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Nordrhein-WestfalenPilzsammler haben bald gute Chancen auf volle Körbe

10.10.2026, 05:02 Uhr
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(Foto: picture alliance/dpa)

Ob Steinpilze oder Hexenröhrlinge: In der Natur finden sich Tausende Pilzarten. Manche sind essbar, andere nicht. Experten geben Tipps fürs Sammeln - und erklären, was Spermageruch zu bedeuten hat.

Düsseldorf/Much/Rheda-Wiedenbrück (dpa/lnw) - Nach langer Trockenheit gibt das Regenwetter den Speisepilzen in Nordrhein-Westfalens Wäldern und Wiesen einen Wachstumsschub. "Sind die Böden erst einmal feucht, dauert es je nach Pilzart nur einige Tage bis hin zu wenigen Wochen, bis gut gewachsene Pilze zu finden sind", sagte der Pilzsachverständige Daniel Frank von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie der dpa in Much.

In den niederschlagsfreien Wochen dieses Jahres seien zwar nur recht wenige Pilze zu finden gewesen. "Der Sommer war Mist - es kann sein, dass einige Arten in diesem Jahr gar nicht zu finden sind." Frank ist aber zuversichtlich, dass die Natur das Wachstum weitgehend nachholen wird und die Pilzmenge "zumindest ordentlich" ausfallen werde. Hexenröhrlinge, Steinpilze und Frauentäublinge seien gut gewachsen.

Dabei verweist er auf die zwischenzeitlichen Regentage im Spätsommer. "Wenig später gab es bei uns im Bergischen Land eine regelrechte Pilzschwemme an Hexenröhrlingen und Steinpilzen - die konnte man körbeweise aus dem Wald heraustragen."

Parasiten hatten ein gutes Jahr

Der Pilzsachverständige Dave Cieslik aus Düsseldorf bewertet die diesjährige Trockenheit als Problem. "Einige Arten treten nur sehr vermindert oder gar nicht auf." Parasitäre Pilze hätten hingegen ein besonders gutes Jahr gehabt. Dazu zählten die Krausen Glucken, die auf Kiefern wachsen, und die Klapperschwämme, die vor allem auf Eichen vorkommen. Vermutlich gebe es einen Zusammenhang zwischen dem vermehrten Auftreten parasitärer Pilze und der diesjährigen Trockenheit und dem Stress für die Baumbestände.

Aus Sicht des Pilzsachverständigen Wolfgang Tietz ist dieser Auftrieb bei parasitären Pilzen keine Einmalerscheinung. "Wir haben ein ernstes Problem mit dem Wald, der durch den Klimawandel massiv geschädigt ist." Das werde auch das Auftreten der unterschiedlichen Pilzarten in den kommenden Jahren verändern.

Pilzjahr fällt mittelmäßig aus

Regional fällt die Entwicklung der Pilze unterschiedlich aus. Eine Karte des Deutschen Wetterdienstes zur Feuchtigkeit im Boden zeigt, dass das Bergische Land, das Sauerland und das Siegerland recht gut dastehen, in der Eifel sowie in Teilen des Münsterlandes und Teilen von Ostwestfalen sind die Böden hingegen eher trocken. "Grob gesagt wachsen die Pilze in diesem Falle südlich der Ruhr und östlich des Rheins besser als nördlich und westlich davon", sagt Fachmann Frank.

Andere Fachleute äußern sich ebenfalls verhalten zum bisherigen Jahr. "Das Pilzjahr in Ostwestfalen war bisher unterdurchschnittlich", sagt der Experte Tietz aus Rheda-Wiedenbrück. "Es ist kein gutes Pilzjahr, aber es ist auch kein Totalausfall."

Tipps fürs Pilzesammeln

In Deutschland darf man Pilze zum Eigenbedarf sammeln. Aber welchen Pilz sollte ich essen und welchen nicht? "Esst nur den, den ihr gut kennt", sagt Fachmann Tietz. Und sein Kollege Frank ergänzt: "Wenn ich mir zu 99 Prozent sicher bin, aber da verbleiben nur ein Prozent Restzweifel - dann lasse ich den Pilz liegen." Bei geführten Pilzwanderungen stünden Fachleute parat, die den Interessierten eine Einführung geben und erste Erfahrungen vermittelten.

Und was ist mit Apps, mit denen man Fotos von KI-Anwendungen auswerten und die Pilzart bestimmen lassen kann? Die Fachleute sind skeptisch. Für eine erste Indikation könne das nützlich sein, aber die Verbraucherinnen und Verbraucher dürften sich dann nicht in einer trügerischen Sicherheit wiegen, warnt Experte Tietz. "Die App kann ganz falschliegen, auch weil sie den Geruch und die Festigkeit eines Pilzes nicht erfassen kann, und das kann dann gefährlich sein."

Warnung vor dem Knollenblätterpilz und anderen Giftpilzen

Tietz weist darauf hin, dass der Knollenblätterpilz seit einigen Jahren häufiger vorkomme als zuvor. Der Pilz ist besonders giftig, laut Bundesinstitut für Risikobewertung steht er für mindestens 80 Prozent aller pilzbedingten Todesfälle in Deutschland. Solche Pilze werden bisweilen mit Champignons verwechselt, auch weil sie an ähnlichen Stellen wachsen, etwa unweit von Eichen.

Der Karbol-Egerling werde mitunter ebenfalls mit Champignons verwechselt, er verursache Magendarm-Probleme. "Champignon ist eine schwierige Gattung: Sie ist beliebt und an vielen Stellen zu finden, aber die Verwechslungsgefahr ist relativ hoch", sagt Tietz.

Welche Pilze sammeln die Sachverständigen auf ihren Touren in der Natur denn besonders gern? Tietz nennt den Riesen-Schirmling ("Den paniert man, wie ein Wiener Schnitzel.") und die Totentrompete ("Ein sehr spezieller Geschmack, für Nudelgerichte eignet er sich hervorragend."). Frank wiederum schmeckt der Frauentäubling. ("Der ist festfleischig und nussig-mild im Geschmack, nicht zu aufdringlich.")

Spermageruch verheißt nichts Gutes

Beim Pilzsammeln rät Experte Frank noch dazu, Pilze zum richtigen Zeitpunkt zu sammeln - "sie dürfen nicht zu alt und nicht zu jung sein - sind sie überreif, werden Pilze leicht giftig und verursachen Magen-Darm-Beschwerden". Für die richtige Reife könne die "Hutprobe" nützlich sein, etwa bei Röhrlingen: Drückt man mit dem Finger auf den Hut, lässt dann locker und der Fingerabdruck bleibt bestehen, so sei der Pilz zu alt.

Auch der Geruch könne helfen. "Wenn es spermatisch riecht, ist das ein Warnsignal", sagt Frank. Nach Sperma? Der Pilz-Kenner amüsiert sich über die Rückfrage. Ja, das habe man richtig verstanden. Gespräche über Pilze klängen mitunter wie Gespräche über Sexualkunde.

Als Beispiel nennt er den Namen des Grauen Scheidenstreiflings, auf Latein "amanita vaginata", und die lateinische Übersetzung des phallushaft wachsenden Grünen Knollenblätterpilzes, "amanita phalloides". Ein weiteres Beispiel sei die Stinkmorchel, auf Latein "phallus impudicus" - impudicus ist das lateinische Wort für schamlos oder unzüchtig.

Quelle: dpa

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