Berlin & BrandenburgMehr Prävention und Beratung – Senat ändert Suchtpolitik

Cannabis, Kokain, Ecstasy – Berlin will auf hohe Konsumzahlen reagieren. Auch für andere Suchterkrankungen sollen Hilfsangebote ausgebaut werden.
Berlin (dpa/bb) - Berlin stellt seine Suchtpolitik neu auf und setzt künftig stärker auf Prävention, Beratung und Gesundheitsangebote. Menschen mit Alkohol-, Drogen- oder Glücksspielproblemen sollen leichter Hilfe bekommen. Erstmals seit fast 30 Jahren hat der Berliner Senat eine neue Strategie für die Sucht- und Drogenpolitik beschlossen.
"Sucht ist kein Randphänomen", sagte Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) nach der letzten Senatssitzung vor der Abgeordnetenhauswahl. Suchtverhalten werde zwar vor allem an Brennpunkten sichtbar, betreffe aber die ganz Stadt und umfasse auch Phänomene wie Online- oder Spielsucht und die größte legale Droge Alkohol.
Die sozialen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen sind Czyborra zufolge erheblich. "Örtlich begrenzte Reaktionen reichen nicht mehr", so die SPD-Politikerin. "Das haben wir verstanden." Die neue Landesstrategie soll die Antwort darauf sein.
Unter anderem ist vorgesehen, niedrigschwellige Hilfsangebote auszubauen, etwa Streetwork-Projekte, mobile Beratungsteams oder Konsumräume für Menschen mit schweren Suchterkrankungen. Außerdem will Berlin den Zugang zum Überdosis-Gegenmittel Naloxon erleichtern und Angebote stärken, bei denen illegale Drogen auf gefährliche Inhaltsstoffe untersucht werden können.
Parks und Bahnhöfe ebenfalls im Fokus
Geplant ist eine stärkere Früherkennung von Suchtrisiken bei Kindern und Jugendlichen. Czyborra wies in dem Zusammenhang auf die gestiegene Zahl jüngerer Drogentoter hin.
Als wichtige Orte für Präventionsansätze nennt die Strategie unter anderem Schulen und die Jugendhilfe. In Gebieten mit offenem Drogenkonsum wie Parks, Bahnhöfen und Unterführungen sollen Suchthilfe, Sozialarbeit, Bezirke und Polizei enger zusammenarbeiten. Ziel ist, sowohl Betroffenen zu helfen als auch Anwohner zu entlasten.
Die Strategie begründet den Handlungsbedarf unter anderem mit hohen Konsumzahlen in Berlin. So liegt der Cannabiskonsum deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Auch Kokain, Ecstasy und andere illegale Drogen werden in Berlin häufiger konsumiert als im Bundesdurchschnitt.
Suchterkrankungen werden den Angaben zufolge nicht als individuelles Versagen verstanden, sondern als Folge genetischer, psychischer und sozialer Faktoren. Laut Czyborra gab es zuletzt 1997 einen vergleichbaren strategischen Bericht zur Berliner Sucht- und Drogenpolitik. Die neue Strategie soll nun als Handlungsrahmen für die kommenden Jahre dienen und durch einen Maßnahmenplan konkretisiert werden.