Polizeiaufgabengesetzes im Jahr 2022. Im Gegenzug für die damals möglich gemachte Einführung von Körperkameras bei der Polizei wurde vereinbart, dass diese Kameras immer dann automatisch auslösen sollen, wenn Polizisten ihre Dienstpistolen ziehen.
Die Technik besteht im Wesentlichen aus einem kleinen Träger, der fest mit den Pistolenholstern verschraubt wird, und einem Sensor, der die Kameras auslöst. Diesen Sensor müssen die Beamten am Beginn ihres Dienstes in diese Halterung einschieben. Der Präsident der Landespolizeidirektion, Thomas Quittenbaum, sagte, auch aus seiner Sicht sei die Einführung dieser Technik in Ergänzung zur Einführung der Körperkameras "sehr sinnvoll".