Hamburg & Schleswig-HolsteinHamburg erzielt 47 Millionen Euro Überschuss im Jahr 2025

Hamburg erzielt 2025 einen Überschuss – doch die Sozialleistungen steigen rasant. Was Finanzsenator Dressel zu den Herausforderungen und Investitionen der Stadt sagt.
Hamburg (dpa/lno) - Die Hansestadt Hamburg hat im vergangenen Jahr in der Kernverwaltung einen Überschuss von nur noch 47 Millionen Euro erzielt. 2024 seien es noch gut eine Milliarde Euro gewesen, erklärte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) bei der Vorstellung des Geschäftsberichts für das vergangene Jahr.
Der Konzern, in dem die Stadt ihre Beteiligungen und Tochterunternehmen organisiert, schloss nach einem Überschuss von 729 Millionen Euro im Jahr 2024 im vergangenen Jahr mit einem Fehlbetrag von 142 Millionen Euro ab. Der Jahresabschluss zeige, dass solide Haushaltsführung in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten unverzichtbar sei, sagte Dressel.
436 Millionen Euro fließen in die allgemeine Rücklage
Unter Berücksichtigung bilanzieller und konjunktureller Effekte ergab sich ein bereinigtes Jahresergebnis der Kernverwaltung in Höhe von 582 Millionen Euro (2024: 435 Millionen Euro). Von diesem Ergebnis werden 436 Millionen Euro der allgemeinen Rücklage zugeführt, die auf etwas mehr als 3,2 Milliarden Euro anwächst. "Das werden wir in den kommenden Jahren brauchen", sagte der Finanzsenator.
Neben den Personalaufwendungen mit einem Plus von 458 Millionen Euro im Vergleich zu 2024 schlugen vor allem die Aufwendungen für Transferleistungen zu Buche, dazu zählen die Sozialleistungen. Hier gab es eine Zunahme von 475 Millionen Euro. "Das ist ein ganz großer Sorgenpunkt der Stadtstaaten und somit auch Hamburgs", sagte Dressel. "Es ist für viele Städte fünf vor Zwölf. Oder später." Gefordert bei der Abfederung der Belastungen sei in erster Linie die Bundesregierung. "Die Sozialstaatsreform muss aufs Gleis gesetzt werden."
Finanzen müssen stabilisiert werden
Die Nettokreditaufnahme Hamburgs lag 2025 bei 1,979 Milliarden Euro. Bei einer Kreditermächtigung von insgesamt 8,755 Milliarden Euro, die zu weniger als einem Viertel abgefordert worden sei, habe die Stadt "die Schuldenbremse übererfüllt", sagte Dressel. Die Investitionen lagen bei mehr als 8 Milliarden Euro. 749 Millionen gingen allein in den Bereich der U-Bahn und der neuen Line U5.
"Auch unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen halten wir an unseren Zukunftsinvestitionen fest. Gleichzeitig müssen wir unsere öffentlichen Finanzen nachhaltig stabilisieren", sagte Dressel. Die Stadt schaffe die Voraussetzungen, Zukunftsausgaben verlässlich finanzieren zu können. Dressel warnte aber: "Das wird auch in Hamburg nicht ohne die eine oder andere bittere Pille bei der Konsolidierung auf Ausgaben- und Einnahmeseite gehen."
CDU spricht von besorgniserregender Entwicklung
"Der heute vorgelegte Abschluss für das Jahr 2025 zeigt deutlich die Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingungen", sagte der CDU-Haushaltsexperte Thilo Kleibauer. Erstmals seit Jahren weise der Konzern Hamburg wieder ein negatives Jahresergebnis aus. Gleichzeitig sei die Konzernverschuldung spürbar von 43,9 auf 46,7 Milliarden Euro ausgeweitet worden. "Diese Entwicklung ist besorgniserregend, gerade angesichts der deutlich gestiegenen Zinsen."
Auffällig sei auch der neuerlich hohe Zuwachs der Mitarbeiteranzahl im Konzern Hamburg auf inzwischen fast 157.000 Beschäftigte. Das sei ein Anstieg von zehn Prozent in den vergangenen vier Jahren. "Diese massive Ausweitung städtischer Aktivitäten durch SPD und Grüne ohne jegliche Aufgabenkritik muss endlich wirksam begrenzt werden", sagte Kleibauer.
Senat verwendet Notgroschen zum Ausgleich struktureller Defizite
Kritik kam auch vom Bund der Streuerzahler. Den Planungen zufolge sollen von den knapp 3,3 Milliarden Euro allgemeiner Rücklage Ende 2029 nur noch 606 Millionen Euro übrig sein. Bereits in diesem Jahr plane der Senat eine Entnahme von bis zu einer Milliarde Euro. "Der Senat verwendet seinen Notgroschen zunehmend, um strukturelle Defizite zu decken", sagte der Landesvorsitzende des Steuerzahlerbundes, Sascha Mummenhoff.