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Baden-WürttembergDarum sind Blutreserven im Südwesten knapp

29.10.2026, 11:51 Uhr
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Beim Blutspenden zählt derzeit jeder Tropfen: In Baden-Württemberg sind die Vorräte knapp. Erkältungen und Herbstferien verschärfen den Engpass - und die nächste Belastungsprobe steht schon bevor.

Stuttgart (dpa/lsw) - Der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Baden-Württemberg-Hessen schlägt Alarm. Erkältungen, Herbstferien und ausbleibende Spenden setzen die Versorgung unter Druck. In den vergangenen zwei Wochen seien die Bestände kontinuierlich zurückgegangen, sagte eine Sprecherin des Blutspendedienstes. Die Lage sei angespannt, aber noch nicht kritisch. "Deshalb appellieren wir an alle gesunden Menschen, jetzt einen Blutspendetermin zu vereinbaren."

Eigentlich sollten die Vorräte ausreichen, um den Bedarf für vier bis fünf Tage abzudecken. Aktuell würden die Vorräte nicht einmal für drei Tage reichen, sagte die Sprecherin. Die Werte schwankten allerdings. Auch wenn sich die Lage kurzfristig etwas verbessern könne, sei noch keine Entwarnung in Sicht.

Erkältungen verschärfen Lage

Dass in der kälteren Jahreszeit weniger Menschen Blut spenden, sei für den Blutspendedienst kein neues Phänomen. Grippale Infekte hielten potenzielle Spender von Terminen ab. Hinzu kommen Ferienzeiten, in denen viele Menschen verreisen. Wer in bestimmte tropische Regionen gereist ist, darf nach der Rückkehr zudem vorübergehend kein Blut spenden. Auch lange Wochenenden und Feiertage stellten den Blutspendedienst regelmäßig vor Herausforderungen, sagte die Sprecherin. Für einen solchen Engpass sei es aber noch zu früh.

Der Bedarf in den Krankenhäusern bleibt unterdessen hoch. Deutschlandweit werden nach Angaben des DRK täglich rund 15.000 Blutspenden benötigt, in Baden-Württemberg sind es etwa 2.000, in Hessen 1000. Blutpräparate kommen nach Unfällen, bei Operationen und Geburten sowie bei der Behandlung schwerer Erkrankungen zum Einsatz. Besonders wichtig sind sie für Menschen mit Krebs. Bei langwierigen Chemotherapien oder nach Stammzelltransplantationen kann die körpereigene Blutbildung stark eingeschränkt sein.

Auch die Blutgruppe spielt eine Rolle. Derzeit werden laut dem Blutgruppenbarometer insbesondere Spenden der Blutgruppen 0 negativ, 0 positiv, A negativ, B negativ und AB negativ benötigt. Menschen mit Blutgruppe 0 negativ gelten als sogenannte Universalspender für rote Blutkörperchen. Gerade deshalb sind ausreichende Bestände wichtig.

Blut nicht unbegrenzt haltbar

Ein Problem ist, dass die verschiedenen Präparate unterschiedlich lange verwendbar sind. Rote Blutkörperchen, sogenannte Erythrozytenkonzentrate, sind laut der DRK-Sprecherin bis zu 42 Tage haltbar. Blutplättchen, die sogenannten Thrombozyten, können dagegen nur vier Tage gelagert werden. Sie werden unter anderem bei Krebstherapien benötigt. Plasma lässt sich einfrieren und dadurch länger aufbewahren.

"Blut wird jeden Tag gebraucht", betonte die Sprecherin. Deshalb müssten regelmäßig neue Spenden hinzukommen. Der Blutspendedienst beobachte die Entwicklung genau und versuche, mit gezielten Aufrufen gegenzusteuern. Ein einzelner erfolgreicher Spendentag reiche nicht aus, um einen länger anhaltenden Rückgang auszugleichen.

Langfristig sieht die Sprecherin weitere Herausforderungen. Viele langjährige Spenderinnen und Spender gehörten zu den geburtenstarken Jahrgängen der Babyboomer und würden älter. Zwar dürften viele von ihnen weiterhin Blut spenden, doch Medikamente, chronische Erkrankungen oder ein schlechterer Gesundheitszustand könnten Spenden mit der Zeit verhindern. Gleichzeitig kämen nicht genügend jüngere Menschen nach. Bei ihnen sei Blutspenden oft weniger fest im Alltag verankert.

Kliniken sehen noch keine flächendeckende Krise

Wie wichtig stabile Bestände sind, zeigt sich auch in den Krankenhäusern. Am Universitätsklinikum Ulm werden täglich etwa 70 bis 80 Konzentrate roter Blutkörperchen und 25 bis 30 Thrombozytenkonzentrate benötigt. Besonders hoch sei der Bedarf bei Tumorerkrankungen und Erkrankungen der Blutbildung, nach Stammzelltransplantationen, in der Unfallchirurgie sowie in der Herz- und Gefäßchirurgie, erklärte Professor Hubert Schrezenmeier, Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik.

Die Vorräte in Ulm seien aktuell ausreichend, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen. Zuletzt seien die Bestände allerdings zurückgegangen. Der dringende Aufruf des DRK sei deshalb nachvollziehbar, teilte Schrezenmeier mit.

Auch am Klinikum Stuttgart ist die Versorgung derzeit gewährleistet. Das Haus versorge neben den eigenen Patienten auch andere Kliniken und Praxen in der Region mit Blutprodukten, erklärte die Ärztliche Direktorin des Zentralinstituts für Transfusionsmedizin und Blutspendedienstes, Beate Luz. Aktuell gebe es vor allem bei der Blutgruppe 0 positiv einen deutlichen Mangel im Verhältnis zum Bedarf.

Wenn eine bestimmte Blutgruppe knapp wird, werden laut Lutz gezielt Spender angeschrieben. "Dank dieser sehr zuverlässigen Menschen ist so ein Mangel in der Regel dann auch schnell wieder ausgeglichen." Bei Bedarf würden sich Blutspendedienste gegenseitig aushelfen.

In Einzelfällen könne es bei seltenen Blutgruppen vorkommen, dass ein Eingriff verschoben werden müsse, erklärte Luz. Bislang sei das am Klinikum Stuttgart jedoch die Ausnahme. Auch in Ulm mussten nach Angaben der Klinik bisher keine Operationen wegen der Engpässe verschoben werden.

Der Blutspendedienst hofft nun, dass die Bestände wieder steigen und die nächste saisonale Belastung nicht erneut zu einem Engpass führt. Denn mit Beginn der Grippezeit, weiteren Ferien und den Feiertagen zum Jahresende könnte die Spendenbereitschaft erneut sinken.

Quelle: dpa

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