Nordrhein-WestfalenMartínez' Wut weckt Bayers Moral und Erfahrung

Nach einer halben Stunde deutet beim Stand von 0:2 für Zweitligist Nürnberg vieles auf eine Pokalüberraschung in Leverkusen hin. Doch Dank einer Leistungssteigerung und Moral gelingt Bayer die Wende.
Leverkusen (dpa/lnw) - Was Bayer Leverkusens Trainer Carles Martínez seiner Mannschaft in der Halbzeitpause gesagt hat, behielt der Spanier für sich. Aleix García gab aber einen Einblick in die Stimmung in der Kabine. "Er war wirklich sehr, sehr verärgert wegen der Einstellung", berichtete der Mittelfeldspieler nach dem 5:2 in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen den Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Nach einer halben Stunde hatte der Bundesligist noch mit 0:2 zurückgelegen.
Auf seinen Ärger angesprochen, hielt sich Martínez mit weiteren Details zur Halbzeitansprache zurück. "Das hier ist nicht der richtige Ort, um darüber zu sprechen. Aber ich denke, nach drei Monaten weiß man, wie ich bin. Ich bin leidenschaftlich, ich mag den Wettbewerb. Mir hat nicht gefallen, wie mein Team in den ersten Minuten gekämpft hat", betonte der Trainer. Die erste Hälfte sei nicht genug gewesen, betonte der Spanier.
Martínez' Halbzeitansprache zeigt Wirkung
Die Kabinenansprache nach dem 1:2-Halbzeitstand zeigte offenbar Wirkung. Leverkusen wachte auf, drehte die Partie und zog nach vier weiteren Treffern in der zweiten Halbzeit verdient ins Achtelfinale ein. "Wir haben den Glauben an uns nicht verloren und es gedreht. Die Spieler haben einen guten Job gemacht und mit viel Leidenschaft agiert. Das hat mir besonders gefallen", zeigte sich Martínez mit der Gesamtleistung seiner Mannschaft zufrieden.
Auch Mittelfeldmann Aleix García sah derweil in der Mentalität den Schlüssel zur Wende und betonte auf die Frage, was seine Mannschaft nun mit ins Ligaduell am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den VfB Stuttgart mitnehmen kann: "Die Einstellung, die wir in der zweiten Halbzeit gezeigt haben – dass wir, wenn wir alle zusammen spielen und gut miteinander harmonieren, in unserem Stadion vor unseren Fans kaum zu stoppen sind."
Die Double-Sieger liefern und werden gefeiert
Doch auch Erfahrung zahlte sich aus. Mit Edmond Tapsoba, Patrik Schick und Jonas Hofmann waren drei Akteure aus der Double-Mannschaft von 2024 an vier der fünf Leverkusener Treffer beteiligt. "Sie sind Wettkämpfer, spielen gerne Fußball und geben niemals auf. Heute brauchten wir genau solche Spieler. Sie zeigen, mit welcher Einstellung man in ein Spiel gehen muss und wie viel Einsatz dafür nötig ist", lobte Coach Martínez.
Dass die vermeintlich "alten Helden" bei den Anhängern weiterhin hoch im Kurs stehen, war im Stadion nicht zu überhören. "Dass du da bei den Fans, ich nenne es jetzt einfach mal Legendenstatus hast, - ich sag's nicht gerne - das kriegen wir schon zu spüren", sagte Hofmann. Von den Fans so gefeiert zu werden, sei für die wenigen verbliebenen Double-Sieger "unheimlich schön". "Da bekommt man das Lachen nicht mehr aus dem Gesicht", sagte der 34-Jährige.
Den Schwung aus der Aufholjagd will Bayer 04 in die Bundesliga mitnehmen. Nach dem 0:3 in Hoffenheim am vergangenen Wochenende soll gegen den kriselnden VfB Stuttgart, der sich im Pokal erst mit einem Last-Minute-Treffer gegen Aufsteiger Paderborn durchsetzte, der nächste Heimsieg her. "Sie sind vielleicht gerade nicht in Bestform, aber wir wissen, dass es ein sehr schwieriges Spiel wird", warnte García.