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HessenUrteil nach tödlichem E-Roller-Unfall: drei Jahre Haft

16.09.2026, 16:34 Uhr
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Über ein Jahr nach dem Unfall mit zwei getöteten Zwillingen und einem Schwerverletzten fällt das Gericht sein Urteil. Was der Angeklagte am Ende des Prozesses sagt.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Eine Überwachungskamera in der Frankfurter Innenstadt hat die letzten Bilder vor der Tragödie aufgezeichnet. Zwillingsbrüder und ihre beiden Freunde stehen auf E-Rollern hintereinander an einer roten Ampel. Als sie auf Grün umspringt, fahren sie los, nur wenige Sekunden später rammt ein Auto zwei der Roller - die Zwillingsbrüder sterben, ihr Freund überlebt schwer verletzt und fürs Leben gezeichnet. Über ein Jahr später hat das Frankfurter Landgericht nun den heute 24 Jahre alten Autofahrer wegen versuchten Verdeckungsmordes durch Unterlassen und zweifacher fahrlässiger Tötung zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt.

"Es tut mir unendlich leid und ich bitte alle um Verzeihung", hatte der kleine Mann mit den dunklen Locken in seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung gesagt. Die Mutter der getöteten Zwillinge nahm sie nicht an, der bei dem Unfall schwer verletzte 27-Jährige schon. Er wurde in einem Rollstuhl in den Verhandlungssaal gefahren, nach dem Unfall war ihm ein Unterschenkel amputiert worden. Rund einen Monat lang lag er im Koma.

Die Frage nach dem Warum

Unter Tränen schilderte er bei dem Ende Juni begonnenen Prozess im Gericht, wie er nach dem Aufwachen langsam realisiert habe, dass seine Freunde tot seien und er auf einer Seite keinen Unterschenkel mehr habe. Erinnerungen an den Unfall habe er nicht. Er sei wütend, so seine weitere Schilderung: "Warum ist das gerade uns passiert?"

Mit seinen Freunden, den in Hamburg lebenden 23-jährigen Zwillingsbrüdern und der Freundin einer der jungen Männer, hatte er das erste Juli-Wochenende 2025 in Frankfurt verbracht. Tief in der Nacht zum Sonntag wollten sie auf E-Rollern zurück ins Hotel fahren, die Zwillinge teilten sich ein Gefährt.

Plötzlicher Tritt auf das Gas

Zur selben Zeit machte sich eine weitere Gruppe junger Menschen ebenfalls auf den Heimweg. Die vier Männer hatten den Abend am Mainufer verbracht und dabei Lachgas konsumiert, nun wollten sie zurück nach Bad Kreuznach fahren. Am Steuer des schwarzen Wagens saß der jetzt verurteilte 24-Jährige. Nachdem er zunächst unauffällig gefahren war, beschleunigte er auf einer breiten Straße in der Innenstadt plötzlich auf Tempo 75. "Den Grund kennen wir nicht", so die Vorsitzende Richterin. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Mann bei dem Unfall noch unter dem Einfluss von Lachgas gestanden habe.

Unklar sei ebenso, warum er nach rechts auf den Radweg gelenkt habe. Es habe sich um einen tragischen Fahrfehler gehandelt, so die Richterin. Auf dem Radweg stieß er gegen den E-Roller der Zwillinge, die bereits fast ihr Hotel erreicht hatten. Beide wurden auf das Auto und dann 30 Meter von der Anstoßstelle entfernt auf den Boden geschleudert. Einer von ihnen war sofort tot, sein Bruder starb wenige Stunden später im Krankenhaus.

Kopf durch Windschutzscheibe

Keine Sekunde nach diesem ersten Unfall erfasste der Wagen das Hinterrad eines weiteren E-Rollers, darauf fuhr der 27-Jährige. Der Roller und das Bein des jungen Mannes verhakten sich an dem Auto, der 27-Jährige wurde "aufgeladen und mittransportiert", wie es die Staatsanwaltschaft in der Anklage formuliert hatte. Sein Kopf schlug dabei durch die Windschutzscheibe, er erlitt nicht nur schwere Verletzungen am Bein, sondern auch am Kopf. Von der Freundesgruppe kam nur die Freundin einer der getöteten Zwillinge körperlich unbeschadet davon, ihr E-Roller wurde nicht getroffen.

Der Autofahrer war nach dem Unfall mit dem 27-Jährigen auf der Fronthaube im unveränderten Tempo weitergefahren. Nach 1,2 Sekunden stürzte der Mann vom Auto, er landete auf Straßenbahnschienen. Der Autofahrer fuhr weiter. "Er hatte laut dem psychiatrischen Sachverständigen einen Unfallschock erlitten", erklärte die Richterin. Dazu hätten auch Halluzinationen gehört.

Seit einem Jahr in U-Haft

Zunächst hatte der junge Mann das kaputte Auto versteckt. Nach einem Telefonat mit seinem Vater kehrte er jedoch an den Unfallort zurück und stellte sich der Polizei. Neun Tage später wurde er in Untersuchungshaft genommen, seitdem sitzt er im Gefängnis.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: dpa

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