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Berlin & BrandenburgVergewaltigung im Jugendclub? - Massive Fehler der Behörden

11.09.2026, 15:19 Uhr
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Im Frühjahr wurden Vorwürfe laut, in einem Jugendclub in der Hochhaussiedlung Gropiusstadt sei eine Jugendliche vergewaltigt worden. Nun zeigt sich: schon zuvor wurden die Mädchen nicht gut geschützt.

Berlin (dpa/bb) - Die Vorwürfe einer Vergewaltigung in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln wogen schwer - nun bestätigte eine Untersuchungskommission zahlreiche Fehler von Sozialarbeitern und dem Jugendamt beim Schutz von Mädchen. Eine bewusste nachträgliche Vertuschung mutmaßlicher sexueller Übergriffe habe man aber nicht erkennen können, hieß es in dem Bericht der unabhängigen Kommission, die im Auftrag des Bezirks arbeitete. Allerdings wurden Mädchen offenbar immer wieder bedrängt, ohne dass sie ausreichend geschützt wurden.

Die betroffene Jugendliche fühle sich inzwischen unterstützt, "aber insgesamt geht es ihr nicht gut", so die Kommission. Die Vorsitzende Elke Nowotny sagte, das Jugendamt hätte bei ersten Hinweisen auf Probleme eine eigene Einschätzung vornehmen und ein eigenes Schutzkonzept für Mädchen entwickeln müssen und dies nicht dem Jugendzentrum überlassen dürfen.

Jugendamt hätte eingreifen müssen

Auch als es Hinweise auf ein Video und Erpressungen von Mädchen durch männliche Jugendliche gegeben habe und ein Mädchen sich eine Anzeige bei der Polizei gewünscht habe, hätte das Jugendamt eingreifen müssen. Stattdessen habe es zunächst nur Gespräche auf verschiedenen Ebenen gegeben.

Die zuständige Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke), die demnächst aus dem Amt scheidet, sagte, es seien fachliche Fehler gemacht worden, "auf allen Ebenen". An die Adresse der Jugendlichen fügte sie hinzu: "Ihr seid nicht ausreichend geschützt und gehört worden. Das hätte nicht passieren dürfen."

In dem Jugendclub im Stadtteil Gropiusstadt soll eine 16-Jährige von Jugendlichen Ende 2025 vergewaltigt und später bedrängt worden sein. Die Polizei erfuhr davon erst durch die Anzeige des Vaters im Februar 2026. Weder das Jugendzentrum noch später das zuständige Jugendamt des Bezirks erstattete Anzeige. Inzwischen ermitteln das Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Berlin. Das Jugendzentrum ist seit dem 13. März geschlossen.

Keine Hinweise auf Vertuschung

Es bestand der Verdacht, dass der Vorfall nicht gemeldet wurde, um die muslimischen mutmaßlichen Täter nicht zu stigmatisieren. Für diesen Vorwurf gebe es keine konkreten Anhaltspunkte, stellte die Untersuchungskommission fest.

Die Sozialarbeiter im Jugendzentrum, in dem männliche und weibliche Jugendliche betreut wurden, sowie die von einem Verein, der nur Mädchen betreute, seien zerstritten gewesen. Dieser heftige Konflikt über die richtige Betreuung der Jugendlichen hätte vom Jugendamt gelöst werden müssen. "Es fehlte ein konkretes Führungsverhalten. Es wurde viel besprochen. Aber gehandelt wurde wenig."

Die Kommission sprach nach eigener Aussage mit allen beteiligten Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen sowie den Mitarbeitern des Jugendamtes, aber nur mit etwa fünf Jugendlichen. Mehr seien dazu nicht bereit gewesen nach der großen Aufregung im Frühjahr.

Jugendliche berichten von Übergriffen

Die Berichte der Sozialarbeiter hätten sich beim Thema Übergriffe zum Teil sehr widersprochen, sagte Nowotny. Befragte Jugendliche berichteten, dass es durchaus Situationen gegeben habe, in denen Mädchen bedrängt wurden, aber die Fachkräfte "nichts gemacht" hätten.

In einer anderen Situation hätten sie sich sogar über bedrängte Mädchen lustig gemacht. Ein Betreuer habe Jungen angerufen, damit sie vorbeikämen, wenn ein bestimmtes Mädchen da war. Immer wieder mal habe es auch andere Grenzverletzungen zwischen Jugendlichen gegeben, bei denen nicht eingegriffen wurde.

Die Betreuerinnen der Mädchen-Gruppe berichteten, dass die Mädchen sich bei gemeinsamen Veranstaltungen mit dem Jugendzentrum nicht immer wohl gefühlt hätten, weil sie belästigt worden seien. Die Betreuer des Jugendzentrums hätten das aber heruntergespielt und ihren Jungen viel zu wenig Grenzen aufgezeigt, um die Mädchen zu schützen.

Quelle: dpa

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