BayernMann gesteht Anzünden von todbringender Silvesterrakete

Eine Silvesterrakete löst einen Brand aus, eine schlafende Seniorin stirbt. Der Angeklagte räumt das Zünden ein, eine Zeugin beschuldigt jedoch seinen Freund.
Würzburg (dpa/lby) - Eine schlafende, pflegebedürftige Frau stirbt in der vergangenen Silvesternacht in Würzburg durch ein Feuer, das eine Rakete auf ihrem Balkon ausgelöst haben soll: Gut zehn Monate später hat ein deswegen angeklagter Mann vor dem Amtsgericht Würzburg eingeräumt, die Rakete gezündet zu haben – aus der Hand und obwohl er gesehen haben will, dass sie beschädigt war. Es tue ihm leid, sagte der 42-Jährige vor dem Schöffengericht. "Ich wollte das nicht."
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wusste der Mann, dass der Holzstab der Rakete gebrochen war. "Dies hatte, für den Angeklagten vorhersehbar und vermeidbar, zur Folge, dass die Rakete zunächst rund drei bis vier Meter gerade nach oben flog, dann die Richtung änderte und auf dem Balkon der Wohnung der Geschädigten landete", sagte die Anklagevertreterin.
Zeugin beschuldigt jemand anderen
Dort entzündeten sich den Ermittlungen zufolge verschiedene Gegenstände, der gefährliche Rauch zog in die Wohnung des Opfers in dem Mehrfamilienhaus. Beim Löschen fanden Rettungskräfte die 88 Jahre alte, gehbehinderte Bewohnerin bewusstlos in der Wohnung. Für sie kam jede Hilfe zu spät, sie starb an einer Rauchvergiftung.
Eine Zeugin des Abends erklärte hingegen vor Gericht, ein Freund des Angeklagten habe kurz nach Mitternacht die todbringende Rakete gezündet und bewusst auf das Haus gezielt. Neben dem Angeklagten hatte es einen weiteren Verdächtigen gegeben. Seine Tatbeteiligung konnte aber nach Angaben der Ermittler nicht hinreichend belegt werden.
Das Amtsgericht hat bisher nur einen Prozesstag festgelegt, zu dem neun Zeugen geladen wurden.